TKKG und die geheimnisvolle Sapodilla

Mein Hobby ist, meine Kindheitshobbies einfach weiterzufeiern. Das fällt mir auch immer sehr einfach, weil in meinem Hirn ein sehr großer Bereich für Kinderkram reserviert, ich mich immer noch an vieles erinnere und immer gleich wieder drin bin.

Kinderkrimis, wichtiges Thema. Ich hab noch nicht so recht was gefunden, was Erwachsene lesen, wenn sie eigentlich Ein Fall für dich und das Tiger-Team lesen möchten und was man spielt, wenn man eigentlich TKKG möchte und keinen CSI-Quatsch.

Ich war früher sehr begeistert von den TKKG-Spielen von Tivola, besonders Teil 8, “Das geheimnisvolle Testament” und Teil 3, “Der Schatz der Maya.” Ich hab zwar in meiner Erinnerung jedes nur etwa dreimal gespielt, wahrscheinlich war da eher im unteren Millionenbereich. Ich kann das gereimte Testament auswendig aufsagen und aus dem Maya-Teil habe ich auch noch viele Bruchstücke im Kopf. (Papirossi. Russisch. Mit Knickfilter. Ganz seltne Marke.)

Im Maya-Spiel werden aus dem Museum zwei Jadeköpfe, von Hunahpú und Ixbalanqué, gestohlen und man muss diese aufsprühen, diverse Mysterien aufklären und die Welt retten, in dem man mit je einer Person der vierköpfigen Detektivgang Leute befragt und russische Zigarettenstummel aufsammelt. Ganz am Anfang hängt man sehr viel im Museum bei der Leiterin der Maya-Ausstellung herum, Frau Dr. Svenja Akerström, die kein “sch” sprechen kann und sehr dominanten Lidschatten trägt. Irgendwann bittet sie eins der Kinder (wahrscheinlich das Dicke, das muss immer alle Themen mit Lebenmitteln abhandeln), Schildchen in der Maya-Lebensmittelvitrine zuzuordnen und erklärt dabei die abgebildeten Sachen.

Darin sind ein paar Stufen Schokoladenherstellung, was mit Mais, Kaugummi und eine Rübe. Frau Dr. Svenja Akerström sagt zu der Rübe:

Das ist ein Breiapfel. Er wächst am Sapodillbaum und ist sehr süß und sehr sättigend. Besonders die Mayakinder haben sehr gerne Breiäpfel gegessen.

Aha. Okay. Dann erklärt Frau Dr. Svenja Akerström noch, dass aus der Rinde des Sapodillbaumes klebriges Zeug gewonnen wurde (Chicle), die Urform des Kaugummi. Glücklicherweise hat das Internet noch Screenshots der ganzen Mayaessensaktion und der Breiapfelrübe übrig:

case_for_tkkg_3_-_11__full(Internet im diesem Fall die hier)

Breiäpfel und Dinge wie Quetzalcoatl und Hunahpú und Ixbalanqué sind seit dem in dem Matschepampe von Dingen, die man so nur braucht, wenn Quizapps gerade zwei Wochen cool sind.

Fünfzehn Jahre später (Ernsthaft. Ungefähr.) veranstaltet Pablo netterweise eine Abrissparty, weil ein schmieriger Immobilienhai seinen Wohnblock weggekauft hat und alle schmuddeligen Studenten auf die Straße setzt. Und weil ich am nächsten Tag nach München fliegen muss, habe ich mir gleich einen Flug um sieben gebucht muss durchmachen, auch als die Party schon längst gekippt ist. (Was natürlich nur passiert, wenn man durchmachen muss.) Netterweise erzählt mir dann Rolf relativ detailliert von seiner Indienreise, unter anderem anhand seines Instagram-Streams. Der zeigt unter anderem eine Frucht, die angeblich gut schmeckte, die man aber bei uns nicht kennt und Chiku hieß.


Wir ahnen, was kommt. Irgendwann später (und nüchterner) google ich nach dem Chikuteil, lande auf der Wikipediaseite von Manilkara zapota, der Sapodilla, auf Deutsch auch: Breiapfel. Sofort Frau Dr. Svenja Akerström im Ohr und sofort: Gut, Showdown, Breiapfel. Mit Zehnjährigen ohne Internetzugang kann sich jeder anlegen. Heute sieht das ein bisschen anders aus. I will find you and I will eat you, Bitchrübe.

Zuerst war ich sehr zuversichtlich, weil, sein wir mal ehrlich, es ist ja schon 2016. Ich habe vor zehn in Thailand das erste Mal Rambutan gesehen, jetzt liegen sie bei Edeka entspannt neben den Mangostanen, Menschen feiern Drachenfrüchte, obwohl ich noch nie eine aß, die nennenswert nach irgendwas geschmeckt hab, und madenfressende Fernsehmenschen haben einem breitem Publikum Durian näher gebracht. Und der Gegner ist eine Frucht, die aus Mittelamerika kommt, die man in auch in Südamerika und der südlichen USA finden kann, die man seit dem in Indien und Südostasien anbaut und die einen deutschen Namen wie Breiapfel hat. Nicht einmal Orangen haben einen Namen wie Breiapfel. Das kann ja nicht so schwer sein.

Einen Nachmittag letzten Frühling opferte ich der Sapodilla, durchkämmte gut sortierte Supermärkte und Asia-Läden. Ohne Erfolg. Ich schob es darauf, dass die Sapodilla-Import-Saison laut Internet eher so September – Anfang März ist, also war ich vielleicht einfach zu spät dran. Halbes Jahr Zwangspause. Anfang September war ich dann mehrmals in London, und wenn eine europäische Stadt seltsame Lebensmittel importiert, dann London. Im Internet fand ich diverse Posts zu Sapodillas, immer in dem Stil: “Hallo, ich habe zufällig einmal Sapodillas bei Waitrose/Tesco/Dings gefunden, das hat mein Leben verändert, jetzt sind sie für immer verschwunden. Wo bekommt man welche her?”

Ich war in jedem größeren Supermarkt in London. Und ich glaube gerne, dass man da immer mal wieder was besonders Exotisches findet, aber momentan eben leider keine Sapodillas. Ich fand eine Seite, die exotisches Obst verschickt und gemixte Säfte verkauft mit zwei Adressen, der Saftbar in der Portobello Road und der Zentrale in Bayswater. Ich war in Bayswater, wo ich einen Obstladen vermutete: Es war nur ein Büro, wohl für Logistikkram, in einem oberen Stockwerk eines Wohnhauses. Ich ging dann da nicht hinein. Aber das Internet sagt, Sapodillas schmecken heavenly, nach Marzipan, nach Birne mit Zimt, nach Root Beer, nach Karamell. #nevergiveup.

Jetzt neulich war ich dann in Thailand und Kambodscha, offiziellem Breiapfelterritorium, exzellente Aussichten. Das Problem ist nur, ich war die meiste Zeit auf kleinen Inseln, die alle Lebensmittel einschleppen müssen. Und der Einschleppekatalog ist nach Ananas, Wassermelonen, jungen Kokosnüssen und Mango relativ schnell zu Ende. Was der Tourist nicht kennt oder nicht schön auf Instagram aussieht, frisst er nicht. Die erste größere Stadt war dann Siem Reap in Kambodscha. Man muss wissen, der Wikipedia-Artikel über kambodschanische Küche hat diesen Absatz über Früchte, der sagt:

Fruits in Cambodia are so popular that they have their own royal court. The durian is considered the “king,” the mangosteen the “queen,” sapodilla the “prince” and the milk fruit (phlai teuk doh ko) the “princess.”

Trotzdem, in der Stadt sind Obststände für Touristen, und Touristen wollen (leider) keine seltsamen Sachen. Und dann, in einem Supermarkt für echte Menschen, neben den Kiwis:

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Tadaa! Ich kaufte zwei Packungen. Mehr wären Quatsch gewesen, sie waren nämlich am nächsten Abend nach einem Tag im Koffer schon leicht angematscht. Viel halten sie nämlich nicht aus, ich hab mir nur gemerkt, dass Temperaturen zwischen 6°C und 10°C der sofortige Breiapfeltod sind. Pff, Divas.

Worauf wir alle gewartet haben: Nun ja. Ich finde, sehr, sehr reife Birnen am treffendsten. Schon sehr lecker, aber das habe ich ja schon erwartet. Ich glaube, ich könnte mir Breiäpfel auch gut in Smoothies vorstellen, statt Banane. Sonst war das Teil so anders und dominant, dass ich sie lieber alleine aß statt unter andere Frühstücksbuffetfrüchte zu mischen. Trotzdem: Super, und ich wäre treuer Sapodillakunde, wenn sie denn endlich zu und käme.

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Letztendlich kann ich jetzt endlich mich als Zehnjährige highfiven. Fall gelöst.

Andererseits: Hm, was ist eigentlich eine milk fruit?

Puh, aß ich schon mal. Glück gehabt.

