Die wundersame Geschichte, wie ich Japanisch lernte (und nach Japan wollte)

Ich versuche jetzt, hier wieder was zu tun und Dinge zu schreiben, die ich schon ewig schreiben wollte, aber mir dachte, ich müsste mal mit dem Anfang anfangen. Oder vielleicht müsste ich vor dem Anfang noch das hässliche Layout ändern, aber das konnte ich nicht gut genug, also entschied ich mich für die Schreiben-Lösung, tadaa.

 

Hier ist etwas, was ich fünfhundert Mal gefragt wurde:

 

Die wundersame Geschichte, wie ich Japanisch lernte (und nach Japan wollte)

 

Ich hab für Asien durchaus was übrig. Das war schon immer so, seit ich das erste Mal irgendwo dort war – das war 2005 in Singapur. Ich mag die Menschen, die Kultur, das Essen und hab einen ziemlichen Soft Spot für Wet Markets und überhaupt frisch abgemurkste Speisefische.

 

Das ist die eine Sache. Die andere ist, dass ich Sprachen mag, obwohl ich an sich nicht gerne spreche. Das klingt sehr paradox, aber an sich verstehe ich gerne Dinge. Es ist zum Beispiel gut, dass ich mal so mittelmäßig Französisch lernte, weil ich mir ein bisschen Spanisch und Italienisch erschließen kann und es so weniger wahrscheinlich ist, irgendwas komplett falsch zu verstehen und aus Versehen zu sterben. Das ist total praktisch für unterwegs.

 

Trotzdem ist meine optionale Sprachenkarriere zunächst eine sehr traurige. Grundpfeiler hiervon sind, dass ich zunächst nichts tat. In der Schule denkt man ja, man hat den grausamsten Vollzeitjob aller Zeiten und es ist vollkommen unfair dem Hirn gegenüber, ihm noch mehr reinzudrücken, weil das Leben ohnehin schon so furchtbar hart ist. Außerdem gibt es ja nicht so viele Möglichkeiten. Volkshochschule, besonders auf dem Dorf, ist blöd und überhaupt. Wenn man Glück hat, bietet dann die Schule irgendwas an. Meine Schule bot ein bisschen Chinesisch an, zum Beispiel. Das passte mir supergut in den Kram, schließlich kannte ich ganze zwei Mädchen in Hong-Kong von einer Sprachreise in England – wo meine besten Freunde die Hong-Kong-Gang und Japaner waren. Siehe oben zu „ich mag die Menschen.“ Wobei ich zu allen Japanern den Kontakt verlor, weil sie damals kaum Englisch konnten – die Hong-Kong-Gang aber perfekt. Eigentlich hätte mich ja folglich Kantonesisch mehr interessiert als Mandarin, obwohl ich bis heute keine echte Ahnung habe, wo die Unterschiede liegen, aber mir ist bewusst, dass es welche gibt. Und dass für die Hong-Kong-Gang das eine nützlicher ist als das andere. Aber ich wollte mal gucken, wie der Kram mit den Schriftzeichen so funktioniert.

Das tat ich aber nur so halbherzig. Das heißt, ich fragte einmal nach, als das neu war. Da war ich in der Kollegstufe. Da sagten sie zu mir, dass das eigentlich für untere Klassenstufe gedacht wäre und dann war meine Motivation auch schon wieder weg und ich bettelte nicht, obwohl das bestimmt Erfolg gehabt hätte. Mir fiel auf, dass sich meine Sympathien mit Nicht-Hong-Kong-China sowieso ein bisschen in Grenzen halten. Vielleicht auch, weil mich eine alte Chinesin in Bangkok mal sehr, sehr anschrie, weil sie behauptet hatte, ich hätte etwas von ihrem Schrottstand im Vorbeigehen kaputt gemacht. Alles, was schreit, ist nicht so cool.

 

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Also lernte ich dann kein Chinesisch sondern studierte. An der Uni gab es Sprachkurse, aber ich gucke erstmal nicht, weil ich als Studentin den grausamsten Vollzeitjob aller Zeiten hatte und es wäre meinem Hirn vollkommen unfair gewesen, ihm noch mehr reinzudrücken. Also studierte ich meine Medieninformatik. Das war okay, aber ein bisschen vermisste ich andere Dinge, weil ich kein vollkommenes One-Trick-Informatik-Pony bin, auch wenn ich es manchmal gerne wäre. Das sag ich jetzt, ein paar Jahre später. Damals dachte ich: „Das muss so. Das ist Studieren.“ Und ich hielt die Klappe.

 

Irgendwann tauchte dann Japanisch auf meiner Bildfläche auf. Und in sämtlichen Timelines und so weiter. Das war ein sehr tückischer, schleichender Prozess. Die Sache mit Japan ist, dass man, wie ich, glaubt, man hätte ein bisschen eine Ahnung von allem, denn man hatte ja Pokémon und Studio Ghibli Filme und Sushi mit Avocado. (Und alle, die sich mehr damit auskennen, färben sich die Haare blau und hüpfen auf Cons rum) Und dann merkt man, dass man eigentlich nichts weiß. Mir ging es so, als ich zum ersten Mal ein paar mehr Japanfotos anguckte. (Und ich hörte von Leuten, dass es ihnen so ging, als sie meine Instagram-Japanfotos anguckten. Ha!) Ich war dann tieftraurig und in meinem Stolz verletzt, wo ich doch nebenberuflich Asien hype. Und irgendwie war Japan so sehr Japan, während mir die westliche Verprotzung Städte wie Singapur munter weiter wegfraß. Dazu muss man sagen, dass Japan sicher immer schon recht weit oben auf meiner Reiseliste stand, aber eher wegen normalhoher Interessenspriorität.

