Proto und Spiele

Letzte Woche war die böseste des Semesters. Drei Abschlussarbeiten und eine Klausur, insgesamt im Wert von 18 ECTS-Punkten. (Das ist so viel wie eineinhalb Bachelorarbeiten.)
Abgesehen, dass ich die Klausur mit mehreren Energydrinks intus schrieb, von denen mir dann furchtbar schlecht wurde, hat alles ohne größere Zwischenfälle geklappt.

 

Das, was sich am wichtigsten anfühlte, war wohl die Abschlusspräsentation vom „Praktikum Entwicklung von Mediensystemen“, aka „PEM“, aka Vertiefendes Thema, aka iOS-Programmierung.
Gefühlt war das überhaupt das erste Mal, dass ich mir eine Veranstaltung selbst aussuchen durfte. Es heißt zwar hier und da Wahlpflicht und Selbstbestimmung, tatsächlich habe ich eine Wahlpflichtveranstaltung hinter mir, in die ich ungewollt reingelost wurde und eine Pest-oder-Cholera-Quellenarbeit-Seminararbeit-Refarats-Sache. (Entschied mich für Cholera.) Nun gut. An anderen Unis und in anderen Fächern soll das besser sein. Eher so wie eben diese eine Veranstaltung hier.

 

Es gab zwei Kurse, einen mit Android, der nach ungefähr zweikommafünf Millisekunden voll war, und einen iOS-Kurs für Menschen, die Macs besitzen. Der Kurs wurde dann doch nicht ganz voll. Je vier Gruppen mit vier Menschen, ein Rahmenthema „Educational Games“ und ein bisschen Einführung in die Entwicklungsumgebung und, in unserem Fall, Objective C.

 

Es war schon toll. Das war das erste Mal, dass ich in der Uni etwas machte, was ich tatsächlich so verwenden würde. Bisher beschränkte sich alles auf Konsolendinge, die wir überhaupt nur einmal zum Testen auf Unirechnern laufen ließen. Das ist schon auch schön, aber halt nicht so lebensnah wie Dinge, die ich auf meinem Handy haben kann. Welches sich immer in der grünschraffierten Zone, die meine Arme erreichen können, aufhält. Außerdem kann ich damit in die Welt ziehen und wie bescheuert angeben und der allgemeine Mensch kann mit den Ergebnis was anfangen.

 

Ich arbeitete zusammen in einer Gruppe mit S., P. und I., die alle nichts haben, was man an dieser Stelle schön verlinken könnte. Wir sind seit dem ersten Semester privat näher bekannt, zusammen gearbeitet hab ich bisher nur mit Superteamfähigkeitsorganisationsspezialeinheit-S. Auch ein Informatikmädchen. Was gut war. Ansonsten waren da jetzt böse Überraschungen. Manche Männer und deren Ego manchmal, ey. Ich hab da deinen Code mal umgeschrieben. Jetzt passt das nicht mehr. Mach mal neu. Anstrengend. Oder besser gesagt: gjzouizuzWΩ¶[¢¡[C3POJ¡““¶¢¢†¢[] „$%/))==? Außerdem war ich der einzige intensive iPhone-Nutzer in meiner Gruppe. Es dauerte ein paar Wochen einen einfach zu ungewohnt anfühlenden Double Tab auszureden. Aber gut. Kriegsverletzungsnarben sind cool und wichtig.

 

Nun zur App. Wir entschieden uns für ein Geografiequiz, dass wie eine Schatzsuche aufgebaut ist. Wir bastelten einen Working Titel zusammen und änderten ihn dann nicht mehr. Wir entwickelten ein ganz unneues Konzept. Der Spieler reist in ein Land, muss dort fragen beantworten, bekommt einen Teil einer Lösung, wird ins das nächste Land geschickt und so weiter. Dazu haben wir einen „Reisepass“, für den man Stempel/Badges erhält, wenn man ein Land freispielt. (Außerdem soll man so die Möglichkeit haben, die Geografiefragen neu zu beantworten. Education und so.)