Come stall with me

Gestern wurde der Absturzbericht von AirAsia veröffentlicht. Die Maschine war am 28.12.14 abgestürzt. Meistens brauchen solche Berichte weit über ein Jahr. Diesmal wusste man aber relativ schnell, worum es geht, wahrscheinlich hab ich selbst geklugscheißert, Strömingsabriss nach falscher Reaktion der Piloten auf den Autopiloten ehklarwasauchsonst.

Ich bin kein Flugzeugexperte, ich hab mich sogar noch nie mit jemandem unterhalten, der professionelle Ahnung von Irgendwas hat. Und ich fand in der Schule Physik blöd, weil die Chemie zwischen den Lehrern, die ich hatte, und mir, nie stimmte. Ich hätte Ranga Yogeshware und Ralph Casperse als Physiklehrer gebraucht, nicht welche, die zelebrierten, dass ihre folglich offensichtlich optimierungsbedürftigen Erklärungen nur von fünf Kindern in der Klasse verstanden wurden. Wem ein Publikum ohne Vorkenntnisse nicht gut genug ist, ist raus. 

Aber ich habe ja Interesse. (Und Wikipedia) Speziell daran, wie Flugzeuge fliegen und das lerne ich am besten daran, mir anzugucken, was Schuld ist, wenn sie ausversehen doch nicht einwandfrei fliegen.

Ich habe einmal auf Snapchat über Flugfelder, Coffin Corners und Stalling erzählt und das ist natürlich schon alles längst wieder unverfügbar, aber ich dachte, wenn ich nach einem Glas Rotwein Dinge auf Snapchat “erklären” kann, warum nicht auch hier. Das ist mein Grundstück Internet, ich kann hier unprofessionelle Erklärungen hinstellen, so viele ich möchte, solange sie nicht in Ihren Garten kacken. (they won’t) Vielleicht ist auch etwas falsch, und wenn das hier Experten in die Finger geraten sollte, im Prinzip ist alles zu betrachten wie eine hässliche von Dreijährigen gebastelte Nudelkette aus dem Kindergarten. Hast du ganz schön gemacht. Nein bitte, ich will mich mit sowas nicht vor dem Internet fürchten wollen.

Auftrieb.

Damit ein Flugzeug fliegen kann, braucht man Auftrieb. Den bekommt man, weil Tragflächen so aussehen, wie sie aussehen: Mit einem leicht tropfenförmigen Querschnitt und hinten nach unten geneigt. Wenn die Luft von vorne kommt, muss der Weg über die Tragfläche länger sein, als der unten durch. Denn dann strömt die Luft oben drüber auch schneller, und ein Sog entsteht. Das ist der größte Teil Auftrieb. (Die Luft unten drunter trägt aber auch noch dazu bei.) Ein großes dickes schweres Flugzeug braucht mehr Auftrieb, als ein leichtes. Der Auftrieb selbst ist abhängig von drei Dingen:

  • Der Fluggeschwindigkeit (Ein Flugzeug muss eine Mindestgeschwindigkeit mitbringen, damit das ganze funktioniert. Erstmal: Je schneller, desto gut, mehr später.)
  • Der Luftdichte (weiter oben ist die Luft dünner, kann man mit höherer Geschwindigkeit ausgleichen.)
  • Dem Anstellwinkel (Der Winkel in dem sich Tragflächen und Luftstrom zueinander befinden.)

Der Auftrieb wird mit stärker “gedrehten” Flügeln (Anstellwinkel/ Angle of Attack) größer. Also größer, je mehr das Flugzeug mit der Nase nach oben zeigt.
Wird der Winkel aber zu groß, passiert auf der Oberseite der Tragfläche Murks, Luft turbulenzt herum, und die Strömung reißt komplett ab (Stall). Das ist nicht so gut.

Die Gravitation klopft dann sehr energisch beim Flugzeug an. Im Cockpit gibt es dann eine sehr intensive Warnung. Bei vielen Maschinen (insbesondere bei Boeing) wird der Stick Shaker aktiviert, das Steuerhorn, wo der Pilot idealerweise seine Hände hat, vibriert. Also, den Damen und Herren im Cockpit fällt ziemlich sicher auf, dass etwas falsch läuft. Es stirbt auch keiner sofort, die Situation ist nur schon etwas brenzlig und die Piloten müssen das Richtige tun. Das Falsche macht alles nur noch schlimmer und dann sterben wirklich Flugzeuge und Menschen.

Selten ist zu geringe Geschwindigkeit Schuld. Dann müsste man ordentlich Gas geben und gerne auch die Nase etwas hochziehen. Meistens ist aber eher der Anstellwinkel das Problem. Die meistens richtige Reaktion wäre also dann, die Nase des Flugzeugs nach unten zu bringen, um den Anstellwinkel wieder zu verringern. Das klingt sehr einfach, trotzdem passieren da manchmal Fehler. Air France hat 2009 damit beispielsweise 228 Menschenleben verbraten. (Die Vorgeschichte war eine kurz unzuverlässige Geschwindigkeitsanzeige, aber darum gehts ja gerade nicht.) Also, falls ihr mal in der Situation seid: Nase runter. Vermutlich.

Flugfelder.

 Alles ist natürlich noch ein bisschen komplexer.  Und wenn ich schon dabei bin, erzähle ich gleich noch eine Menge anderer Dinge. Weil ich es kann.

Also. Der Luftraum ist nicht irgendwie durcheinander, sondern fein sortiert in Ebenen. Und da sonst im echten Leben Fuß eine doofe Einheit ist, nimmt man sie halt beim Fliegen. Und, plot twist, man fängt mit 0 feet auch nicht bei NN oder dem Grund an, sondern dort, wo der theoretische Normaldruck von 1013,25 hPa herrscht. Das hat den Vorteil, dass man innerhalb einer Ebene dann immer den gleichen Luftdruck hat, egal, was das Wetter und seine Freunde unter einem so machen. (Anschauliche Wikipediagrafik) Man fängt dann in 100-feet-Schritten an zu zählen. 35.000 feet sind zum Beispiel FL 350. (flight level three-five-zero). Herzlichen Glückwunsch, jetzt sind wir schon fast Profifluglotsen.

Climb Climb Climb.

Vor einiger Zeit lernte ich, dass Flugzeuge im Reiseflug nicht auf einer konstanten Höhe bleiben, sondern eigentlich stetig immer ein bisschen weiter steigen möchten, bis sie dann zum Sinkflug ansetzen. (cruise climb) Das geht natürlich nicht, weil das ein großes Durcheinander gäbe. (Fun Fact: Die Concorde durfte das, weil sie sowieso höher flog und cooler war, als alle anderen Flugzeuge) Stattdessen steigen sie in Flight-Level-Stufen. (step climb) Da müssen sie zwar immer am Boden um Erlaubnis fragen, aber sonst klappt das ganz gut und am Ende haben sie eine hübsche Treppe, zum Beispiel mit 2000-ft-Stufen, statt einer konstanten Cruisinghöhe.

Das macht man wegen dem Treibstoff. Weiter oben gibt es weniger Luftwiderstand und dann braucht man auch weniger Kerosin, um dagegen anzutriebwerken. Das ist aber erst sinnvoll, wenn das Flugzeug leichter geworden ist, also schon ein bisschen von dem mitgebrachten Treibstoff in das Chemtrailprojekt der Bundesregierung investiert verbraucht hat.

Die Sargecke.

Jetzt wird es spannend. Wir wissen:

  • Das Flugzeug möchte weiter oben fliegen, weil es da weniger Nahrung braucht (wegen des geringeren Luftwiederstands)
  • Weiter oben muss das Flugzeug auch schneller fliegen, weil sonst in der dünneren Luft die Strömung abreißen würde
  • Ein dickes schweres Flugzeug braucht mehr Auftrieb; Seine Mindestgeschwindigkeit ist somit auch höher. (Das ist einigermaßen logisch, oder?)

Folglich: Je höher, desto schneller? Nö. Ein Passagierflugzeug sollte auch nicht unbedingt die Schallgeschwindigkeit überschreiten, außer es ist ein Überschallflugzeug und das ist es wahrscheinlich nicht, außer es ist vor 2003, das Flugzeug hat eine spitze Nase uns es steht Concorde drauf. Eine Überschreitung der Schallgeschwindigkeit heißt overspeed und ist der kleine Bruder vom Stalling. Hier passieren auch Dinge, die ich nicht hundertprozentig verstehe, aber es hängt wohl mit der nicht dafür ausgelegten Flügelform, Schockwellen, Verlagerung des Auftriebsschwerpunkts und Einhörnern zusammen und nennt sich Mach Tuck.  Ich gebe mich erstmal damit zufrieden, dass auch hier die Luftströmung unvorteilhafte Dinge tun kann. (Hier dann bitte nicht die Nase nach unten.)

So. Die Schallgeschwindigkeit ist aber niedriger, je niedriger die Lufttemperatur ist. Weiter oben, wo es kälter ist, ist also die mögliche Höchstgeschwindigkeit für das Flugzeug geringer. Und die Mindestgeschwindigkeit höher. Der Toleranzbereich für schöne Geschwindigkeiten wird also nach oben immer kleiner. Und ganz oben, wenn es eigentlich gar keine gute Geschwindigkeit gibt, sitzt die coffin corner. Das ist ein sehr schöner Begriff. Bitte merken.