 

Nachdem ich also festgestellt hatte, dass ich nichts über Japan weiß, stellte ich als nächstes fest, dass auch nichts über Japanisch weiß. Nichts bedeutet hier: Weniger, als ich gewusst hätte, wenn ich mir mal den ersten Absatz Wikipedia durchgelesen hätte. Also nichts-nichts. Das störte mich dann. Wie schon gesagt, verstehe ich gerne Dinge. Beziehungsweise: ich verstehe gerne, wie Dinge funktionieren. Und wie eine Sprache funktioniert, die komische Zeichen verwenden und nicht das was ich kenne, verstehe ich nicht. Und manchmal sind da komplexere Zeichen und manchmal ganz einfache und überhaupt. Warum lernte ich überhaupt nur Sprachen, die alle ähnlich aussehen? Statt diesem einen Jahr Italienisch in der Elften hätten sie uns ruhig auch was Quatschigeres beibringen können. Inuktitut! Inuktitut hat einen agglutinierenden Sprachaufbau. Voll interessant. (Damit wusste ich mehr über Inuktitut als über Japanisch. Japanisch hat das nämlich auch.)

 

Ich hätte mir auch selbst irgendwas beibringen können, aber darin bin ich nicht gut, besonders nicht bei ganz elementaren Sachen, die ich noch nie gehört habe. Da ist es schon besser, wenn da jemand kommt, der Ahnung hat, also wollte ich einen Kurs machen. Freiwillig, aber auf einigermaßen hohen Niveau, wie in der Schule. Mit Hausaufgaben und sowas. Und mehr als zwei Wochenstunden.

 

Dann redete ich mir ein, ich dürfte das nicht, weil Leute darüber doof reden würden, sollte sie es jemals herausfinden. Das war auch der Grund, warum ich mich bei meinem ersten Versuch, vor zweieinhalb Jahren von einem hässlichen mit sterbendem Filzstift geschrieben Zettel „Japanisch voll“ abhalten ließ. Wahrscheinlich hätte ich reingehen sollen und betteln. Ich war schließlich im strömenden Regen von meinem Seminar davor ins Japan-Zentrum gerannt, extra zu dem dooferen späten Termin und dann stand ich da und klopfte nicht mal und ließ mich von einer Seniorenstudentin trösten. (Die Leute hätten ja sowieso doof geredet.)

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Danach wollte ich allerdings immer noch Japanisch lernen. Ich argumentiere noch immer blöd rum, um mich zu verteidigen, warum ich denn Japanisch nahm, aber so im Nachhinein war es das Coolste und Logischste, was ich machen konnte. Ich wollte eine ganz andere Sprache lernen, möglichst Asiatisch, was mit anderen Zeichen, ich wollte, falls ich mal nach Japan fahre, irgendwas vorher wissen, sowas wie „Danke“, weil ich gehört hatte, dass man mit Englisch in Japan nicht zwangsweise besonders weit kommt. Ich wollte mich nicht von einer cholerischen Chinesischlehrerin anschreien lassen, weil ich irgendwas, was man auf 325 weisen betonen kann, falsch betone – Sprechen ist ja sowieso nicht so ganz meine Stärke. Ich will ja auch nur mal gucken, wie so eine Sprache funktioniert, und dann kann ich jederzeit aufhören. Und ich kann ja auch mal ausnutzen, dass ich an einer großen Uni bin, die sowas anbietet. Wenn ich schon keinen Hochschulsport mag.

 

Das waren meine sorgsam zusammengelegten Argumente, als ich das dann ein Jahr später wieder versuchte, obwohl ich eigentlich Vollzeit Bachelorarbeit schreiben hätte sollen. Ich schrieb sogar vorher an die Dozentin eine Jammermail (was ich noch nie tat), dass ich unbedingt in den Kurs will, dass sie im Zweifelsfall den letzten freien Platz dem Mädchen mit der herzzerreißenden Jammermail geben würde. Ich campte eine dreiviertel Stunde vor dem scheiß Raum (was ich noch nie tat) und dann nahm ich mir vor, niemals im Internet darüber zu sprechen. (was ich noch nie tat. Wegen der Leute.) Überraschung, die Dozentin war lieb, gab mir einen Platz, den sie mir schon nach der Jammermail geben hätte wollen, hätte sie genügend Deutsch gekonnt. (Echte Japaner. Yay yay.)

 

Und dann passierte der ekelhaft kitschige Teil, bei dem sich der Himmel öffnete und es Einhörner und Glitzer regnete: Ich mochte das total. Ich fands gut, endlich mal wieder was zu lernen, wo ich merkte, dass ich was lerne. So Dinge, die einem im Leben begegnen könnten. Wie ich mit ständig „krasser Scheiß.“ denken musste, wenn ich irgendwas schrieb oder las und verstand, das kompliziert aussah. Gutes Gefühl. Sehr kitschig, aber auch sehr gut. Ich kopierte mir Vokabellisten für die S-Bahn, oder ließ mich Kanji abfragen und es war keine echte Verpflichtung, wie mein Hauptfach, sondern irgendwie egal. Wahrscheinlich so, wie Sport für Leute ist, die Sport machen.

Und obwohl ich dann ungefähr Weihnachten so das Ziel erreicht hätte, das ich mir eigentlich gesteckt hatte, wollte ich dann nicht mehr aufhören. Außerdem fand ich genügend japanische Dinge, die mir total Spaß machen, und an die ich mich vorher nicht so recht ran traute. Hi, ich spielte das älteste Pokémonspiel auf japanisch durch! Das ist unglaublich cool. Und ich bin ein bisschen beleidigt auf mein Vergangenheits-Ich, dass es sich die „Mila Superstar“-Box ohne japanische Tonspur kaufte, weil ich nicht verstehe, wie es denke konnte, dass die Originalsprache bei Anime keinen so Unterschied macht. (DOCH. DOCH. DOCH. VERDAMMT.)

Ernsthaft, welche andere Sprache hätte mir Pokémoncontent geben können? Na also.