 

Zunächst planten wir als Reiseroute Frankreich – Mexiko – Japan – Australien – Kanada ein, für den Prototyp implementierten wir zunächst hauptsächlich die ersten beiden. Dazu ist zu sagen, dass wir sämtlichen Input aus XML-Dateien auslesen, damit das Erweitern ganz einfach wird. Überhaupt haben wir bisher nur abgespeckte Dialoge und Fragen – was auch okay ist, schließlich ist alles ein Prototyp und das Ergebnis musste in drei bis vier Minuten präsentierbar sein. Dazu – das war Anforderung des Praktikums – ungefähr siebenhundert Usability-Tests mit Freiwilligen, die wir nicht einmal fälschten. Man verdrängt ja, dass dieser für uns eigentlich recht nervige Kram doch ziemlich viel bringt und man recht viel daraus lernt.

 

Dann ergab sich, dass ich den Großteil der Grafik des Spiels machte. Ich. Zufällig. Wie das immer so ist. Ich schmierte an Skizzen rum, irgendwer fand das gut und im nächsten Schritt unterschrieb mit meinem eigenen Blut einen Knebelvertrag über fünfzig Jahre. Das war aber okay, fühlte sich alles fast wie Freizeit an. Und kam dann unfassbar gut an. Bei Mediengestaltungsleuten, Mitstudenten, Dozenten. Meine Güte. Mich irritierte das extrem, da ich mit meiner eigenen Arbeit sowieso meistens nicht zufrieden bin, mich stören überall noch Dinge. Aber eventuell bin ich ein bisschen stolz, andere Leute mit meinen mittelmäßigen Fähigkeiten positiv überrascht zu haben. Yay.

 

Und nun? Wir haben mal total verbindlich ausgemacht, nach den Klausuren erst mal weiter daran zu arbeiten. Zumindest die Version komplettieren. Die Uni hat uns bereits Unterstützung versprochen, mal gucken, was die darunter verstehen. Irgendwann, wenn es klappt: App Store. Ewiger Ruhm. Aber davor ist noch viel mehr zu tun, als man denkt. Jedenfalls ist dieses Appzeug super und auch was, woran ich in Zukunft gern weiter rumbasteln möchte. Die Welt braucht bestimmt mehr unnütze Spiele. Und mein episches grafisches Können.

 

Hier noch ein schlechtes Video mit Lautsprechertondings, in dem ich im Simulator irgendwie auf dem Prototypen rumklicke. Was man hört, ist selbst ge-Garage-Band-te Musik von S. Die ist in Echt auch mit weniger Chrrrrzrchrrzr.

Nicht vergessen: Das ist ein Prototyp. Da ist noch ganz viel Content provisorisch und unfertig.

Ich werde ab jetzt noch härter trainieren und noch besser werden.

Als ich in den Kindergarten ging, stand ich meistens früh auf um noch fern zu sehen, bevor ich losmusste. Heute wundere ich mich, dass ich das dufte und fragte mich, wie es früh es wohl tatsächlich gewesen sein muss, gemessen an dem, was ich in der Zeit alles sah.

Meistens guckte ich den Sender auf Sendeplatz elf von elf. Da war RTL 2. Glaube ich. Das war früher durchaus okay und sendete ganz viele Animedinge. Morgens kam zum Beispiel „Mila Superstar“, dessen Titelsong ich wohl ständig sehr laut und sehr falsch mitsang, sagte man mir. (Statt „Heut ist sie ein Volley-Ass“ lautete meine Version „Heut ist sie ein Volleyball.“ Ohne Frage ist das die bessere Version)
Dann war da noch eine Serie mit Mädchen, die mit Band rumturnten, was ich sehr gerne guckte, und eine mit einem Mädchen, das sich als Junge verkleidete und ständig von bösen Bösewichten gefoltert wurde. Das lief bei mir unter „Die Prinz Alex“ und ich weiß bis heute nicht, was das wirklich für eine Serie war. Vermutlich ging es um was völlig Anderes.