Und jetzt folgt eine Wikipediagrafik von einem Stefan, der scheinbar auf sämtliche Copyrights verzichtet, deshalb nenne ich ihn jetzt extra oft.

CoffinCornerStallSpeed2So, besser, als wenn ich sich kreuzende Geraden (Mindest- und Höchstgeschwindigkeit) beschreibe und jemand auf Links klicken muss. Danke, Stefan. Soweit, so gut. Was man in Stefans Kunstwerk auch noch sieht, ist, dass die Situation für große dicke Flugzeuge nochmal anders aussieht: Wegen der höheren Mindestgeschwindigkeit wandert die Coffin Corner weiter nach unten und das schwere Flugzeug kann insgesamt nicht so hoch fliegen. Das passt auch sehr gut mit dem vorherigen Punkt mit dem cruise climb zusammen: Alle leichte Flugzeuge können gut höher.

Und nun?

Stalling (und Overspeed) sind gefährlich und bitte nicht zuhause nachmachen. Wir wissen jetzt, dass da eine Menge Faktoren eine Rolle spielen, wie Geschwindigkeit, Höhe und so weiter.

Ich glaube, das ist der klassischste Pilotenfehler. Inzwischen regelt nämlich sehr viel der Autopilot (Stichwort fly-by-wire). Bei Airbus ein bisschen mehr als bei Boeing, weil die Ansätze ein bisschen unterschiedlich sind. Boeing möchte den Piloten eher durch viel Information unterstützen, lässt ihm aber mehr Kontrolle. Airbus möchte den Piloten entlasten und mehr der Steuerung sind dem Computer überlassen.

Viele der Airbus-Zwischenfälle haben mit Konflikten zwischen Piloten und Boardelektronik zu tun und hin und wieder ist dann fly-by-wire in der Kritik, aber nachdem menschliches Versagen immer noch am öftesten zu Abstürzen führt, ist es natürlich auch sehr sinnvoll, viel zu automatisieren. In dem AirAsia-Fall gab es wohl Warnungen zu einem Teil eines Ruders, ein bekanntes Problem bei dieser speziellen Maschine, worauf einer der Piloten wohl an Sicherungen rumbastelte (vgl. Task-Manager), worauf sich der Autopilot auch abschaltete. Und dann verloren sie die Kontrolle. Vermutlich war es auch sehr stressig in diesen Sekunden, aber in meinen Augen hatte eigentlich der Computer recht. Go Computer!

Und wenn man das nächste Mal auch in den Fernseher klugscheißern möchte, wenn es wahrscheinlich um Stalling geht, sagen die Nachrichten:

  • Das Flugzeug fiel wie ein Stein vom Himmel. Oder, auch schön: plummeted from the sky
  • Das Flugzeug geht erst beim Aufschlag kaputt (sowas finden die Investigators meistens sehr schnell raus)
  • Normalerweise keine Probleme während des Flugs.
  • Auch häufig: Kein, oder nur ein wenig brauchbarer, Notruf. Die Situation ist dann so brisant, dass die Piloten viel zu beschäftigt sind, die Maschine zu stabilisieren, da hat ein Notruf geringe Priorität
  • Oft: Gewitterfronten etc. Extreme Wettersituation können zum Beispiel die Geschwindigkeitssensoren verwirren, was die Piloten (seltener die Autopiloten) verwirrt und verwirrte Piloten machen Quatsch.

Maho Beach

Der Maho Beach wäre ganz oben auf meiner Reise-Bucketlist gestanden, wenn ich so etwas führen würde. Und zwar, seit ich davon wusste. Meistens ist es ja sehr unrealistisch, an sehr coole Orte zu kommen. Man hört davon, man guckt nach, und dann liegt das am Arsch der Welt mitten in der Südsee, wie diese Insel, die Niue heißt, auf der es gratis Wlan und legitime Münzen mit Pikachu drauf geben soll. Ich hab mich schon informiert, von Auckland aus geht zweimal die Woche ein Flugzeug. (Abruptes Ende der Planung.)

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Maho Beach liegt auf der karibischen Insel Sint Maarten/Saint Martin, die zu Hälfte zu den Niederlanden und zur anderen Hälfte zu Frankreich gehört. Die Insel ist eine der nördlicheren der Karibik, westlich davon sind die Virgin Islands, noch weiter westlich Puerto Rico und noch weiter westlich die sehr heterogene Landmasse, auf dem das sehr arme Haiti und das sehr touristische Domrep drauf sind. Also gar nicht so weit ab vom Schuss. Auf Puerto Rico war ich ja immerhin schon mal.

 

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Das besondere an Sint Maarten ist der Flughafen, der Princess Juliana International Airport auf der holländischen Seite, dessen Landebahn direkt nach einem kleinen öffentlich Strandabschnitt, dem Maho Beach, beginnt. Zwischen Strand und Flughafen ist nur eine kleine zweispurige Straße. Alle Flugzeuge fliegen also übers Meer an und ziehen dann sehr tief über den Strand hinweg. Das ist so, denn auf der anderen Seite der Bahn sind Berge, die beim Starten überhaupt kein Problem sind, aber den Landeanflug würden die irgendwie vermiesen.

Ein von Tina (@tinaargh) gepostetes Video am

Ich nehme an, dass es kleine Inselflughäfen viele gibt, bei denen auch ständig Maschinen über oder auf Stränden landen. Am Maho Beach kommt aber dazu, dass die europäischen Kolonialherren mit den größtmöglichen Maschinen über den Atlantik brettern müssen, denn natürlich müssen Direktverbindungen von Amsterdam und Paris aufrecht erhalten werden um einen stetigen Fluss von Pionieren zu garantieren. Und im Gegenzug dazu werden kostbare Gewürze, Tee , Kamele, Elefanten und exotische Singvögel zurück nach Europa transportiert. Resultat: Jeden zweiten Tag ein KLM Jumbo, jeden Tag ein AirFrance A340. Das sind große Flugzeuge mit großen Rümpfen und vier Triebwerken. Dann kommt aber noch dazu, dass in die gesamte Karibik (jetzt wohl auch inklusive Kuba), amerikanische Touristen kommen. Blöd wären sie ja, wenn sie das nicht machen würden. Also kommen da noch jede Menge Kurzstreckenmaschinen aus den USA und Kanada an. Manchmal auch aus Südamerika, aber hauptsächlich doch von oben. Dann kommt noch der interkaribische Luftverkehr mit etwas kleineren Maschinen dazu. Dann kommt dazu, dass Sint Maarten praktisch Umsteigestation für alle möglichen Schnösel ist, die nach St. Barth wollen. (Oui, Saint-Barth. canyoubelieveit.) Die fliegen mit sehr kleinen Maschinen, die sicher jedes Mal abstürzen, wenn ihnen exotische Singvögel in den Propeller fliegen, oder mit Privatjets. Also: Jede Menge Flugzeuge. Oh, und Kreuzfahrttouristen. IMG_5999.JPG IMG_6009.JPG Der Maho Beach hat sich ein bisschen zu einem “been there, done that”-Ziel entwickelt, weil es so unglaublich praktisch ist, dass man drei Flugzeugselfies so schnell erledigt hat, dass man auf keinen Fall abends das Schiff verpasst. Die Attraktion ist der KLM Jumbo, der etwa jeden zweiten Tag gegen Mittag kommt, und darauf kann man seinen Ausflug genau planen. Netterweise tauchen dann auch Guides auf, die für zu viel Geld Fotos von einem machen. Außerdem haben die Megafone dabei, und rufen ständig The big one’s coming, that’s the big one, everybody get ready, everybody look up. Falls man übersehen sollte, dass ein immenses Flugzeug über einen hinweg donnert. Kann passieren.

Die Franzosenfregatte kommt immer am frühen Nachmittag und auch sonst ungefähr jede Viertelstunde eine Maschine. Es gibt ein Surfbrett am Strand, auf dem die Ankunftszeiten notiert sind, also die planmäßigen, nicht die tatsächlichen an diesem Tag.

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Außerdem jede Menge Schilder, die vor jet blast warnen: Es ist nämlich cool, aber auch sehr dumm, sich beim Start einer Maschine an den Zaun zur Landebahn zu klammern. Da wie erwähnt alle Maschinen zur Bergseite starten, stehen sie dann mit dem Heck zum Strand und geben Schub. Oft bläst es dann Menschen gegen die Betonabgrenzungen der Straße und sie tun sich weh. Oder, laut Schildern, sterben, aber ich glaube, das ist konkret noch nicht passiert. Vielleicht.

IMG_6023.JPGAls ich da bin, ist das Wetter übrigens grandios beschissen. Regen, Wind, so kalt, dass es einen friert, wenn es gerade auch regnet und windig ist. Eine Copa Airlines Maschine landet gar nicht erst, sondern startet durch, also wohl auch ungewöhnlich viel Windregen. Der Strand ist sogar vorübergehend leer, und eigentlich ist dieser Strand nie leer.