 

 

 

Das war die Geschichte, wie ich anfing, Japanisch zu lernen. Jetzt kann ich dann vielleicht mal Dinge erzählen, wie ich letzten Sommer nach Japan reiste, aber ich dachte, ich sollte das hier vielleicht mal vorher sagen. Wahrscheinlich hätte ich mich nämlich ohne Japanischkurs niemals cool genug gefühlt, ganz alleine für einen Monat nach Japan abzuhauen. :)

 

Oh, Moral: Lernt Sprachen, wenn ihr Sprachen lernen wollt. Und an der Uni geht das besser als sonst irgendwo. Nämlich gratis, meistens von Muttersprachlern und mit Hausaufgaben und Klausuren. (YAY!) Sonst geht halt zum Hochschulsport oder so.

 

(Letztendlich hat übrigens niemand der Leute jemals was Doofes gesagt. Alle Aufregung umsonst. Hmpf.)

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Hier, bitte, das Dümmste, was mir letztes Jahr passierte:

 

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Nämlich unglaublicher Sonnenbrand, der, neben dem Üblichen, nach ein paar Tagen meine Lippen zerstörte. Ich fand dieses Bild (wohl aus der App KitCam, direkt mit Filtern aufgenommen und kein Original mehr da). Dann dachte mir, dass man sowas nicht ins Internet stellt, deshalb stelle ich es jetzt ins Internet.

Lektion 21.5

 

Ich mache jetzt das zweite Semester lustige Sprachendinge. Es ist sehr gut und rosa auf der Seite ohne Noten, die ich auch sonst nicht bräuchte. Ich schrieb sogar brav Klausur, allerdings holte ich mein Ergebnis nie ab und fühle mich deshalb cool un verantwortlich, falls sich die Welt in nächster Zeit merklich verbessern sollte. (It won’t.)

Ein bisschen ließ ich im Hinterkopf, mir das Ganze dann doch irgendwann als “persönliche und soziale Kompetenz” anrechnen zu lassen, damit auf dem Wisch mit dem Noten drauf auch etwas steht, was mir sagenhaft ungewöhnliche Interessen nachsagt, statt dem default Seminar mit dem default Titel für alle Kinder, die niemals Abenteuer erlebt haben, weil es in der Natur so viele Gefahren gibt.

Dann kam die Studienordnung und sagte, im Master können, im Gegensatz zum Bachelor, außerfachliche Qualifikationen wie Sprachdinge nicht angerechnet werden. Weil <EOF>.

Dann nannte ich die Uni “Blödmänner*” und aß ein Stück Schokolade. Jeden Spaß verderben die, jeden. Außer Schokolade.

 

*Name von der Redaktion geändert

(Außerdem gab ich meine Bachelorarbeit ab, die mein persönliches Takeshi’s Castle, mit verbundenen Augen im Meerjungfrauenkostüm auf einer aggressiven Giraffe mit drei Beinen reitend, war. Sprechen wir nicht mehr darüber. Jetzt ist fast alles besser.)

 

Pencil Vania

tl;dr für Max: Uni Kuru Toga. <3

 

Hallo, ich bin Nina, und ich habe einen ziemlichen Soft-spot für Stifte, den ich meistens inzwischen ganz gut vor der Öffentlichkeit verbergen kann. Das war nicht immer so. Es gab Zeiten, da brachte ich täglich meine Schachtel mit 48 Buntstiften in die Grundschule. Es waren österreichische Buntstifte. Von Jolly. Das sind gute Buntstifte, deren einziger Nachteil ist, dass man sie nicht mit Wasser verpantschen kann, aber das muss man in der Grundschule sowieso nicht. Ich hatte sogar einen Goldstift und einen Silberstift und einen weißen Stift. Und ganz viele materialistisch angehauchte Kinder, die beim Malen neben mir sitzen wollten. Es war eine großartige Zeit für die Buntstifte und mich.

 

Später besuchte ich eine Bildungsanstalt, in der ich diesen Kult größtenteils einschränken musste. Selbst der Kunstunterricht war ein buntstiftloses Regime mit geteilten Wasserfarben und einem Synthetikpinsel, Größe 8.

 

In der neunten Klasse verguckte ich mich ein bisschen in die Tintenstite von Amelie, die im Informatikwahlpflichtunterricht neben mir saß. Der Informatikunterricht war nämlich so ausgelegt, dass man sich am besten mit Themen wie Stiften beschäftigt hat. Das waren die heute noch weit verbreiteten uni-ball eye Dinger der Mitsubishi Pencil Co. Made in Japan. Ich hab sie alle nachgekauft, aus purer Gier. Und meine Lieblingsfarbe, wine red, kaufte ich auch manchmal dreifach, falls eine kaputt geht, gestohlen wird, oder ein Opfer des atomaren Zerfalls werden. Was tatsächlich passiert ist, ist, dass die Stifte ständig grundlos auslaufen, oder aus Gründen, die nur der Stift selbst kennt und dem Menschen für immer fremd bleiben werden. Dann muss man sie wegwerfen oder immer mit lustig bunten Händen herumlaufen. Ich habe beides ausprobiert.

 

Erstaunlicherweise habe ich den Zyklus bis zum Endlevel tausendmal durchgespielt und mir immer die selben Stifte gekauft. Ich habe nämlich ein tiefverankertes Urvertrauen an die japanische Stiftindustrie, wenn es um Stifte mit feinen Spitzen geht, basierend auf jahrelangen soziologischen Studien weltweiter Handschriftkultur.

 


Insofern warf ich Anfang des Jahres in einem Duty-Free-Schreibwarenladen im Singapore Changi Airport ziemlich mit Wertpapier um mich, als ich irgendwo Mitsubishi Pencil Co. gelesen hatte. In meinem Inventar sind seit dem mehrere “style + fit”-Stifte, die zwar kratzen beim Schreiben, aber nur 0.38mm haben und – das ist der eigentliche Kaufgrund gewesen – bunt mit Punkten sind, damit mein Überleben gesichert ist, falls ich mal bei einem Sleepover Stifte ausleihen muss, damit sich meine Sleepoverfreunde und ich aus Jungsnamen ausrechnen können, wer mal wen heiratet.