Das ist überhaupt das Problem. Ich erinnere mich aus dieses Serien an bestimmte Szenen, Figuren, Handlungsstränge, aber das meiste hab ich vergessen. Trotzdem ist es seltsam, dass mir manches davon abstrakt im Kopf rumhängt, seit ich drei oder vier Jahre alt bin.
Irgendwann wollte ich mal die Lücken füllen. Und überhaupt einmal sehen, was ich damals so gucke, nachdem mir ziemlich sicher die meisten Handlungsstränge damals zu komplex waren.
Mit „Mila Superstar“ fing ich an, da ich davon immerhin den Titel kannte. Und da das auch irgendwann später auf irgendeinem Kanal wiederholt wurde und dementsprechend nicht allzu schwer zu finden war.
Komplette Serienbox bei Amazon bestellt. Weil da irgendwas von „Limited“ stand und der Preis war in Ordnung. Ich gucke die erste der zwölf DVDs, dann hatte ich keine Lust mehr. Die spielen da die ganze Zeit Volleyball und das ist ein bisschen eintöning, wenn man mehrere Folgen am Stück gucken will, was man ja in der Regel tut.

Damals klickte ich noch ein bisschen herum und fand zufällig auch DVDs der Serie mit den mit-Band-rumturn-Mädchen, schob es da aber auf, noch mehr Geld für seltsame japanische Mädchensportdinge auszugeben. Letztens dann, als Schwester über mit-Band-rumturnen-Kram aus der Schule erzählte, packte ich mir das trotzdem in die Post. Schließlich ist „Hikari – Die kleinen Superstars“, wie die Serie hier heißt, da man ja in Deutschland blödsinnige Titelzusätze braucht, schließlich ist das immer meine erste Assoziation wenn jemand „rhythmische Sportgymnastik“ sagt. Also war ich dann im Besitz einer weiteren DVD-Box mit nur deutscher Tonspur und unfassbar hässlichen Menüscreens.

„Hikari“, Baujahr 1986, hat nur 19 Folgen von jeweils etwa zwanzig Minuten Länge. Habe die Serie in zwei Abenden nebenbei durchgeguckt. War okay. Es ging gar nicht nicht so viel um Rumgehüpfe, sondern auch viel Liebeskram, die Band von Hikaris lilahaarigen Nachbarn, böse Plattenbosse, dass man neidisch sein muss, dass Hikaris größte Favoritin, die „Königin“ Hazuki nur 39kg wiegt und dass man in Japan hauptsächlich „gehackten Kohl mit Kroketten“ isst. Außerdem bekommt man ständig Talismane geschenkt, man muss sehr oft „Ich werde ab jetzt noch härter trainieren und noch besser werden“ sagen und Jungs fotografieren Mädchen generell immer heimlich, besonders beim Duschen.

Lehrreiche Serie. Den Sinn von rhythmischer Sportgymnastik habe ich immer noch nicht verstanden. Aber gut. War zumindest überrascht, dass die doch nicht nur um Bänder und Reifen und Bälle und Seile und Keulendinger, die ich noch nie zuvor sah, ging. Voll blöd fand ich lediglich die letzte Folge, in der nach an einen kaum gezeigten aber offensichtlichen Wettkampf ein offenes Ende drangeflickt wurde, danach eine Szenen, die die Zukunft zeigen und wie sowie so sich das hochkomplizierte Love-Rectangle im Sand verlief. Orrr. Ich hatte ehrlich gesagt ganz viel Geheule und Drama erwartet. Und noch mehr Talismane und Kroketten mit gehacktem Kohl. Vermutlich die Produktion vorzeitig beendet oder so. Ist auch nachvollziehbar. Freiwillig entscheidet sich wohl niemand für eine Serie über rhythmische Sportgymnastik und Kroketten.

Aber ich bin manchmal ganz froh, dass mich meine innere Vierjährige auf sowas bringt. War gut unterhalten.

Bildungsfahrt

Als ich Berlin das vorletzte und erste Mal sah, war ich fünfzehn, trug ich eine Zahnspange, eine allgemein als schrecklich hässlich angesehen Mantel, einen verschnittenen Pony und hellgrüne Turnschuhe. Es regnete, war unglaublich kalt und ich hatte eine Pentax Optio S4, die beim Auslösen miauen konnte. Außerdem gewann ich eine Dönerwette gegen eine Lehrerin. Politische Bildungsfahrt, 10. Klasse. Das macht man ja so. Hier ist ein Bild zur Veranschaulichung. (Das war vor dem Reichstag. Jetzt ist da alles abgesperrt und man kann da nicht mehr so rumsitzen.) Außerdem sind die restlichen Bilder in diesem Eintrag so, wie ich sie mit fünfzehn bearbeitet hätte, wenn ich dazu mal Lust gehabt hätte.