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Als the big one kommt, ist es immer noch sehr bewölkt und er fliegt nicht so tief ein, wie immer auf YouTube. Damn.

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Dann reißt es auf und ich war sogar baden, obwohl die Wellen ziemlich hoch waren. Mein aufblasbarer “Dekorationsartikel, nicht im Wasser verwenden”-Airbus A380, der für jedes Wasser mein Go-To-Schwimmtier ist, zerschellt elendig in der Brandung. (Inzwischen habe ich einen neuen. Alles gut.)

 

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Und hier sind Fotos. Handy und Kameras gemischt, die abwechselnd meine Schwester, mein Vater und ich in der Hand hatten. Überhaupt: Ich bereue nichts und würde jeder Zeit wieder dahin.

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Bonus: hehehe.IMG_2934

Country Roads

Wie war das nochmal mit der komplizierten Geschichte mit dem Flug und dem Schnee und dem Spontanroadtrip? Also:


Mittwochnachmittag, Aruba.

Der Queen Beatrix International Airport in Aruba hat sich ein besonderes Konzept überlegt und ist unterteilt in U.S.- und Non-U.S.-Departures. Obwohl auch in unseren Sommermonaten viele Südamerikaner in das konstant warme Klima fliegen, ist ganz viel auf amerikanische Touristen ausgelegt. Über dem Terminal schwebt die gleiche dunkle Wolke, wie über der amerikanischen kommerziellen Luftfahrt, die vor vielen Jahren mal falsch abgebogen ist. Weg von dem Prestigegetue der europäischen und asiatischen Fluggesellschaften, fliegen muss sich mindestens so dreckig anfühlen wie Reisebusfahren. Mit grünstichigen Röhrenmonitoren und bestenfalls teuren Fertigsandwiches. Meistens gilt, dass man für jedes Gepäckstück unmittelbar vor dem Check-In an einem instabilen benutzerunfreundlichen Automaten $25 bezahlen muss. Es gibt Ausnahmen (Anschlussflüge) aber die kennt der Automat in der Regel nicht. Also fliegt der gekonnte Inlandsflug-Amerikaner lediglich mit Handgepäck, das so schwer, groß und voller Kulturbeutelinhalt ist, dass ein europäischer Kontrolleur mindestens weinend zusammenbrechen würde. Aber es scheint zu funktionieren. Anschließend wird dann jener gesamte Hausstand in deine Gepäckablage geprügelt, bevor du überhaupt einsteigst.  Das Personal entgegnet dir dann mit Schulterzucken, falls da für deine Winterjacke kein Platz mehr ist, denn auf der falschen Abzweigung gibt es auch “That’s not my problem”-Philosophie, die besondern am Boden häufig ehrgeizig verfolgt wird. Es ist keine absolute Katastrophe, aber sehr weit weg vom “Lächeln und zumindest so tun, als würde man helfen”-Prinzip der restlichen Flugzeugwelt.

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Auf dem Flughafen in Aruba reist man bereits über einen Automaten in die USA ein, irre gruselig und Überwachungsstaat, aber andererseits spart man sich dann die Stunde in der überheizten Immigrationshalle, die mit den 3/35 aktiven Schaltern, in der man nicht auf sein Handy gucken darf. Trotz alle dem kann das Personal irgendwie doch nicht so gut Englisch, jedenfalls nicht verhandlungssicher was schade ist, denn eigentlich muss man bei Flugproblemen doch ständig verhandeln. (Auch eine Konsequenz der falschen Abzweigung) Wenn alles glatt geht, ist das aber kein Problem.

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Wir wollen eigentlich von Aruba nach Washington D.C. fliegen, und zwar über Charlotte, North Carolina. Das ist ein Knotenpunkt und zwar ein ganz okayer, denn am Flughafen gibt es Schaukelstühle. Donnerstag dann Washington und dann mit dem Leihauto nach New York. Eventuell Atlantic City. Freitag New York, Samstag Rückflug. Der Automat weigert sich allerdings. “There’s a problem with your flight” sagt er, und an Servicepersonal wenden. Der Mann am Schalter sagt: “There’s a problem with your flight.” Nach drei Minuten intensiver Recherche mit gerunzelter Stirn hat er herausgefunden, dass der Anschlussflug von Charlotte nach Washington gecancelled wurde. Naja, kommt vor. Der Flug ist einer der letzten am Tag, käme gegen Mitternacht in Washington an, war wohl nicht ausgelastet. Aber irgendwie findet der Schaltermann keine Alternative, keine andere Fluglinie, kein Ausweichen auf Baltimore. Das teilt er aber nicht mit, sondern murmelt nur mantrisch “no.” Irgendwann sagt er, die einzige Möglichkeit der Welt wäre ein Weiterflug Donnerstagmorgen, um 6 Uhr. Er könne das buchen. Okay, er buche das. Er schicke dann die Bestätigung zu. Nee, jetzt könnte er nichts auf die Hand geben, aber das käme das per Mail. Puh. Ganz schön harte Bedingungen, aber er hat es souverän hingekriegt.

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Angeblich erwartet man an der Ostküste einen Schneesturm. Aber erst Donnerstagmittag. Direktflüge (die wohl schon voll waren) von Aruba nach Washington finden an diesem Mittwochnachmittag noch statt. Ebenso nach New York, Philadelphia und was es noch so alles gibt. Wir reservieren vorsichtshalber ein Hotel in Charlotte. Einige in Flughafennähe sind nämlich schon voll, falls es doch so sein sollte, dass wir erst morgen früh weiterkommen. Irgendwann kommt die Mail der Schaltermannbuchung, ein im mittelguten Flughafeninternet nur so halb lesbares Machtwerk mit unbekanntem IATA-Code. DAY. Er hat einen Flug über Dayton, Ohio gebucht und das mit keinem Wort erwähnt.

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In Charlotte ist es dann gegen neun und die Hölle los. Letztendlich hat die Airline alle letzten Flüge des Tages an die Ostküste gestrichen, wohl um zu vermeiden, dass die Maschinen dann am nächsten Tag, wenn es wirklich los geht, dort festsitzen. Zu dem Zeitpunkt hat es in Charlotte um die zwanzig, in Washington um die zehn Grad und Regen. Keine Spur von irgendeinem Wintereinbruch in den nächsten Stunden, aber “That’s not my problem” nörgeln die Damen am Schalter zu den Massen von gestrandeten Passagieren und “There’s nothing we can do for you.” und gelegentlich geben sie auf Nachdruck Hotelnachlassgutscheine raus, nur gültig für Hotels, die zu diesem Zeitpunkt schon belegt sind. Wir geraten an eine weniger genervte Dame, die einen Flug am Donnerstagmittag nach Baltimore anbietet, aber, honestly, davor und danach sei alles inzwischen gecancelled, und es sei sehr wahrscheinlich, dass dieser Flug auch nicht fliegt.  Dann eben nicht. Dann eben morgen früh über Dayton. Bevor wir ins Hotel fahren, fragen wir noch einen Mensch mit Hauptkompetenz Luggage, ob wir unsere vier Koffer am Flughafen lassen können. Baggage Storage? No sorry. Never heard of that. You can’t do that. Aber Sie sind ein Flughafen! Jeder hat das! Das wird ordentlich durchleuchtet und dann ist da auch kein Sicherheitsrisiko und das haben sogar Bahnhöfe! No sorry. Never heard of that. You can’t do that.

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Taxi zum Hotel. Hotel und Leihauto in Washington für den nächsten Morgen absagen, erneutes Lesen der nun vollständig geladenen Mail des Schaltermannes. Oh. Da steht “6 pm”, nicht “am”. Und das Datum ist auch irgendwie falsch. Der Schalterkasper hat statt für Donnerstagmorgen einen Flug für Freitagabend gebucht. <Pause für entsetztes Schweigen.> Das ist natürlich inakzeptabel, denn Samstag sollen wir ja in ein Flugzeug nach München steigen. Das von Newark fliegt, was immerhin noch 350km von Washington entfernt ist. Wir sagen dem Taxi, dass es umdrehen soll und zurück zum Flughafen fahren soll. Vielleicht doch lieber Mittags Baltimore riskieren? Ein Leihauto holen und noch bis etwa Mitternacht nach Norden fahren?

Die nette Frau ist inzwischen nicht mehr da. Die anderen meckern deutlich noch, die Halle voller Leute, sie stehen auf und sperren ihre Schalter. Ein paar Minuten vor zehn, vermutlich dem offiziellen Ende ihrer Schicht. Ich denke an Leute mit “Tut mir Leid, da war heute so ein Chaos, ich musste länger bleiben.” Nicht in Charlotte. Die Schalter für Leihwagen, mit Ausnahme von einem, haben bereits geschlossen, und dieser eine sagt, alle Leihautos aller Firmen in der gesamten Umgebung seien bereits weg. Tut uns Leid. Suchen Sie sich ein Hotel.