 

 

Und dann kaufte ich noch einen Druckbleistift. Das war eigentlich Quatsch, denn ich hab bis vor kurzem kaum mit Bleistift gearbeitet. Dann bekam ich einen Platz in einem Sprachkurs, in dem ich so sehr freiwillig bin, dass mir niemand Vorgaben über Stiftnutzung zu machen hat. Und da mein Selbstbewusstsein bekanntlich mehrmals die Erde umrunden könnte (reitend auf einer Seekuh), schreibe ich alles, was ich nicht irgendwo genau abmale, mit Bleistift. Und dann fiel mir auf, dass mein Bleistift, Master Kuru Toga, super gut ist. Er schreibt schön und ausreichend dünn, dass ich mit meiner Handschrift mittleren Ordentlichkeitsgrades noch alles differenzieren kann. Yay! Woran das liegt, wusste ich nicht, weil man ja so selten über das Innenleben von Stiften nachdenkt. Auf dem Stift steht etwas von “Kuru Toga Engine” drauf, was so schön klingt, als könnte man damit herumlasern, aber mir auch nichts sagte. Auf der Verpackung damals stand auch ganz viel Kram mit Ausrufezeichen, aber dummerweise ausschließlich auf Japanisch. Und eine Obduktion halte ich bei der derzeitigen Marktsituation von dieser Bleistiftrasse zu riskant. Und dann hab ich das Internet aufgemacht und eine Suchmaschine verwendet. Folglich fand ich ein hässliches aber lehrreiches Promovideo in einer Sprache, die ich auch verstehe. Woah. Es ist so gut, dass es Menschen gibt, die sich solche Dinge ausdenken und in Bleistifte bauen, um das Bleistiftsachentun an sich zu verbessern. Also, von innen. Das ist so viel sinnvoller als ständig neue Gummigriffdinge, die immer noch idiotischer aussehen auf das Stiftexterieur zu bringen. Herz.

Ach, ja, farbig gesehen bin ich momentan auf die 0.38mm-Geltintenstifte von Muji umgestiegen. Keine Beschwerden. Oh, doch. Die mit 0.5mm gibt es in viel mehr Farben.

astronauts and shit (und der hässlichste Cheeseburger der Welt)

Die Welt macht vielleicht ernsthaft dummes Zeug.

 

Irgendwann letztens habe ich meinen Serienkonsum auf Doctor Who (2005) fokussiert. Das war eine sehr kluge Entscheidung, auch wenn sich jetzt in den späteren Staffeln meine Begeisterung etwas gelegt, weil ich ziemlich viele Figuren nicht besonders sympathisch finde, aber da ist ja noch kein Kündigungsgrund. Ich wünsche mir trotzdem eine TARDIS zu Weihnachten. Ich war nämlich noch nie im Weltraum.

 

Space. Das ist praktisch die Definition der unendlichen Coolness. Das haben wir wahrscheinlich früh genug gelernt, mindestens über einen Kanal, höchstwahrscheinlich aber über etwa fünftausendsiebenhundertneunzig. Wir haben audiovisuelle Unterhaltungsprodukte, sogar mehr als alle sie, sie “Star” im namen haben, wir haben Literatur (DouglasAdamsDouglasAdamsDouglasAdams) und ich bin eigentlich konstant ein bisschen angefressen auf meinen derzeitigen Alltag, der hundertprozentig daran Schuld ist, dass ich bei Mass Effect 3 noch irgendwo ganz am Anfang mit fast keiner Crew rumhample. Weil Weltraum ist cool. Böse Aliens exterminieren ist cool. (Ha!) Gute Aliens sind an sich auch cool, auch wenn meistens hässlich. Außerdem gibt es dann noch viele Planeten und Raumstationen und Death Stars und Mass Relays und Transportmittel mit Infinite Improbability Drives. Wie man weiß, ist das alles in der Zukunft, folglich wird unsere Zukunft ziemlich klasse.

 

Letztes Jahr war ich am Cape Canaveral. Kennedy Space Center, denn ich war in Florida und Florida möchte, dass man in viele teure Themenparks und Attraktionen geht. Das war im Frühjahr, nur kurze Zeit vor dem Start der vorletzten Spaceshuttlemission. ACHTUNG UNTERBRECHUNG. Nun ein paar lehrreiche Fakten für Leute, die sich nicht für Spaceshuttles interessieren, damit wir alle nachher mit einem guten Gewissen nach Hause gehen können. Ein Spaceshuttle besteht aus drei Teilen. Dem Orbiter (auf Deutsch wohl “Raumfähre”), das ist das Ding, das aussieht wie ein Flugzeug und den Namen trägt. Davon gab es im Wesentlichen fünf. (Columbia, Challenger, Discovery, Atlantis und Endeavour). Dann ist da noch das Zubehör. Der große orangene Treibstofftank, der irgendwann abgeworfen wird und in der Atmosphäre verglüht, wahrscheinlich bei irgendwelchen Spaceshutteäquivalten von “Reiseflughöhe.” Und dann gibt es noch die beiden Solid Rocket Booster, die Raketen, die das Dings hochbringen und dann ins Meer geworfen werden und mit Schiffen wieder rausgefischt werden können. Recht viel mehr weiß ich auch nicht über Spaceshuttles.

 


 

Der Orbiter damals war übrigens die Endeavour, es gab Tassen und T-Shirts und allen möglichen Kram. Das ist schön und futuristisch. Es ist nämlich auch wichtig, dass ein Space Ship einen ordentlichen Namen hat, damit man in einem Meteoritenfeld oder während eines feindlichen Angriff emotionaler rufen kann, dass einen das alte Mädchen jetzt nicht im Stich lassen soll. Und wegen we’ve been through so much together. Außerdem wären Orbiter wie eine Spaceshuttleboyband gewesen, und man hätte so sehr Lieblingsorbiter haben können, wenn nicht zwei von ihnen schon tot wären.