Letztens war ich wieder auf Klassenfahrt. Oder so etwas Ähnlichem. Ich wurde zu Beginn des Semesters, beim Grillfest für Erstsemestermenschen, die ich davor als Tutor sicher ganz schrecklich verwirrt hatte, dreist überredet. (Entscheidungen, die nicht mit der Existenz von Freibier korrelieren.) Von Menschen aus meinem Semester und von welchen aus meinem Semester plus zwei. Sie würden zum Google Developer Day nach Berlin fahren, und man könne sich anmelden und eigentlich würden sie jeden nehmen und dann fährt man Ende November nach Berlin. Supertoll. Wie Klassenfahrt!

Übrigens nehmen sie gar nicht jeden. Leute, die wie ich die Anmeldung etwas aufschieben wegen der nicht ganz so schnell zu beantwortenden Anmeldebogenfragen („Nennen Sie einen Magic Moment, den sie mit einem Google Produkt erlebt haben“ und so), diese Leute nehmen sie nicht. Also, beziehungsweise waren bis dahin schon alle verfügbaren Plätze belegt. Tja. Reisedinge schon gebucht gehabt. Aber das ist okay. Schließlich war ich in hunderttausend Städten schon öfter als in der eigenen Hauptstadt.
Klassenfahrtmäßig reiste ich zunächst mit einem InterCityExpress der Deutschen Bahn. Das war interessant, da ich nämlich seltener richtigen Zug fahre als indische Kinderarbeitslumkinder. Das liegt daran, dass ich meistens für den gleichen Preis den Zeitraum, den ich neben einem völlig fremden Menschen sitzen muss, drastisch verkürzen kann. Das ist meistens wichtig.
Aber bei einer Klassenfahrt sind ja Leute dabei, die man kennt, dann kann man auch mal Zug fahren.

An sich überfordert mich Berlin ein bisschen. Ich fühle mich dort weitaus orientierungsloser und fremder als in London oder Manhattan. Vermutlich, weil ich außer den Dingen, die alle wissen, eigentlich nichts über Berlin weiß. Das ist aber auch nicht uninteressant. Nur eben fremd. Vielleicht steigere ich da jetzt auch rein, weil von der Currywurst, die ich aß, die Soße nur wie Ketchup schmeckte. Und weil uns ein Barmann um drei Uhr nachts in einen Schawarma-Laden schickte und die Schawarmas dort komplett doof und wohl falsch waren. Oder als uns Leute sagten, sie würden uns am H&M in den Hackeschen Höfen treffen, wir ungefähr zweiundneunzig Berliner fragten, wo der denn sei, und die vehement die Existenz eines H&Ms abstritten. Schließlich fanden wir ihn selbst. Recht auffällig, wenn man weiß, wo. Als ob die uns absichtlich verarscht hätten, die Berliner. Vielleicht zeichnen sie deshalb auch ihren U-Bahn-S-Bahn-Plan hauptsächlich in der gleichen Farbe.
Zumindest haben sie sehr schöne Unterkünfte. Aber ein bissen hatte ich „only partially the hippest place to be“ aus diesem (sonst deutschsprachigen) Lied über Berlin von dieser deutschen Band da, die eh alle vom Namen her kennen im Kopf.

Nach zwei Tagen Unileuten um mich herum, kam Besuch aus Hamburg. Das war sehr gut. Wir wurden zum Beispiel von einem Thai-Singapur-Asiatenmann in eine Falle gelockt und mit so viel gutem zum Teil kostenlosen Essen vollgestopft, dass die Menschen an den umliegenden Tischen zu Weinen begannen und und beim Verlassen der Lokalität Morddrohungen zusteckten. Oder so ähnlich. Wir tranken Alkohol in seltsam aber gut eingerichteten Gastronomiebetrieben mit langen Namen („An einem Sonntag im August“) und konnten dann zu Fuß zurück zum Hostel gehen. Mitten in der Nacht um sechs Uhr morgens reiste dann mit Miri das letzte München (außer mir (aber ich bin ja auch eher so Fürstenfeldbruck)) ab, um spaßige Prüfungen gegen Berlins zu tauschen.