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Wir stehen um sechs Uhr auf, Tagesziel: Irgendwie Richtung New York, das Frühstück ist okay, Charlotte ist dunkel und das Fernsehen fürchtet sich vor dem Schneesturm, der noch nicht da ist. In New York regnet es. In Nashville fürchtet man sich ganz besonders. Tausend Kilometer bis nach New York. Die meisten Fluggesellschaften haben all ihre Flüge gestrichen, einzig Delta versucht, zu fliegen. Bunte Wetterberichtsbilder. Wenn, dann besser die starkfrequentierte Interstate 95 meiden (an der Küste, über Washington etc), die könnte dicht sein, eher die Interstate 81 weiter im Landesinneren. Vielleicht gibt es einen Zug. In normalen Ländern gibt es Züge. “Yes, there’s one Amtrak,” sagt die Frau an der Rezeption. Amtrak. Bei Amtrak denke ich automatisch an den brennenden Zug von Choo Choo Motherfucker. Für den ist das bisschen Schnee sicher kein Problem. “It leaves 7.20, that’s the only one today.” Es ist sieben, keine Chance, in zwanzig Minuten irgendwo an einem Bahnhof in einen Zug zu steigen. Warum in den USA Züge auf Hauptstrecken seltener fahren als die Münchner S-Bahn inklusive Streik, Weichenstörung und Luftballon in der Oberleitung gleichzeitig, erschließt sich mir nicht ganz. Greyhound ist unglaublich teuer und nimmt auch die gefährliche Interstate 95, die Nachmittags da drin ist, was die aufgeregten Wetterleute “it” nannten. Rezeptionsfrau sucht auf einer underground Website nach Leihautos. Findet auch eins, irgendwo in einem Gewerbegebiet außerhalb von Charlotte. Wir reservieren.

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In Charlotte regnet es inzwischen, das Taxi setzt uns an zwei Containern irgendwo neben einem verdächtig leeren Parkplatz am. “I don’t have a reservation” sagt die Frau am Schalter im Container. Und außerdem, sagt sie, habe sie auch keine Autos. Deshalb der leere Parkplatz. “You see,” sagt sie “our computers aren’t connected to the database.”  <Pause für Weinen> “the website is never up to date. You have to phone us.” Ich habe das erste Mal im meinem Leben das Gefühl, dass ich an anderem Ort bin, von dem ich ums Verrecken nicht wegkomme. Es gibt immer so viele Möglichkeiten, das kommt einem gar nicht in den Sinn, dass was einmal nicht geht, und dann ist wie Stromausfall mit leeren Akkus. Also, fast. Die Frau telefoniert dann nämlich wild rum und findet dann jemanden, der ein Auto bringen kann. Sogar eines, in das alle Leute und Koffer passen. Yeah, niemand muss für immer in Charlotte bleiben. Aber es war so, so knapp.

Das Auto kommt und dann kommt das, was immer kommt: Den nächstbesten Convenience Store leerkaufen, Getränke, Fertigkaffee, Kekse, Gummibärchen, die blauen Doritos, abgepackte Sandwiches, yay Roadtrip.

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Kurz nach der Grenze zu Virginia (Salem/Roanoke) kehren wir in einen Taco Bell ein. (when USA, then fast food. Ohne Widerstand. Sorry, falls das eure Gefühle verletzt.) Eine Maschine der Delta ist in New York im Schnee von der Landebahn abgekommen. Und in dieser halben Mittagspausenstunde bricht auch in Virginia der Winter aus. Danach die schlimmsten Stunden Fahrt, die Straßen voller Slush, dann Eis und das hässliche leichte Schlittern beim Spurwechseln. Der Schnee ist irgendwie anders als ich ihn kenne, die Flocken zerspringen auf der Straße regelrecht. Und in den USA hat man eigentlich keine Winterreifen, weil es bestimmt sowieso nie da schneit, außer ständige Blizzards, aber dann fährt der Amerikaner wohl begeistert Fahrrad. Oder Amtrak. Die Trucks fahren besonders vergnügt besonders schnell, Kühlergrills komplett vereist, patriotische Sprüche für alles mögliche überall. Und sie lieben im Straßengraben. Haufenweise. Bei den ersten hat man ein sehr mulmiges Gefühl, zwanzig später relativiert sich das ein bisschen. Wer auch immer die Straßen aufräumt, lässt alles, was nichts blockiert, einfach liegen. Ich hab sie nicht gezählt, aber eine realistische Einschätzung wären um die zwanzig PKW und vierzig Trucks. Alle im Graben.

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Am Nachmittag kommen wir in Gebiete, in denen die Interstate aktiv gesalzen wird. Man sieht auch wieder etwas vom Asphalt. Wir machen dann keine Pause mehr, nur für Toilette und einen Becher Kaffee, aus Angst, das schlechte Wetter könnte uns weiter einholen. Virginia ist sehr groß. Ich habe eine Bekannte aus Virginia, die jammert auf Facebook im Sommer, dass es dort zu warm ist und im Winter, dass es zu kalt ist. Vielleicht übertreibt sie doch nicht so viel, wie ich dachte. In Virginia stehen vor allen Häusern nur Pickups.

Als es spannend wird, ist es schon zu dunkel für Fotos. Dinge fangen an, ständig Shenandoah und Blue Ridge zu heißen (ALMOST HEAVEN, WEST VIRGINIAAAH), und ich habe zum Glück eine offline Playlist mit ausgewählten Stücken von John Denver. (Don’t ask.) In West Virginia sind wir aber nicht lange, doch es ist sehr nett dort, ein großes “Welcome to West Virginia”-Besucherzentrum, im Gegensatz zu Maryland, was gleich danach kommt und man kaum bemerkt hätte. Das Schild ist auch nicht übermäßig groß. Wo man sich Patriotismus wünscht, enttäuscht er einen. Pennsylvania, Milestone Harrisburg, Interstate 78, “jetzt ist auch schon egal”, weiter. Irgendwann sagen die Schilder mit den Meilenangaben schon “New York City,” aber das ist viel später, als ich erwartet habe. Wahrscheinlich American Style, großen Städten keine Straßenschilder oder Bundesstaatshauptstadtwürde zukommen zu lassen. Wir sind um Mitternacht in Newark.

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Der Freitag in New York ist sonnig, schmerzhaft kalt (-19°) und gut, denn New York ist immer gut. Irgendwann kommt dann eine Mail von US Airways, es täte ihnen Leid, uns mitteilen zu müssen, dass unser Flug von Dayton nach Washington leider gecancelled wurde. Alles richtig gemacht.

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Das Internet ist schlecht für eure Kinder

Als ich vorletztes Mal in Bayern war, war das Wetter besser als das letzte Mal und folglich war ich ein bisschen Bergwandern. Ich gehe sehr gerne zu Fuß, insofern ist Wandern nicht so weit hergeholt, Berge sind eher so eine Trendentwicklung der letzten Jahre.

Letztendlich hab ich nie viel gemeckert, wenn ich Bergwandern war, weil ich mal Felsen und Wälder und Ruhe und Runtergucken, aber den Impuls gab ich selten, weil drinnen ist es auch schön und das Internet ist schneller.
IMG_5667.JPGIch hab da jetzt länger drüber nachgedacht, warum mich jetzt Natur mehr interessiert als früher und kam zum einen darauf, dass einem als Kind sowieso viel egal ist, aber auch und vor allem, dass das Internet schuld ist.
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Tatsächlich ist Instagram für mich ein bisschen eine “Go outside!”-Angelegenheit und genauso eine “Eat better food!”-Angelegenheit. Das ist ein bisschen gruselig, weil es an der Gradwanderung ist zu Dingen, die man nur macht, um dann ein Ergebnis zum Angeben zu haben, aber eigentlich ist es ja gar nicht so. Eigentlich, wenn mans richtig macht, soll man ja Pinterest zum inspirieren nutzen, aber damit komm ich nicht klar. Ich bleibe lieber bei Instagram. Das ist bestimmt auch okay.
IMG_5669.JPGFotografieren hilft ja sowieso, Naturdinge ein bisschen mehr zu schätzen. Also ist das alles total legitim. Ich fand heraus, dass ich dazu tendiere, Dinge auf Fotos von anderen Leuten gut zu finden, die ich vorher normal halt fand (Felsen und Wälder und Ruhe) und wahrscheinlich ist das psychologisch gesehen total der Fortschritt für alle. Yay. Bewusstseinserweiterung!
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Vielleicht bin ich der einzige Mensch, dem es so geht, ich glaube aber nicht. Aber so ein bisschen “Ich will auch mal wieder was Schönes sehen” (“Gutes essen”/”Cooles machen”) – Denken ist sicher ganz sinnvoll.