Außerdem sah ich dort in Florida Filme, dass man in der Schwerelosigkeit am besten den ganzen Tag mit Essen – und vorallem Getränken – spielt und hörte einen Vortrag von   Wendy Lawrence, Astronautin. Astronauten sind tatsächlich so cool wie in Kinderbüchern, mit Anzügen und Helmen und Herumfliegen. Außerdem sind ganz viele Astronauten wohl eigentlich zunächst was anderes gewesen und dann würden sie doch Mission Specialists bei der NASA. Und ganz viel Astronautsein ist mitgebrachte Experimente angucken. Ich wollte dann auch kurz Astronaut werden, aber dann viel mir wieder ein, dass ich bestimmt bei ganz vielen Schwindeltest durchfallen würde. Hm. Aber insgesamt sollten mehr Menschen, die ich kenne, Astronauten werden, damit ich mehr Astronauten kenne und diese Beziehungen für meine persönlichen schamlosen Experimente nutzen kann. (Was machen denn bitte Vögel in der Schwerelosigkeit?)

 

So. Dann können wir ja im Folgenden voraussetzen, dass die Raumfahrt supercool ist, falls da noch Zweifel bestanden.

 

Irgendwann nach ein paar Stunden Cape Canaveral und Ehrung der Dinge, die da so waren, kann man aber auch nicht anders, als zu sehen, dass das alles retrospektiv ist. Natürlich, Mondlandungssimulationen sind schön, aber irgendwo fehlt dann auch ein bisschen die Perspektive auf das, was die Raumfahrtsmenschen so vor haben. Und das Schlimme ist wohl: So viel haben die vielleicht gar nicht vor. Man hat die Spaceshuttles ausgemistet, die waren ja auch schon uralt, ohne Spaceshuttles 2.0 zu bauen, mit blauen LEDs und Türen, die mit Pffft aufgehen, wenn man autorisiert genug ist, um sie zu benutzen. Und Projektionen des Sonnensystems, die sich mit Swipe-Gesten herumswipen lassen. Das gibt da halt so eine Nachfolgeridee, aber die ist erst so 2016 dann fertig und überhaupt och joah, oh ein Manatee, das Wetter war auch schon mal besser und wie geht’s eigentlich den Kindern? Wir haben jetzt den Curiosity Rover, der eigentlich an sich unglaublich spannend wäre, aber irgendwie ist er es dann doch nicht. Ich mag ihn, er ist nett und benutzt Twitter, aber trotzdem ist hat man so ein bisschen ein Tja-Hm-Gefühl und es ist keine Mondlandung. (WARUM BEKOMMEN JUNGE MENSCHEN WIE ICH KEINE MONDLANDUNG?)

 

 

 

Was ist, wenn die Raumfahrt so gut wie tot ist? Was ist, wenn der hässlichste Cheeseburger der Welt, den ich im KSC aß, ein Raumfahrtsstatusthemenburger war?

 

Das wäre doof. Zurück zu Doctor Who. Wir haben kulturell so viel, wie man sich Zukunft so vorstellt, auf den Weltraum gestützt und jetzt verreckt die Raumfahrt eben jetzt und all die Zukunft ändert sich und alles hört auf zu existieren. Naja. Fast. Wahrscheinlich werden wir alle tolle Küchengeräte mit WLAN haben und überall spannende Screens und Zeug, aber Autos werden wohl nicht fliegen, sondern nur weniger Dreck machen und wir werden nicht zweimal im Jahr von Daleks angegegriffen. Hat alles seine Vor- und Nachteile.

 

Aber, ernsthaft, was passiert, wenn die Raumfahrt wirklich vollkommen stirbt? Sehr viel Science-Fiction-Krams tut ja so, als würde er eine Version der Zukunft darstellen, aber funktioniert das noch so gut, wenn der Grundgedanke mit den Raumschiffen und so, dann eigentlich was Vergangenes ist? In der Zukunft, die wir uns so vorstellen, ist ja auch nicht alles voll mit Zeppelinen und Dampflocks und VHS-Kassetten und Windows 95. Sind dann in der zukünftigen Zukunft noch Dinge da, die, sagen wir mal, 2050 aus dem Programm genommen worden sind? Das wär saublöd. Dieser Raumfahrtgedanke darf jetzt nicht eingehen, den braucht man später sicher noch. Bitte werdet Astronauten. Danke.

 

PS Vielleicht wird auch alles gar nicht so schlimm. Immerhin hab ich ja dann noch meine TARDIS. Aber bitte werdet trotzdem Astronauten.

In my home country, I’m a superhero

Vorvorletzte Woche ritt ich auf einem persischen Kriegselefanten nach Konstantinopel. Also, fast. Ich flog zusammen mit zwei Freundinnen nach Istanbul, um eine weitere Freundin zu besuchen, die dort das letzte halbe Jahr an der Marmara Universität irgendwelche Dinge tat, die so grob dem entsprechen, was sie sonst in Fulda tat. In Fulda hatten wir sie nie besucht, was aber tatsächlich nicht an ihr persönlich lag.

 

 

Ich war tatsächlich ziemlich aufgeregt, weil ich noch nie in der Türkei war und überhaupt eigentlich noch gar nicht in der Nähe. Letztendlich wäre ich vielleicht auch nicht auf die Idee gekommen, dort hin zu reisen, da meine Reiseplanungshirnabteilung meistens damit beschäftigt ist, Asiatisches, Kaltes und Angloamerikanisches attraktiv zu finden. Insofern hatte ich keine Ahnung von türkischen Dingen vorher, jetzt hab ich immerhin sehr wenig Ahnung und weiß, dass man für lustige Bonusszene während der Reise am besten jemanden mitnimmt, der “Anne” heißt. (Was wohl auf türkisch “Mutter” bedeutet. Das wissen aber wahrscheinlich alle Menschen außer mir. Ich wusste das nicht.) Außerdem war ich überhaupt fast noch nie für eine ganze Woche in einer Stadt. Einmal war ich über eine Woche in Hamburg, aber das gilt nicht, weil es sich in diesem Fall ausnahmsweise nicht um eine diplomatisch motivierte Bildungsreise handelte.