Montagmorgen bekamen wir dann überraschend ein Telegramm und mussten so schnell wie möglich einem Schmugglerring, der sich in einem verlassenen Fabrikgebäude versteckt hatte, auf die Spur kommen. Lust, grundlos in verlassenen Fabrikgebäuden rumzukriechen. Primär, um Fotos zu machen, sekundär um uns den Arsch abzufriehren und tertiär, um von dänischen Journalistenschülern abgefangen und zur Manifestitation einer hippen urbanen Trendbewegung made in Berlin gearbeitet zu werden. (Das sind Annahmen.)
Das kann man auch nochmal in hübsch mit Bildern bei Pablo oder auch bei Rolf, wo man auch sieht, dass ich gut darin bin, Menschen in ihre Fotos reinzurennen.

Irgendwann danach gab es Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz. Damals, als es diesen Glühwein gab, war Weihnachtsmarkteröffnung und Glühwein war um einiges toller, als man ihn sich jetzt so vorstellt. Davon gibt es bestimmt auch wunderschöne analoge Fotos, die darauf warten, dann ich ihren Film fülle und teuer weiterverarbeiten lasse. Ursprünglich wollte ich mit dieser Sache hier warten, bis ich die habe. Dann ist aber wahrscheinlich schon Mitte Juni oder so.

Zurück flog ich mit einem Flugzeug. Und ich wurde von Hamburgjungs zum Flughafen eskortiert, mit einem Auto. Vermutlich ist das der brutale Bruch mit dem gesamten Klassenfahrtskodex. Zumindest bestraften mich die Klassenfahrtsgötter sofort mit der Tatsache, dass bei Air Berlin tatsächlich niemand den Air Berlin Song vorsingt.

Schneecontent

Miesester Winter seit immer. Was den Schnee betrifft. Manchmal taucht hier Kram mit richtiger Farbe und scheinbar passender Konsistenz auf, der aber dann bei genauerer Betrachtung bestenfalls zum Wegätzen von Imprägnierungsmaßnahmen dient. Woanders ist das anders. Ich war keine achtundvierzig Stunden mit in Österreich, was ja im Schnee versinkt. Angeblich sollte das Wetter großartig sein, letztendlich war es am Samstag beschissen und Sonntag immer noch zu windig und zu kalt, um die Skifahrmotivation ausreichend hoch zu halten. Aber immerhin war ein bisschen Sonne. Hier sind also mittelmäßig bis doofe Schneebilder. (Besonders das Zweite ist mies und unscharf.)

Ich versuchte mal was lebensgefährliches zu tun und Eiszapfen von unten zu fotografieren, aber das sieht auch gar nicht so spektakulär und lebensgefährlich aus, was mich bitter enttäuschte. Außerdem ist es eine eher schmerzhafte Tätigkeit, wenn man eine Wirbelsäule besitzt. Das ist bei mir der Fall. (Auch, wenn wir uns nie persönlich trafen. Sah aber mal Fotos.)

Eigentlich wollte ich nur anmerken, dass echter Schnee in Mitteleuropa existiert. Ich persönlich fand nämlich die Gewissheit recht beruhigend.

How we do Things on Twitter (mindestens zweithübschester Glitzerblogpost der Welt)

Das Internet ist der beste Ort der Welt. Zufällig hab ich das Glück, das Internet ein bisschen zu kennen. Das ist gut, weil es dort nicht nur Idioten sondern auch tolle Menschen gibt. Deswegen häng ich auch ab und zu (böse Zungen behaupten „ständig“) in der Twitterdingshochburg Hamburg rum und da wurde gestern von Insa Geburtstag habt und bei Jan gefeiert. Möglicherweise brachte ich eine Hand voll Konfettidinge mit, denn ich mag Konfetti. Außerdem sind da noch Luftschlangen von Rolf.

 

Glücklicherweise stellte sich heraus, dass das Internet wohl bunte Dinge mag. Und offensichtlich Füße.