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Wir gingen übrigens knapp 700 Höhenmeter, zuerst auf den Blomberg und dann rüber auf den Zwieselberg. Hauptkriterium war, dass der Zugang (Bad Tölz) auf der Autobahn vor dem Ende in Eschenlohe liegt, wo ja bekanntlich immer eine Stunde Stau ist. (Anmerkung für Hamburger: Die wirklich hohen Berge, wie die Zugspitze, sind knapp hinter dem Autobahnende.) Ich habe relativ wenig Kondition und jammerte das erste Viertel ganz schrecklich, dann ging es aber. Danach hatte ich tagelang Muskelkater in Muskeln, deren Existenz ich erst ergooglen musste. (Musculus tibialis anterior) Offensichtlich macht es doch einen Unterschied, wenn man in einer Stadt wohnt, in der einem außer Treppenstufen keinerlei Höhenunterschiede begegnen. Mal gucken, was diese Sommersaison noch so klappt. Dem Plan für letzte Woche ist schon mal wegen schlechter Witterung passiert. Pff.

 

 

Käferbohnensalat

Seit ich in Hamburg wohne, isst meine Demographiegruppe ganz anders als ich selbst. Ziemlich viele sind nämlich Mindestensvegetarier und kramen ständig neue Körnersachen von irgendwo aus der Welt raus, die dann in jedem gut sortierten Bio-Supermarkt 6,95€ kosten. Wahrscheinlich ist das total gerechtfertigt und die Inkas, die das handverlesen, werden fair bezahlt, aber ich bin ja immer noch Student. Ich steh total auf billiges Essen.

Eigentlich nicht, aber es hilft ja nichts. Irgendwann im letzten Jahr gab sich mein Körper geschlagen und hörte auf, auf Mensafertigkartoffelbrei mit Aufstoßen zu reagieren und seit dem tut er mir unendlich Leid. Ich persönlich lehne ja noch immer Fertigkartoffelbrei stark ab, im Sinne von If you go home with somebody and they have Fertigkartoffelbrei, don’t fuck them. Ich verstehe Fertigkartoffelbrei in Hauptsache-Essen-Großküchen, aber sonst ist das höchstverboten. Außer vielleicht man ist Astronaut. Dann muss man aber das Wasser direkt in die Packung kippen , durchschütteln, fertig.

Ich hänge also schon ein bisschen an genießbarem Essen, sofern es in meiner Macht steht. Und ein bisschen versuche ich, bayrisch/österreichische Dinge hierher einzuschleppen, weil hier jederzeit mehr Leute schon mal Tahina gegessen haben als Zwetschkenröster. (EEEY ZWETSCHKENRÖSTER.) Ich sehe das jetzt als Bildungsauftrag.

Heute: Steirischer Käferbohnensalat, nach einem Rezept meiner Mutter, denn ich kann Dressings nicht einfach nach Gefühl.

Die Käferbohne ist eine underground Hülsenfrucht, auf die schon die alten Urvölker Indochinas der Steiermark schwörten. Die Bohnen sind groß und gefleckt, und in der Steiermark sehen so wohl auch Käfer aus, ich kann das nicht beurteilen. Jedenfalls ist man dort sehr auf Arnold Schwarzenegger und Kürbiskernprodukte fixiert, also Kürbiskerne zum Knabbern kommen meistens von dort, und besonders, und das soweit ich weiß auch in Deutschland, Kürbiskernöl. Get yourself some Kürbiskernöl, guys. Kürbiskernöl is great, use it for example to pimp your Kartoffelsalat. Sollte man eigentlich gut zu kaufen finden.

Zurück zur Käferbohne. Das ist ein anderes Kapitel. Ich importiere (auch: lasse importieren) Käferbohnen in 400g (Abtropfdings 250g) Konserven, meistens von Hofer (entspricht Aldi), seltener von Billa. Ich habe jetzt ausgedehnte Recherche betrieben, und tatsächlich scheinen Konserven von Käferbohnen in Deutschland nicht so einfach erhältlich zu sein. Ich glaube, mal welche im Asia-Supermarkt gesehen zu haben, bin mir aber nicht sicher. Was es aber gibt, sind getrocknete Käferbohnen, zu kaufen als “bunte Riesenbohnen” im (Überraschung!) gut sortierten Bio-Supermarkt. Für um die 5€. (Von Davert.) Das war zwar so nicht geplant, aber immerhin ist jetzt bestätigt, dass wir hier von total gesundem, hippen Zeug reden. Und ich hab keine Ahnung, wie man mit getrockneten Bohnen umgeht. Das macht ihr am bestens erst mal selbst, könnt euch auch ein bisschen von Mutti helfen lassen, wir haben das hier solange schon einmal vorbereitet.

Serviervorschlag.
Serviervorschlag

(für so 4 Personen. Oder als okaye Mitbringmenge)
Das eigentliche Zeug:
2 Dosen Käferbohnen (400g Dosen, wohl abgespült dann so 500g Bohnen)
1/2 rote Zwiebel

Dressing:
2 Würfelzucker
1/2 Tasse Wasser
100 ml Condimento bianco
2-3 Esslöffel Kürbiskernöl
1 Teelöffel Salz
1 Esslöffel getrocknete Kräuter (muss man nicht, sieht aber schöner aus)

Bohnen in ein Behältnis kippen, Dressing auch draufkippen, Zwiebel in feine Ringe hobeln und hübsch darüber werfen. Fertig. Ging ja jetzt schnell. Hätte man gar nicht so viel schreiben müssen.

 Anmerkung: Wer sich auf den Link klicken traute: Das sind Dinge, die mir Verwandte im Kleinkindalter beibrachten. Zum Glück hat YouTube ALLES.

Pures Gold

Als bayrisch-österreichisches Kind bin ich selbstverständlich mit der default Religion geboren und hab in den Jahren darauf das mitgemacht, was man halt so musste. Also, zweimal die Woche Jesusse ausmalen, obwohl Jesus wohl weiß trug, aber das wäre witzlos gewesen, bei mir trug Jesus immer mittelblau. Und sich beibringen, wie man Sachen erfindet die jemand, in diesem Fall der Religionslehrer wohl hören will, wichtigester Skill aller Erwachsenen.

Jedenfalls hatte ich irgendwann auch Erstkommunion, da musste dann der Heftumschlag statt weiß lila sein, denn Lila ist die Farbe der Vorbereitung, und man musste Beichten, und irgendeinem Kaplan erzählen, dass man manchmal seine Geschwister ärgert und mal der Nachbarstochter einen Zettel mit Aschloch vors Fenster hielt, und am Ende musste man weiße Schuhe kaufen, ein weißes Kleid tragen und durfte sich darin beim Braten essen nicht bekleckern. Es war eine harte Zeit.

Und es gab Geschenke! Besonders von älteren Verwandten, besonders Geld und wertvolle Sachen. Man musste die wertvollen Sachen schon ganz langsam auspacken, und dann lagen sie da und man musste sie ehrfürchtig angucken, bis jemand “Das ist wertvoll” hauchte, es mitnahm und wegsperrte, für später. Manchmal, wenn man Glück hatte, bekam man auch erklärt, worum es sich bei der wertvollen Sache handelt. Ich bekam zum Beispiel einen Hummel-Teller. Das ist offensichtlich ein Teller mit Bemalung, der wertvoll ist und den man sich an die Wand hängen kann, wenn man mal groß ist, und ihn bestimmt nicht gleich kaputt macht. Ich habe diesen Status bis heute nicht erreicht. 

Schmuck bekommt man auch, vorallem Schmuck mit Kreuzen dran, weil Jesus. Von meinem Onkel bekam ich eine Halskette, die optisch nicht ganz ein Kreuz war, aber so ähnlich:  

Das war gar nicht mal so durchdacht, damals, mit acht Jahren, was ich lediglich in Amerika gewesen, mit zwei Jahren, ich wusste also im Prinzip gar nicht, wie ein Flugzeug von innen riecht. Das nächste Mal flog ich erst mit zehn.

Die Kette war auch nicht mein bester Freund, weil sich darin hinten leicht Haare verfangen und das ziepte dann. Und Ziepen war für mich nur kurz unter Kratzepullovern, also inakzeptabel. 

Letztens habe ich die Halskette nach Jahren mit hauptsächlich Modeschmuck wieder aus ihrem Versteck für wertvolle (achtung, nicht kursiv) Sachen geholt und an mich gerissen. Denn es ist ein Flugzeug. 

Das Ziep-Problem gibt es immer noch, aber ich bin sehr tapfer. Und bisher schaffe ich es auch, trotz jeden zweiten Tag Kletterhalle nicht zu faul für eine Halskette mit Verschluss zu werden. 

Dafür steh ich dann da und denk mir, hey, ich hab da ja ein Flugzeug. Aus PUREM GOLD*. (*Spekulation) Leider sieht es meistens keiner. Außer zum Beispiel im Bikini, denn das Flugzeug und ich waren im Salzwasser auf minus sechsundzwanzig Metern und es ist wie neu. Yay PURES GOLD* (*siehe oben).

Und eigentlich bin ich insgesamt froh, dass sich so ein Kommunionsgeschenk Jahre später als supertoll herausstellt. Und dann war es ausgerechnet die Flugzeugkette und nicht wie erwartet der Hummel-Teller. Wer hätte das gedacht?