 

 

 

Dieses Mal aber schon. Insofern flogen wir mit einer erstklassigen Chartermaschine, die sonst hauptberuflich etwa alle zweieinhalb Minuten nach Antalya fliegt, nach Istanbul, wie sich das gehört mit einer Delegation von passionierten Landungsklatschern. Danach wurden wir von der zu besuchenden Auslandskorrespondentin empfangen, die fand, das Flughafenshuttles zu teuer waren und uns folglich mitnahm auf eine wundersame Reise in einem verzauberten Linienbus, der so verzaubert war, dass er nur zwei Stunden brauchte und trotzdem nicht über genügend Sitzplätze verfügte. Letztendlich erreichten wir etwa um Mitternacht unser Appartement im idyllischen Tarlabaşı. (Ich weiß nicht viel über türkische Aussprache und so, und wurde das “ş” als “sch” und das “ı” als Laut zwischen “i” und “e” erklärt, also etwa Tarlabasche, genau weiß ich das aber nicht.) Das idyllische Tarlabaşı liegt ziemlich im Zentrum, ein paar hundert entfernt vom Taksim Platz, aber es ist dann doch eher so mittelnett. Also, es gibt schöne bunte Wäscheleinen und bis nach Mitternacht spielen Kinder auf der Straße, aber sonst eben auch viel Kaputtes und Bevölkerungsgruppen, die Istanbul angeblich von dort wegtreiben will, um Tarlabaşı systematisch aufzuprotzen. Zum Teil sieht man auch schon moderne Häuser und Baustellen mit Tafeln, die irgendwas mit urban und modern versprechen, dahinter verspricht es aber noch genügend Spannung, wenn man nachts durch die Gassen reisen darf. Wir gefährlich es tatsächlich ist, kann ich nicht beurteilen, vielleicht aber derjenige, der es für klug hielt, ein Appartement mit einer Tür mit sechseinhalb Riegeln und Gittern vor den Fenstern zur Straße auszustatten.

 

 

 

 

Außerhalb von den Riegeln ist es es übrigens durchaus gefährlich. Besonders für den Verstand. In Istanbul gibt es nämlich sehr viele Menschen. Und sehr viele Autos, obwohl die Spritpreise deutlich höher sind als in Deutschland. Eigentlich wird man die ganze Zeit fast überfahren, beziehungsweise man überschreibt zunächst die Straßenüberquerungsroutine mit dem Grundsatz, dass jeder das Recht hat, jedes Stück Straße zu begehen oder zu überqueren. Bereits die Basisform des Fußgängers™ besitzt besonders stark ausgebildete Sneak und Agility Fähigkeiten, womit das alles problemlos möglich ist. Vorsicht ist dennoch geboten, oft sind schwierigere Querungssituationen von dämonischen Irrlichtern behütet, deren grünes Licht dazu neigt, die Perceptionskills des Fußgänger™ zu vernebeln und ihn in tödliche Todesgefahr zu bringen. Oh, und Autos hupen sehr viel. Immer. Aus allen Gründen und auch aus keinen, vielleicht mag man auch einfach das Geräusch.

 

Hier ist ein ungeschnittenes Video der oben erwähnten Anne, während der täglich mehrmals erforderlichen Überquerung der/des/dings Tarlabaşı Caddesi. (Mein Kopf hat einen Cameo-Auftritt, am Ende in dem Teil, der weggeschnitten werden sollte, auch meine Beine.)

 

 

 

Well, that was interesting. Kommen wir nun zu den blöden Dingen: Menschen. Wie erwähnt, gibt es is Istanbul so viele Menschen. Ich war schon an anderen Orten, an denen es viele Menschen gibt. Ich war zum Beispiel in Manhattan, in Bangkok oder Samstagnachmittag bei H&M, aber nie hat mich die Masse so gestört wie in Istanbul. Man hat eine Fußgängerzone, weitaus schmäler als die Deutsche Industrienorm für Fußgängerzonen, daraus aber so viele Menschen, als hätte mal den Inhalt einer solchen Fußgängerzone kopiert und wäre anschließend mit dem Gesicht auf Cmd/Ctrl und V in ein mehrjähriges Koma gefallen. Und dann legt man eine Straßenbahnlinie in die Mitte. Anschließend lässt man Autos queren. Es ist ein bisschen wie Sim-City, wenn man die Katastrophen deaktiviert hat, aber die Einwohner dennoch auf eine unterhaltsame Weise ein bisschen hassen möchte.

 

 

 

 

Na, vielleicht bin ich ein bisschen negativ. Istanbul ist eine sehrsehr interessante Stadt, das Essen ist gut. Er gibt viel Fisch, der oft billiger ist als Fleisch, es gibt Wasser, und gutes Essen, besonders das türkische Frühstück einmal, in Kadıköy war super und billig. Und einmal fuhren wir nach Büyükada, auf die größte der Prinzeninseln, das war auch schön, und die drei Sorten türkisches Bier, die ich probierte, waren in Ordnung, und der Tee ist auch lecker, auch wenn ich ihn nicht so heiß trinken konnte, wie man wohl soll. Ich würd auch wieder hin. Aber halt mit Männern.

 

Und das ist eigentlich der Punkt, der mich auch Wochen später einfach unglaublich stört. Gestern erst habe ich meine Reisegruppe wiedergetroffen, wir haben uns dann erneut gemeinschaftlich aufgeregt. Es ist schön, dass es wohl nicht nur mich störte. Ich war schon in Asien in ein paar Ländern, deren Hauptreligion der Islam ist, insofern war ich ein bisschen überfordert mit den Zusammenhängen zwischen Religion, Kultur und Gesellschaft, weil es doch alles mehr anders war als erwartet. In einer Woche Istanbul sah ich weniger arbeitende Frauen mit Kopftuch als an einem Tag in Bandar Seri Begawan. Das war seltsam, weil mir alles ein bisschen entweder/oder schien, und ich mehr dazwischen erwartet hätte. Allerdings kann ich ja auch nicht in alle Büros und so weiter reingucken und mir weiterhin einfach einreden, dass Religionsdinge und gesellschaftliche Position wirklich nicht so stark miteinander zu tun haben, wie es auf den ersten Blick aussieht.