Und außerdem: Internet ♥

Flugzeugfenstersitzplätze

Wenn es geht, sitze ich in Flugzeugen an Fenstern. Meistens mache ich dann langweilige Flugzeugfensterfotos aus seltsamen Winkeln und mit Flugzeugfensterdreck drauf. Und weil das sowieso schon unelegant aussieht, kann man gleich noch viel mehr zerstören.
So wie hier. Das ist Süddeutschlandhimmel, sonntags, 9:38. (Die Anschnallzeichen waren noch nicht erloschen.)

Polarforschungsexpedition

Ich bekam eine alte Polaroidkamera geschenkt. Das ist unbesonders. Polaroidkameras bekommt man schließlich inzwischen fast nachgeschmissen, weil nämlich die zum Fotografieren nötigen Rohstoffe erschöpft sind. Originale Filme werden nicht mehr hergestellt und was es so gebraucht gibt, ist etwa 2009 abgelaufen. Demnach ergeben sich relativ hohe Preise für Filme, was ziemlich abschreckend wirkt. Tatsächlich kommt man bei zwei bis drei Euro pro Bild raus, was zu teuer zum Rumknipsen ist, aber zum Nicht-Verschwenden durchaus okay. Vorausgesetzt, man traut sich dann auch Fotos zu machen, im Gegensatz zu mir. Wenn man das dann geschafft hat, werden aber Fotos ausgespuckt, die man schütteln kann, wenn man möchte, dann hat man irgendwann ein einzigartiges Foto und findet, dass sich das Kaufen und Abdrücken gelohnt hat.

Jetzt sind Polaroids an sich super hippe tumblr-Füllwatte.  Als ich zuletzt in Hamburg war, schleppte ich die Kamera mit, mit dem Ziel, eventuell etwas Hippes zu produzieren, was exzellente Füllwatte wäre, hatte ich einen tumblr. Und da generell überhaupt nur Bands genügend hippe Bonuspunkte erreichen können, nannten wir das „Wir machen ein Bandfoto“, obwohl wir kaum Dinge tun, die und als solche klassifizieren würden. (Aber das ist die Ironie.) Aber wir sitzen auf einer Parkwiese.

Ich bin das Mädchen auf dem Bild. Was ich auf dem Kopf habe, ist ein Hut. Was ich in der Hand habe ist ein Zuckerrohr, das wir im Supermarkt kauften, sein Gewicht schätzten (170g) und zerteilen und zerkauen wollten. Leider kam es nie dazu. Unter anderem, weil Jungs manchmal vergessen, dass ein Multifunktions-Taschenmesser zu ihrer Basisausrüstung gehören sollte. Dann ist da links noch Pablo, der auf den Selbstauslöser drückte. Und Flo, der Dinge mit Diabolos machen kann, weshalb die auch mit auf das Bild durften. Und weil sie noch eher ein Bandutensil wären als mein Zuckerrohr. Ganz im Osten sitzt Rolf. (Alle drei Jungs machen bessere Fotos als ich. Das sollte mal erwähnt werden.) Unten sieht man noch schöne hippe Bildfehler, die wohl damit zusammenhängen, dass der Film eigentlich schon gammlig ist.

Das war die Geschichte vom polaroidigsten Polaroid, das ich besitze. Vielen Dank.

Hallo Panama

Angeblich war ich im ersten Urlaub meines Lebens in Holland. Das war bevor mein Hirn aktiv an Dingen wie Urlaubsaufzeichnungen teilnahm, also bezeugen kann ich das überhaupt nicht. Ich weiß nur, dass ich dann später noch so oft in Holland war, dass man das auch ruhig glauben kann. Meistens in blau-weißen Ferienhäusern einer Anlage in Zandvoort, also am Meer unweit von Amsterdam. Häufig war dann kalt, aber ich hatte noch nie besonders viel gegen etwas raueres Klima. Wenigstens war dann der breite Strand auch ganz leer, bis auf einen, ebenfalls blau-weißen, Fischsemmelbrötchenwas-auch-immer Wagen. Dass man im Meer kaum baden konnte, glich Holland mit guten Schwimmbädern und vor allem Wasserrutschen aus.

