Es ist wahrscheinlich, das ich morgen fliegen kann. Das wäre cool. Man darf sich aber erst sicher sein, wenn die Maschine abhebt und das ist ein relativ später Zeitpunkt, um Bescheid zu sagen. Aber ich habe fast gepackt und eine Bordkarte. (In diesem Fall ermöglicht mir diese, erstmal bis zum Gate zu kommen.)

Packen habe ich so gemacht: Als erstes kaufte ich einen schweinsteuren zu großen Trekkingrucksack, für den mir jeder Outdoormensch eins auf den Deckel geben würde. Denn: Das Leergewicht ist etwas höher als bei anderen und er ist teuer und ich mache schließlich keine Südpolexpedition und sollte es vielleicht nicht übertreiben. Nachdem ich aber stur bin, höre ich generell erst einmal auf meine eigene Logik. Die lautet wie folgt:

  • Ich fand den Rucksack schön. Das ist wichtig, denn Rucksäcke sind generell hässliche Existenzen. Tagesrucksäcke bewegen sich seit ein paar Jahren ästhetisch steil bergauf. Bei größeren regiert immer noch die nackte Funktionalität. Zusammen mit Laptops ist das ein Gebiet, auf dem “Ja okay, aber ich finde den sehr hässlich.” ein Aufruf zur Steinigung ist. Okay, bei Laptops hat sich das ein bisschen gebessert aber nur, weil Menschen in die Bresche sprangen und ganz tapfer zugaben, dass sie sich teure Aluminium-Unibody-Laptops fast nicht nur kauften, weil sie ohne bahnbrechende Software wie iTunes nicht mehr leben möchten. Unter uns: Ich habe vor, meinen Rucksack zu lieben, und da tu ich mich bei Neon-Nylon halt schwer. Neon-Nylon ist nicht mein Typ für immer.
  • Der Rucksack lässt sich seitlich komplett öffnen, wie eine Reisetasche. Wenn man nicht so ordentlich ist, lernt man hoffentlich ganz gut, wie man es schafft, trotzdem ein einigermaßen normales Leben zu führen. Meine Methode war, horizontale Reisemittel zu verwenden um die maximal mögliche Wühltiefe und die daraus resultierende Zerstörung zu minimieren. Ich erwarte mir, dass das so am besten für mich ich.
  • “extremely durable” stand da. Ja! Als mein Alukoffer (schweinsteuer, hohes Leergewicht, schön, lässt sich seitlich komplett öffnen) in meinen Besitz überging trat ich automatisch in eine Glaubensgemeinschaft ein, die vor allem predigt, dass unrobuste Gepäckstücke blöd sind. Insofern muss ich da besonderen Wert drauf legen.
  • Viele Sternchen bei Reviews. Was ganz Schlechtes hab ich mir da schon nicht ausgesucht, sagt das Internet. Bequemes Tragesystem, geringer ökologischer Fußabdruck und man könnte damit auch coole Expeditionssachen machen. Mache ich ja sowieso bestimmt auch mal. Demnächst.

Und die Dame im Outdoorladen, die mich nicht beraten wollte (ich fragte mehrmals, ehrlich) erzählte munter einer Abiturientin, dass 55 bis 65 Liter pinkes Nylon schon für ein Jahr Work and Travel in Australien reichen. Also nahm ich für meine drei Wochen dann lieber 75 Liter. (Auch wegen der Expeditionen später.) Denn wenn ich meinen Tagesrucksack da noch reinpacken kann, wäre das gut für mich. Ich hoffe man merkt, dass ich keine Ahnung von der Rucksackindustrie habe. Vermutlich reise ich demnächst mit 35 Liter hellgrünem Nylon zum Südpol. Wer weiß. Vielleicht bin ich aber auch zufrieden, weil it den 12kg, die Rucksacki vorhin wog – ohne Technik, die reist im Handgepäck – kann ich eigentlich leben.

Jedenfalls werden Rucksack und ich an unserem ersten Tag – falls das klappt – ankommen und anschließend mit dem Zug von Tokio in ein Kaff außerhalb von Nagoya reisen. So läuft das nämlich mit der Reiseplanung: Du gehst eine Woche davon aus, nach Nagoya zu fliegen, verguckst dich in irgendwas und dann willst du dahin, auch wenn du nicht nach Nagoya fliegst.
Da Nagoya nicht in meinen Zwei-Wochen-Zugfahren-Pass eingeplant war und mich die Extrawurstreise mehr gekostet hätte, als die Differenz zum Drei-Wochen-Zugpass, habe ich jetzt diesen und bin zugtechnisch unbesiegbar.

Der Japan Rail Pass ist ein ein-, zwei- oder dreiwöchiges Touristen-Zugticket für praktisch alle unprivaten Züge (und zum Beispiel Busse, die der Bahngesellschaft gehören) in Japan.  So wie Interrail. (Glaube ich, Mädchen dürfen kein Interrail sagt Mama immer.) Ausgenommen sind zwei Shinkansen-Expresslinien, auf die kann man aber verzichten, nachdem Shinkansenzüge mit ein paar mehr Stops erlaubt sind. Der Rail Pass begegnet einem eigentlich auf Seite 1 jeder Japanplanung: Meistens lohnt er sich schon für einen Roundtrip mit dem Shinkansen, beispielsweise zwischen Tokio und Osaka. Man muss sich vor der Reise eine Coupon kaufen, den man dann in Japan gegen Vorlage des Reisepasses mit Touristenvisum gegen den Pass eintauschen kann. Inzwischen kann man wohl auch teurer den Pass vor Ort kaufen. 

 

Letztendlich bin ich jetzt mit meinem Dreiwochenticket relativ flexibel und mein Anreisezeitpunkt ist so unsicher, dass ich die ersten Tage nur wischi-waschi geplant habe und mal sehen, was das wird. Wenn man nämlich aufs Land will, ist es besonders dumm, nur wischi-waschi zu planen, denn Busse fahren selten und nur etwa bis 19 Uhr. Oder früher. Ich weiß das, ich war schonmal in einem Ort namens Futamichosho gefangen, weil ich zwei Steine angucken wollte und versehentlich mit dem letzten Bus gegen 17 Uhr anreiste. Ich habe dann doch überlebt, mit sehr viel Laufen und Warten auf Züge und in rekordverdächtigen sieben Stunden. Die Steine habe ich letztens auf irgendwelchen “schönste Orte Japans”-Listen gesehen. Es hat sich bestimmt gelohnt aber bitte komme Sie rechtzeitig.

Okay, also ich hab dann lieber doch Busfahrpläne angeguckt. Japanische Busunternehmen stellen zum Glück manchmal auch Seiten auf Englisch zur Verfügung, auf denen alles enthalten ist, außer Informationen. Ich hab mich dann so durchgemogelt mit probieren und den ungefähr fünf Kanji, die ich kann. (Ortsnamen enthalten oft zum Glück unter anderem Anfängerkanji: Himmelsrichtungen, Berg/Fluss/Feld, Bahnhof.) Ich hoffe, ich mach da keinen Quatsch und Welcome to Jackass.

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