 

 

 

 

Männer sieht man ja gerade genug auf der Straße. Und das macht dann nicht so viel Spaß, wenn man ohne eigenen männlichen Personenschutz unterwegs ist. Vor allem, weil der Großteil meiner Reisegruppe über deutlich hellere Haare als ich verfügt, und das erregt wohl auch zusätzliche Aufmerksamkeit. Zunächst ist das das penetrante Starren. Das kann man sich entweder quantitativ auf der Straße abholen, von zehn in Hauseingängen rumhängenden Männern gleichzeitig, oder auch qualitativ, sofern man sich irgendwo hinsetzt und dann richtig lange. Gerne auch mal eine halbe Stunde lang. Innerlich war ich nach ein paar Tagen so wütend, dass ich gerne mit zwei erhobenen Mittelfingern durch die Straßen gezogen wäre, aber in der Praxis bin ich eher feige und lebe wohl auch deshalb noch. Man sagt, man soll die Kerle in so einem Fall gar nicht angucken, Blickkontakt ist nämlich die falsche Richtung, also guckt man halt auf den Boden. Das war einfach für mich, weil ich das meistens tue, für alle anderen der Welt dürfte es doch ein wenig unterwürfig gewesen sein. Dann ist da das Angelabere, das Imitieren irgendwelcher seltsamen Tiergeräusche und das Nachrufen. LAYDE LAYDE LAYDE. Das können auch schon Achtjährige einwandfrei praktizieren, während ihnen für das penetrante Starren noch der todernste Gesichtsausdruck, beziehungsweise die todernsten Augenbrauen fehlen. Die besuchte Auslandskorrespondentin hat erzählt, sie könne sich nicht mal zum Lesen allein raussetzen, weil spätestens nach einer Viertelstunde die dunkle LAYDE LAYDE SEX LAYDE SEX Wolken aufziehen. Könnteste Kotzen, ganz ehrlich. Und dann läuft einmal ein Junge mit rum und alles ist gut.

 

 

 

Ist das nicht schrecklich traurig? Da sind Millionen von okayen Menschen und trotzdem scheint fühlt man sich verfolgt von dem kleinen Prozentsatz derjenigen, für die weibliche Touristen etwa Parade zwei Quadratmeter großer Filet Mignons darstellen. Oder andere Dinge, die ich hier nicht schreibe, weil dann kommen Leute über seltsame Suchanfragen hierher und sind sehr traurig, dass sich nicht das finden, was sie suchten und niemand will, dass das Internet Leute traurig macht. Aber ihr könnt euch das selber vorstellen und ein Bild darüber malen. Oder ihr malt ein Bild von Steaks. Das würde mich auch beeindrucken. <3

 

Und ich stellte fest, dass ich wohl niemals mit Rucksack um die ganze Welt ziehen kann, weil es alleine als Frau in weiten Teilen der Welt keine so gute Idee wäre. Gut, das wusste ich im Prinzip schon vorher, aber selbst so ein bisschen unbegründete Respektlosigkeit abzubekommen, ist nochmal ein wenig ätzender. Und jetzt finde ich die ganze Welt ein bisschen so, als wäre ich Pokémontrainer und Reisegruppenjungs die VM Zerschneider. Aber mit bleiben ja noch westliche Länder. Und Asischmasien. Mag das ja eh. Und jetzt noch mehr Bilder. Yay. (Ja, ich bin ein bisschen wasserfixiert. Immer.)

 



 

 

Ich trank extra viel Rotwein um nun unerbittlich subjektiv über Kunstmuseen zu urteilen

Eigentlich bin ich, glaube ich, vergleichsweise oft in Museen. Meistens in fremden Städten als unterhaltsames Touristenprogramm. Ich mag Museen mit wissenschaftlichen Dingen, solange mal Knöpfe drücken kann und Zeug anfassen darf, ich mag Museen mit seltsamen Dingen, über die man nicht denkt, dass es Museen über sie gibt und Museen mit Fotografie und Museen mit (post)moderner Kunst. Damit kann ich also schon recht gut durchgefüttert werden. Ob mich Museen mit nicht ganz so moderner Kunst wirklich interessieren, wollte ich demnächst einmal herausfinden, wenn mal wieder Dienstag ist. Mein Problem mit nicht ganz so moderner Kunst ist, dass ich, wenn ich eine Ausstellung betrete, nicht direkt Bilder sehe sondern etwa:

 

a) Betrachten Sie die folgenden Abbildungen. Ordnen Sie diese Künstler und Epoche zu und begründen Sie Ihre Entscheidung. (6 BE)

b) Betrachten Sie nun Abbildung 1.2 genauer. Analysieren Sie Bildaufbau und Darstellungstechnik. Stellen Sie anschließend basierend auf Ihren Erkenntnissen einen Bezug zum Lebenslauf des Künstlers beziehungsweise sein politisches/gesellschaftliches Umfeld her. (12 BE)

 

Nicht so moderne Kunst fühlt sich also immer so an, als müsste man etwas Kluges über sie wissen, weil es gibt sie ja schon lange genug und es wurde schon so viel darüber gesagt, dass man wohl schon selbst ganz viel wissen müsste das eine oder andere “Ach. Natürlich. Hier haben wir einen klassischen Rubens.” über beleibte nackte Menschen flöten sollte. Das überfordert mich wahrscheinlich ein bisschen. Außer vielleicht Rubens.