Und dann konnte man zu Fuß zum Zandvoort-Bahnhof laufen, sich in einen Zug setzen und nach Amsterdam fahren. Ich mochte Amsterdam immer schon, weil es dort viel Wasser gab, Hausboote und Brücken, weil die vielen Fahrradräder und Radfahrer beruhigender wirken als Autos, weil Kopfsteinpflaster in Städten sowieso ganz gut ist, weil die Giebel an den Grachtenhäusern schön waren, und weil es holländisch war. So mit Käse- und Tulpenständen. Und wenn man mal das Glück hat, am Koninginnedag, dem Nationalfeiertag, in Amsterdam rumzurennen, laufen Menschen in orange mit aufblasbaren Kronen in orange und Luftballons in orange durch die Gegend. Das sieht aus wie Fußballdinge, nur mit weniger Alkohol und mehr Flohmarkt und Kindern die Kekse verkaufen.
So war das früher.

Jetzt war ich nach hunderttausend Jahren wieder in Amsterdam. Wir hatten eine Unterkunft in einem holländischen Hollandhaus. Im Idealfall wäre die Vorstellung gewesen, beim Frühstück über die extreme Bedeutung von Hagelslag (Schokosträuseln) auf ungetoasteten Toast als Grundnahrungsmittel aufgeklärt zu werden. Leider gab es aber keinen Hagelslag und überhaupt war die Unterkunft eher hässlich. Aber das ist okay, ich mag meistens hässliche Unterkünfte aufgrund ihres höheren Unterhaltungswertes. Wirklich. Niemand erinnert sich jahrelang an ein Standardhotelzimmer.
Man sagte da, hört man ja inzwischen nicht mehr so oft, Rauchen im Zimmer sei kein Problem, man müsse eben das Fenster öffnen, damit der Rauchmelder nicht aufwacht. Weil Amsterdam ist ja Amsterdam. Ach ja. Es geht hierbei nicht primär um Tabak. Tatsächlich ist alles es bisschen so wie damals bei Janosch, als der Kleine Tiger und der Kleine Bär eine Schachtel Bananen aus Panama fanden, und fortan nach Panama wollten, weil es in Panama sicher von oben bis unten nach Bananen rieche. Im Hotel roch es von oben nach unten nach anderen Dingen und wann immer man zur Toilette ging, hörte man auf den Gang hinter mindestens einer Tür Rumgeblubber. Tatsächlich so, wie man mir später immer Amsterdam erzählte.

Das Wetter war übrigens meistens arschig. Wenn arschig den Zustand von Wetter bedeutet, in dem es zwar schüttet wie blöd, aber gleichzeitig so starker Wind weht, dass Regenschirme reihenweise krepieren und man beim Rumlaufen nur seinen Füßen zugucken kann. Ich war auf dem tollen großen Waterlooplein-Flohmarkt, der doof war und hauptsächlich T-Shirts und Porzellan und Zeug verkaufte, was man hier auch auch überall findet, wenn Stände hingestellt werden. (Sie haben aber die Sandtiere vergessen. Wenn jemand Interesse hat?) und tat wie früher kaum Touristendinge in Amsterdam. Was auch immer jemand in Amsterdam schon gesehen oder gemacht hat: Ich halt nicht. Dafür gehe ich in Fotografiemuseen mit Ausstellungen über Obduktionen. Dafür kämpfte ich für die scheinbar großartige Idee morgens ins NEMO Science Center zu rennen, wenn alle Hollandkinder in der Schule sind und dann ganz alleine Brücken und Staudämme zu bauen und Fabrik zu spielen und überhaupt Knöpfe zu drücken. Letztendlich gibt es auch in Holland Wandertage. Besonders Grundschulwandertage mit blöden Kindern, die alles besetzen und sich nicht drum scheren, warum sie hier sind. (Sie hatten Fragebögen. Die meisten ließen sie einfach irgendwo liegen. Wo ich sie dann klaute. Ich hoffe, sie bekamen später richtig Ärger.)

Nun ja, alles etwas anders, als ich es in Erinnerung hatte und ein Fahrradfahrer überfuhr mich aus Versehen fast und überhaupt sind Räder nicht immer gemütlich, sondern sehr oft Massenvernichtungswaffen. Aber es gibt noch Grachten und Hausboote. (Deshalb sind hier Fotos von Grachten und Hausbooten.) Und der Rest ist wohl auch okay, wenn sich meine verzerrte Kindererinnerungsdinge damit abfinden.