Warum die Welt schlecht ist. Auch an Flughäfen.

Hallo, ich wollte nur sagen, dass die Decke des Hamburger Flughafen über den Arrivalzonen übrigens voll mit ausgesetzten “Welcome Back” Luftballons ist.

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Das ist die Decke von Terminal 1, dem Terminal für Nicht-Star-Alliance-Fluggesellschaften, also auch Emirates, als auch Hamburgs einzigem Tor zur großen Welt. (Those poor bastards. :( ) Das ist das Terminal der Selbstfindungstrips auf neuseeländische Schaffarmen und von Hashtag Wanderlust Hashtag blessed. Das Terminal, an dem deine Freunde, die dich seltsamerweise nach dem Urlaub Work & Travel nicht vergessen haben warten, was ziemlich nett ist, trotz ihrer mangelnden kreativen Fähigkeiten ein Plakat gemalt haben, was ziemlich nett ist, und dir für 14,95€ einen Luftballon gekauft haben, WAS DAS ALLERNETTESTE IST.

Und statt dass du den Luftballon ehrst und mit nach Hause schleppst und ihn für physikalische Experimente nutzt, wenn dir sonst nichts einfällt, lässt du ihn einfach los weil, vor deinen Freunden. Pardon, aber das ist vollkommen inakzeptabel. Hättest den wenigstens einem Kind schenken können. Oder einen Hund dranbinden.

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Anmerkung: Ich weiß nicht, wie viel so ein Luftballon tatsächlich kostet, aber ich habe eben 0,5 Liter Cola für nur lächerliche 3,35€ gekauft. Hinter den Sicherheitskontrollen ist nämlich alles aus purem Gold. Immer.

Eigentlich wichtigere Anmerkung: Ich schrieb das hier letzte Woche am Flughafen, ganz mühevoll auf meinem Handy, mit der WordPress-App. Bilder-uploaden lieferte ständig “failed”, googlen sagte, die .htaccess muss geändert werden, also verwarf ich dann alles erstmal. Inzwischen hab ich nachgeguckt, geändert und festgestellt, dass Bilder zwar hochgeladen werden und wurden, aber nicht eingebunden. Also wohl eher ein Bug in der App. Manuell einbinden geht, aber HTML auf dem Handy ist auch eklig. Man gucken, wie ich das in Zukunft mache. Urgh. Noch bin ich sehr bemüht oder so.

ahoi

Guten Abend meine Damen und Herren,

Ich habe hier ein Standard-Theme von letzten Jahr drübergeschmissen, was man als ordentlich immatrikulierter Informatikstudent natürlich absolut nicht darf und mir ist total bewusst, dass ich mir hiermit natürlich meine gesamte Zukunft verbaue. Blöd gelaufen.

Aber ich lag hier eben so mit meinem Fischkissen eines kleinen total fancy Fischkissen aus der schwedischen Manufaktur Ingvar Kamprads, und fütterte meine PS3 mit Produkten der Mittelstufenerörterungslobby, schamlosen Killerspielen. Nur schnell installieren, und dann hatte ich aber irgendwie schon bei den ersten 30% meine vier Kartoffeln fertig geschält und – was dann? Also verbringe ich meine Zeit hiermit. Hurra!

Hier ein Beweisfoto:

Eigentlich installierte ich nur Far Cry 3 und diese Fallout: New Vegas Essentials-Dings.  Das andere lag da, weil es sich vorher in der PS3 befand oder weil ich einer der schrecklichen Menschen bin, in Sachen nur kurz und vorübergehend, ehrlich, in falsche Hüllen packen, vor denen euch eure Mutter immer gewarnt hat. Und hierbei ist zu erwähnen, dass ich Fallout: New Vegas sehr mag, bisher aber nur das UK-Basisspiel besaß, denn der Connoisseur nimmt selbstverständig Abstand von zensierten deutschsprachigen Versionen. Allerdings ließ mich der deutsche PSN Store (der sicher schon wieder anders heißt, bis jemand das hier liest) keine mit der UK-Version kompatiblen Addons kaufen (inkompatible BLES-Nummern, hatte das Problem bisher nur bei Fallout-Spielen),  weshalb ich mir nun eine UK-Version mit Addons leistete, weil alter Kram, der sowieso dauernd freezt, gar nicht mal so teuer ist.

Hier ein Beweisselfie von der Boden-Kissen-Situation, das ich nur hier exklusiv veröffentlich, weil ich auf Instagram wieder traurig werden, wenn meine Freunde immer nur die Bilder von anderen Mädchen gut finden. :(
(true story. Ich bin nicht hart genug für das Internet)

Processed with VSCOcam with f2 presetAber: Ich ließ mir letztens anerkennend sagen, dass ich im Gegensatz zu all den anderen anonymen Kurzsichtikern sogar manchmal in der Öffentlichkeit meine Brille trage, also ist das hier ein weiterer total mutiger Schritt. Knapp an der Wirkung von Aktionskunst mit Schafsblut vorbei, aber was nicht ist, kann ja noch werden.

Ansonsten hab ich den ein oder anderen Plan hierfür, aber traut mir mal nicht zu viel zu. Ich bin aber total bestechlich mit Kommentaren wie “Nee, du schreibst nicht sowieso immer zu viel, auch heutzutage lesen das noch Leute!” oder “Mir erst mal egal, dass das Theme nicht angepasst ist und du dir auch sonst in der Richtung erstmal gar keine Mühe gegeben hast.”      

PS Inzwischen ist natürlich wieder alles in den richtigen Hüllen.

Die wundersame Geschichte, wie ich Japanisch lernte (und nach Japan wollte)

Ich versuche jetzt, hier wieder was zu tun und Dinge zu schreiben, die ich schon ewig schreiben wollte, aber mir dachte, ich müsste mal mit dem Anfang anfangen. Oder vielleicht müsste ich vor dem Anfang noch das hässliche Layout ändern, aber das konnte ich nicht gut genug, also entschied ich mich für die Schreiben-Lösung, tadaa.

 

Hier ist etwas, was ich fünfhundert Mal gefragt wurde:

 

Die wundersame Geschichte, wie ich Japanisch lernte (und nach Japan wollte)

 

Ich hab für Asien durchaus was übrig. Das war schon immer so, seit ich das erste Mal irgendwo dort war – das war 2005 in Singapur. Ich mag die Menschen, die Kultur, das Essen und hab einen ziemlichen Soft Spot für Wet Markets und überhaupt frisch abgemurkste Speisefische.

 

Das ist die eine Sache. Die andere ist, dass ich Sprachen mag, obwohl ich an sich nicht gerne spreche. Das klingt sehr paradox, aber an sich verstehe ich gerne Dinge. Es ist zum Beispiel gut, dass ich mal so mittelmäßig Französisch lernte, weil ich mir ein bisschen Spanisch und Italienisch erschließen kann und es so weniger wahrscheinlich ist, irgendwas komplett falsch zu verstehen und aus Versehen zu sterben. Das ist total praktisch für unterwegs.

 

Trotzdem ist meine optionale Sprachenkarriere zunächst eine sehr traurige. Grundpfeiler hiervon sind, dass ich zunächst nichts tat. In der Schule denkt man ja, man hat den grausamsten Vollzeitjob aller Zeiten und es ist vollkommen unfair dem Hirn gegenüber, ihm noch mehr reinzudrücken, weil das Leben ohnehin schon so furchtbar hart ist. Außerdem gibt es ja nicht so viele Möglichkeiten. Volkshochschule, besonders auf dem Dorf, ist blöd und überhaupt. Wenn man Glück hat, bietet dann die Schule irgendwas an. Meine Schule bot ein bisschen Chinesisch an, zum Beispiel. Das passte mir supergut in den Kram, schließlich kannte ich ganze zwei Mädchen in Hong-Kong von einer Sprachreise in England – wo meine besten Freunde die Hong-Kong-Gang und Japaner waren. Siehe oben zu „ich mag die Menschen.“ Wobei ich zu allen Japanern den Kontakt verlor, weil sie damals kaum Englisch konnten – die Hong-Kong-Gang aber perfekt. Eigentlich hätte mich ja folglich Kantonesisch mehr interessiert als Mandarin, obwohl ich bis heute keine echte Ahnung habe, wo die Unterschiede liegen, aber mir ist bewusst, dass es welche gibt. Und dass für die Hong-Kong-Gang das eine nützlicher ist als das andere. Aber ich wollte mal gucken, wie der Kram mit den Schriftzeichen so funktioniert.

Das tat ich aber nur so halbherzig. Das heißt, ich fragte einmal nach, als das neu war. Da war ich in der Kollegstufe. Da sagten sie zu mir, dass das eigentlich für untere Klassenstufe gedacht wäre und dann war meine Motivation auch schon wieder weg und ich bettelte nicht, obwohl das bestimmt Erfolg gehabt hätte. Mir fiel auf, dass sich meine Sympathien mit Nicht-Hong-Kong-China sowieso ein bisschen in Grenzen halten. Vielleicht auch, weil mich eine alte Chinesin in Bangkok mal sehr, sehr anschrie, weil sie behauptet hatte, ich hätte etwas von ihrem Schrottstand im Vorbeigehen kaputt gemacht. Alles, was schreit, ist nicht so cool.

