Bei meiner Planung verbrachte ich einen Abend nur mit dem Finden und Übersetzen von Busfahrplänen dieser Gegend. Eigentlich ist darauf ausgerichtet, dass man es gut mit Auto oder Reisebus erreichen kann und öffentliche Verkehrsmittel sind eher einer Seltenheit.



Mich schrecken dann immer solche Erwähnungen wie „drei Busse am Tag“ ab, aber eigentlich ist alles gut machbar, wenn man gut plant. Und einen Notfallplan parat hat.

Ich hatte geplant, mit nicht nur die Hängebrücke bei Ōboke anzusehen, die Kazurabashi, denn die ist relativ überlaufen und touristisch, also man wird abgeladen, geht hundert Meter zu Fuß und dann kann man sich noch ein Eis kaufen und zurückfahren. Außerdem stehen auf jedem Foto Menschen auf der Brücke rum. Auch, wenn man den ersten Bus hin nimmt (was ich tat). Ich wollte viel weiter in der Tal, bis zu weiteren zwei Brücken, die total worth the effort seien und auf dem Weg viel tolle Natur sehen und die Möglichkeit haben, ein bisschen herumzulaufen und die japanisch Pampas zu genießen. Das war der Plan. Dieser Paln war „two Buses a day“ und das auch nur im Sommer bis 31. August. Ich wurde an meinem Hamburger Küchentisch ganz euphorisch, dass ich das Glück habe, am 30. August dort zu sein.

Jetzt war es so, dass die erste der beiden Verbindungen, die am Vormittag, direkt zurück fahren würde, also keine Zeit lässt, die Brücke überhaupt anzusehen. Bei der Nachmittagsverbindung wären es, wenn ich mich richtig erinnere, zwei Stunden Aufenthalt. Das ist dann aber der letzte Bus zurück und den darf man nicht verpassen. Ich plante das so: Ich würde mich vor Ort bei der Touristeninformation nochmal erkundigen, die würden mir wohl versichern, dass es unproblematisch ist (denn japanische Verkehrsmittel sind pünktlich und zuverlässig), ich würde dann nochmal den Busfahrer ansprechen und im äußersten Notfall kann ich mir ein Taxi nehmen oder zu Fuß ein Stück laufen, alles easy-peasy.

Und dann war ich hier vor Ort, die Touristeninformation bestand aus einem Prospektständer und ich glaube, dass es im Ort genau ein Taxi gibt, das immer vor dem Bahnhof steht. Falls ich laufen müsste, sagte Google Maps, wär ich immerhin in elf Stunden am Bahnhof, in ein paar weniger (acht?) wo, wo Busse regelmäßiger fahren, aber nicht mitten in der Nacht, wenn ich ankäme. Will ich in der Dunkelheit überhaupt irgendwo weit weg sein? Nein. Und selbst wenn ich den Bus erwischen würde, ich würde wohl den letzten Zug von Ōboke aus verpassen. Das verglichen mit der zwanzig Minuten Autofahrt, bei der man auch noch zwischendrin anhalten könnte und tolle Sachen ansehen, wie einen Manneken Pis Abklatsch! Außerdem heißt es (mal wieder), es sei im Herbst am schönsten. Neuer Plan: Irgendwann noch einmal herkommen, mit Auto und Herbst.



Somit blieb mir viel Freizeit und ich konnte meine zwei kleinen Programmpunkte, die Kazurabashi und die Touristen Boottour sehr langsam erledigen. Heute war mir zum ersten Mal, seit ich da bin, streckenweise ein bisschen langweilig. Ich hatte zwar nachdem ich gestern so viel smalltalken musste, wirklich keine Lust auf extrovertierte Menschen, aber ich hatte auch inneres Meckern. Eigentlich will ich jetzt eine Kaffee. Eigentlich will ich lesen, aber ich würde lieber im Guesthouse lesen, da bin ich entspannter. Und warum ght der nächste Zug zurück erst in eineinhalb Stunden? Außerdem habe ich seit zwei Tagen kein Wifi, gerade, wo ich doch jetzt gerne Tagesschau gucken würde. Oder um meine Japanisch-App wieder benutzen zu können, die seit gestern im Updateprozess festhängt. Oder Bloggen!



Ich lief ein bisschen durch Ōboke, saß viel am Wasser und ärgerte mich, dass die Touristenschiffahrt blöd war. Man tat gar nichts Schluchtiges, der Fluss war an der Stelle breit und ruhig. Und das Highlight war, dass der Schiffsmann Karpfen Futter gab. (Das tat er tatsächlich vor der Wende zurück, also wirklich als Höhepunkt gedacht) Hässlichen karpfigen Karpfen. Wieso der Quatsch im Internet so gute Bewertungen hat, weiß ich nicht. Vielleicht haben die Leute die Schiffchen immer nur von oben angeguckt, da sehen sie nämlich ganz schön aus.



Anschließend holte ich mir im Supermarkt Essen und sitze im Zimmer und gucke japanisches Fernsehen (auch Nachrichten). Vielleicht war heute kein so spannender Tag.

Obwohl die Gegend sehr schön ist und ich mich kaum sattsehen kann an den Bergen, dem hübschen Wasser und den Wasserfällen: Es lässt sich halt so schlecht zu Fuß erkunden. Oboke zieht sich ein ganzes Stück am Wasser entlang, aber meistens sieht man es nicht, denn da ist Gebüsch. MIT MAMUSHI!!!! und man geht an der Straße entlang, während die LKWs vorbeibrettern. Wäre ich länger hier, würde ich vielleicht auch einfach mit einem Lokalzug an der Schlucht entlang hin und her fahren. Oder so. Dass vor meinem Fenster der Wasserfall rauscht, ist dafür ziemlich genial.



Morgen fahre ich weiter nach Tokushima. Das ist nur so einen Zwischenstation, um noch mehr von Shikoku zu sehen. Vielleicht gucke ich mir in Naruto Wasserstrudel an oder fahre in Tokushima mit der Seilbahn irgendwo rauf. Vielleicht klappt auch beides.

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