Ahoi.

Seaside

Guten Tag, ich hänge in den Niederlanden herum. Genauer gesagt in Zeeland, Provinz Schouwen-Duiveland. Zeeland hat zwar mit den ees die doofsten möglichen Doppelvokale aber dafür viel Wasser und Sand und sowas.

Gestern wurde in Holland dezent der Sommer abgeschafft und mit herbstigen Regenkältedingen ersetzt. Jetzt kann man nicht mehr raus, ohne später an Grippe zu sterben. Oder so. Gestern war alles besser. Gestern vermatschte ich Stativ und Schuhe im Sandmatsch und machte seltsame Fotos vom unglaublichen Menschenaufkommen am Strand. Nun ja. Hauptsächlich sind sie blau und ähnlich. Und jetzt habe ich die einmal hierhin gepackt, weil ich auch mal cool sein möchte und aus dem Urlaub direkt Bilder hochladen möchte. Und weil ich es dann zuhause vielleicht vergessen und/oder in die Unendlichkeit aufschieben würde.

Außerdem stellte ich fest, dass ich einen Drachen möchte. Und einen Leuchtturm. Letzteres allerdings nicht als Hauptwohnsitz.

Es ist gut, dass man hier auch Internet haben kann.
Und vielleicht hätte ich hier irgendwie den Kooks-Song „Seaside“ eingebunden, wenn ich nicht praktisch alle mir bekannten Methoden hier so aussehen würde, dass eh keiner draufklicken würde. Vielleicht kaufe ich mir ein Keyboard und komponiere ein Midi für eine tolle Endlosschleife.

Damals im Krieg* hatten wir keine Farben, übrigens.

Gestern gab ich vermutlich in zwei notdürftig mit Tesa zugeklebten braunen Umschlägen mein Nebenfach ab. Das ist okayisch, da mir das letzte Semester tatsächlich Spaß gemacht hat, obwohl ich mein Wahlseminar nur wegen dem Terminen wählte und eigentlich ja was anderes, dieses Jahr nicht für Nebenfachstudenten verfügbares wollte. Nämlich Journalismus. Aber wie gesagt, was ich dann hatte, Massenmedien und Populärkultur war auch überraschend gut. Gruselig. Dafür bleibt die Nebenfachpräsenzsilentiumbibliothek immer noch ein arschiger Ort, den ich wohl los bin. Yay.
Gleichzeitig war das das glorreiche Semesterende. Endlich Ferienferienferien. Fast einen Monat später als letztes Jahr.

Und heute Mittag lief ich das sechste Mal in die Drogerie, nach meinen Fotos gucken, die schon die fünf Male davor da sein hätten sollen. Heute holte ich dann in einem professionell zugeklebten bunten Umschlag Analogversuchsdinge ab. Ich habe wohl zuletzt mit neun, zehn Jahren analog fotografiert, als ich mit meiner ersten blauen Plastikkamera eine kunstvolle Serie Finger in Bildern anfertigte. Inzwischen ist die leider vermutlich eine Palette Joghurtbecher oder Turnhallenboden, also musste ich in einem Manöver des dreisten Schnorrens die Minolta 7000 von meinem Vater erbetteln. Klappte. Und dann packte ich das Minolta AF 50mm 1:1.4, das unter anderem im Schnorrpreis inbegriffen war drauf und guckte, was so dabei rauskommt. Und weil ich wenn dann schon richtig cool sein wollte, machte ich schwarz-weiß Fotos. (Fuji Neopan 400, falls das jemanden interessiert.) Passenderweise tourte Flo gerade jonglierconventionbedingt nach München, also war da ein Grund für Touridinge. Es folgen nun so Fotos. Die Rechte an der Farbgebung hat mein Scanner. Er fand das Schwarz zu schwarz. Aber gut, er ist ein Scanner und hat sicher Ahnung von sowas, also glaube ich ihm mal.

*Man sagte mir, das Frauenkirchebild würde nach Weltkrieg ausgucken. (Die Zeitmaschine war auch schweineteuer.)