 

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Also lernte ich dann kein Chinesisch sondern studierte. An der Uni gab es Sprachkurse, aber ich gucke erstmal nicht, weil ich als Studentin den grausamsten Vollzeitjob aller Zeiten hatte und es wäre meinem Hirn vollkommen unfair gewesen, ihm noch mehr reinzudrücken. Also studierte ich meine Medieninformatik. Das war okay, aber ein bisschen vermisste ich andere Dinge, weil ich kein vollkommenes One-Trick-Informatik-Pony bin, auch wenn ich es manchmal gerne wäre. Das sag ich jetzt, ein paar Jahre später. Damals dachte ich: „Das muss so. Das ist Studieren.“ Und ich hielt die Klappe.

 

Irgendwann tauchte dann Japanisch auf meiner Bildfläche auf. Und in sämtlichen Timelines und so weiter. Das war ein sehr tückischer, schleichender Prozess. Die Sache mit Japan ist, dass man, wie ich, glaubt, man hätte ein bisschen eine Ahnung von allem, denn man hatte ja Pokémon und Studio Ghibli Filme und Sushi mit Avocado. (Und alle, die sich mehr damit auskennen, färben sich die Haare blau und hüpfen auf Cons rum) Und dann merkt man, dass man eigentlich nichts weiß. Mir ging es so, als ich zum ersten Mal ein paar mehr Japanfotos anguckte. (Und ich hörte von Leuten, dass es ihnen so ging, als sie meine Instagram-Japanfotos anguckten. Ha!) Ich war dann tieftraurig und in meinem Stolz verletzt, wo ich doch nebenberuflich Asien hype. Und irgendwie war Japan so sehr Japan, während mir die westliche Verprotzung Städte wie Singapur munter weiter wegfraß. Dazu muss man sagen, dass Japan sicher immer schon recht weit oben auf meiner Reiseliste stand, aber eher wegen normalhoher Interessenspriorität.

 

Nachdem ich also festgestellt hatte, dass ich nichts über Japan weiß, stellte ich als nächstes fest, dass auch nichts über Japanisch weiß. Nichts bedeutet hier: Weniger, als ich gewusst hätte, wenn ich mir mal den ersten Absatz Wikipedia durchgelesen hätte. Also nichts-nichts. Das störte mich dann. Wie schon gesagt, verstehe ich gerne Dinge. Beziehungsweise: ich verstehe gerne, wie Dinge funktionieren. Und wie eine Sprache funktioniert, die komische Zeichen verwenden und nicht das was ich kenne, verstehe ich nicht. Und manchmal sind da komplexere Zeichen und manchmal ganz einfache und überhaupt. Warum lernte ich überhaupt nur Sprachen, die alle ähnlich aussehen? Statt diesem einen Jahr Italienisch in der Elften hätten sie uns ruhig auch was Quatschigeres beibringen können. Inuktitut! Inuktitut hat einen agglutinierenden Sprachaufbau. Voll interessant. (Damit wusste ich mehr über Inuktitut als über Japanisch. Japanisch hat das nämlich auch.)

 

Ich hätte mir auch selbst irgendwas beibringen können, aber darin bin ich nicht gut, besonders nicht bei ganz elementaren Sachen, die ich noch nie gehört habe. Da ist es schon besser, wenn da jemand kommt, der Ahnung hat, also wollte ich einen Kurs machen. Freiwillig, aber auf einigermaßen hohen Niveau, wie in der Schule. Mit Hausaufgaben und sowas. Und mehr als zwei Wochenstunden.

 

Dann redete ich mir ein, ich dürfte das nicht, weil Leute darüber doof reden würden, sollte sie es jemals herausfinden. Das war auch der Grund, warum ich mich bei meinem ersten Versuch, vor zweieinhalb Jahren von einem hässlichen mit sterbendem Filzstift geschrieben Zettel „Japanisch voll“ abhalten ließ. Wahrscheinlich hätte ich reingehen sollen und betteln. Ich war schließlich im strömenden Regen von meinem Seminar davor ins Japan-Zentrum gerannt, extra zu dem dooferen späten Termin und dann stand ich da und klopfte nicht mal und ließ mich von einer Seniorenstudentin trösten. (Die Leute hätten ja sowieso doof geredet.)

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Danach wollte ich allerdings immer noch Japanisch lernen. Ich argumentiere noch immer blöd rum, um mich zu verteidigen, warum ich denn Japanisch nahm, aber so im Nachhinein war es das Coolste und Logischste, was ich machen konnte. Ich wollte eine ganz andere Sprache lernen, möglichst Asiatisch, was mit anderen Zeichen, ich wollte, falls ich mal nach Japan fahre, irgendwas vorher wissen, sowas wie „Danke“, weil ich gehört hatte, dass man mit Englisch in Japan nicht zwangsweise besonders weit kommt. Ich wollte mich nicht von einer cholerischen Chinesischlehrerin anschreien lassen, weil ich irgendwas, was man auf 325 weisen betonen kann, falsch betone – Sprechen ist ja sowieso nicht so ganz meine Stärke. Ich will ja auch nur mal gucken, wie so eine Sprache funktioniert, und dann kann ich jederzeit aufhören. Und ich kann ja auch mal ausnutzen, dass ich an einer großen Uni bin, die sowas anbietet. Wenn ich schon keinen Hochschulsport mag.

 

Das waren meine sorgsam zusammengelegten Argumente, als ich das dann ein Jahr später wieder versuchte, obwohl ich eigentlich Vollzeit Bachelorarbeit schreiben hätte sollen. Ich schrieb sogar vorher an die Dozentin eine Jammermail (was ich noch nie tat), dass ich unbedingt in den Kurs will, dass sie im Zweifelsfall den letzten freien Platz dem Mädchen mit der herzzerreißenden Jammermail geben würde. Ich campte eine dreiviertel Stunde vor dem scheiß Raum (was ich noch nie tat) und dann nahm ich mir vor, niemals im Internet darüber zu sprechen. (was ich noch nie tat. Wegen der Leute.) Überraschung, die Dozentin war lieb, gab mir einen Platz, den sie mir schon nach der Jammermail geben hätte wollen, hätte sie genügend Deutsch gekonnt. (Echte Japaner. Yay yay.)

 

Und dann passierte der ekelhaft kitschige Teil, bei dem sich der Himmel öffnete und es Einhörner und Glitzer regnete: Ich mochte das total. Ich fands gut, endlich mal wieder was zu lernen, wo ich merkte, dass ich was lerne. So Dinge, die einem im Leben begegnen könnten. Wie ich mit ständig „krasser Scheiß.“ denken musste, wenn ich irgendwas schrieb oder las und verstand, das kompliziert aussah. Gutes Gefühl. Sehr kitschig, aber auch sehr gut. Ich kopierte mir Vokabellisten für die S-Bahn, oder ließ mich Kanji abfragen und es war keine echte Verpflichtung, wie mein Hauptfach, sondern irgendwie egal. Wahrscheinlich so, wie Sport für Leute ist, die Sport machen.

Und obwohl ich dann ungefähr Weihnachten so das Ziel erreicht hätte, das ich mir eigentlich gesteckt hatte, wollte ich dann nicht mehr aufhören. Außerdem fand ich genügend japanische Dinge, die mir total Spaß machen, und an die ich mich vorher nicht so recht ran traute. Hi, ich spielte das älteste Pokémonspiel auf japanisch durch! Das ist unglaublich cool. Und ich bin ein bisschen beleidigt auf mein Vergangenheits-Ich, dass es sich die „Mila Superstar“-Box ohne japanische Tonspur kaufte, weil ich nicht verstehe, wie es denke konnte, dass die Originalsprache bei Anime keinen so Unterschied macht. (DOCH. DOCH. DOCH. VERDAMMT.)

Ernsthaft, welche andere Sprache hätte mir Pokémoncontent geben können? Na also.

 

 

 

Das war die Geschichte, wie ich anfing, Japanisch zu lernen. Jetzt kann ich dann vielleicht mal Dinge erzählen, wie ich letzten Sommer nach Japan reiste, aber ich dachte, ich sollte das hier vielleicht mal vorher sagen. Wahrscheinlich hätte ich mich nämlich ohne Japanischkurs niemals cool genug gefühlt, ganz alleine für einen Monat nach Japan abzuhauen. :)

 

Oh, Moral: Lernt Sprachen, wenn ihr Sprachen lernen wollt. Und an der Uni geht das besser als sonst irgendwo. Nämlich gratis, meistens von Muttersprachlern und mit Hausaufgaben und Klausuren. (YAY!) Sonst geht halt zum Hochschulsport oder so.

 

(Letztendlich hat übrigens niemand der Leute jemals was Doofes gesagt. Alle Aufregung umsonst. Hmpf.)