 

Bei moderner Kunst habe ich das Gefühl, dass sie an mich höchstens den Anspruch stellt, etwas Kluges zu sagen, dass ich mir selbst ausgedacht habe. (Es sei denn, sie nimmt Bezug auf irgendetwas, was man auswendig wissen sollte/könnte.) Oder man sagt und denkt gar nichts und lässt die Kunst sich unverstanden fühlen, was sie auch nicht so ungern tut.

 

Außerdem fallen unter moderne Kunst auch oft solche Installationen, die ich gerne zuhause zum Rumspielen hätte, vorallem wenn sie, und da ist dann wieder sowas wie die Sache mit dem Knöpfchen drücken, in irgendeiner Weise interaktiv sind. Das ist auch schön, weil Kunst sonst sooft Fragilität und Lichtschrankenalarmanlagen verkörpert, dass sie ziemlich unsympathisch und unnahbar wirkt.

 

Zumindest nahm ich mir vor, Museen etwas mehr Zeit und Hirn zu widmen. Auslöser hierfür war, dass ich in Amsterdam im foam (supertoll empfehlenswert) eine Fotoserie sah, die ich gut fand, und ein halbes Jahr später im Museum of Contemporary Photography in Chicago (Ähm. Eintritt frei!) aus Versehen nochmal. Und das war ein bisschen “MS. JAEGER, YOU ARE NOT PAYING ATTENTION.” in leuchtend roten Buchstaben, insofern werde ich ab jetzt alles besser machen und Museenkram bewusster erledigen. Oder so.

 

Start war also die Pinakothek der Moderne irgendwann an einem Dienstag. Ich mag die Pinakothek der Moderne nicht so. Ehrlich gesagt finde ich sie ziemlich öde im Vergleich zu den meisten anderen Museen mit Moderner Kunst, die ich bisher sah aber es ist auch ein bisschen versnobt, zu bemängeln, sie könnte niemals mit dem Centre Pompidou in Paris, der Tate Modern in London oder dem MoMA in New York mithalten, denn München ist halt nicht Paris/London/New York. Früher stellte ich also versnobte Vergleiche mit dem MUMOK in Wien an, aber das ist auch eigentlich Quatsch, weil das MUMOK meistens hauptsächlich aus Sonderausstellungen besteht, die supertoll oder superöde sein können (alles schon erlebt) und in der Pinakothek doch immer ganz viel Dauerausstellungszeug ist, vor allem angewandte Kunst, die in Wien wiederum im MAK ist, also ganz woanders. (Guckt mal her, wie viel ich über Museen weiß. Das ist der Wein.)

 

Ich war sicher seit der Schulzeit nicht mehr in der Pinakothek der Moderne, und trotz allem wollte ich ihr also nochmal eine Chance geben, nachdem ich die quatschigen Vergleiche mal sein ließ. Außerdem interessierte mich eine Fotoausstellung über amerikanische Fotografie, die sich “True Stories” nannte, was ein bisschen nach drogensüchtigen Prostituierten und verarmten lateinamerikanischen Einwanderfamilien in Wellblechbauten klang, die man ja sonst so selten in Fotoausstellungen sieht. Ich zahlte einen ermäßigten Eintritt von 7€, ohne die große Sonderausstellung, denn die hätte nochmal extra gekostet und das wagte ich zu boykottieren. (Oder auch: Mein Interesse daran hielt sich in Grenzen.) Zunächst fand ich dann heraus, dass eben diese Fotoausstellung nur einen Raum groß war, was ich so doof fand, dass das ganze Museum schon nach dreieinhalb Minuten bei mir praktisch gänzlich ausgeschissen hatte. Außerdem gefielen mir dann nur zwei Fotos wirklich gut, darunter das, was schon Teaser der Ausstellung war. Wenigstens hatten sie anstandsgemäß Portraits der Drogenjugend mit im Programm, denn die Drogenjugend ist die Unterhose der Fotografie.

 

Nach dieser derben Enttäuschung guckte ich mir eine Ausstellung mit Skulpturdingen an. Tja. Betrat einen Raum, dann war da eine ausgestopfte Hauskatze. Wenn man annimmt, dass sie Hauskatze eines natürlichen Todes starb, ist das an sich okay, trotzdem erinnerte mich das alles ein bisschen an Joseph Beuys. Beuys ist meiner Meinung nach nämlich die Unterhose der Skulpturenaustellungen. Zumindest in Europa. Aber immerhin hatte ich schon einen Raum betreten, der komplett Beuysfrei war. Und auch das Katzenviech hatte irgendjemand anders präpariert. (Nope, Chuck Testa does not taxidermize pets.) Ich war ziemlich froh, mich wie ein Idiot fühlen zu können, der von der Zusammenstellung von Kunstausstellungen doch überhaupt keine Ahnung hat. Dann ging ich in den nächsten Raum. Beuys. Dann noch einer mit Beuys. Und noch einer. Und noch fünftausenddreihundertneunundsiebzig weitere. Zweieinhalb Sekunden fand ich mich klug. Dann aber das Museum erneut voll blöd. Ich bin ja schließlich auch nur ein armer Proletarier, der nicht Kunstgeschichte studiert und kaum Gemälde kennt und überhaupt auch keinen Seidenschal trägt, wenn er ins Museum rennt, ich erwarte ein bisschen, dass mich eine Kunstausstellung überrascht. Oder so. Insofern finde ich es für mich ziemlich enttäuschend, wenn das dann überhaupt nicht der Fall ist. Das sieht aber wahrscheinlich jeder anders und ganz viele Leute freuen sich irrsinnig über Beuys und Drogenfotos, das ist auch gut so. Aber ich bin halt ein bisschen beleidigt, wenn mich ein großes architektonisch ansprechendes Museum nicht mit seinem Inhalt beeindruckt. Dass mir beim anschließenden kaum veränderten Bereich mit den Dauerexponaten nicht vor Erstaunen das Maul offen stehen blieb, muss ich wahrscheinlich gar nicht sagen.

Fazit: Orrr.

 

Eine Woche später war ich dann in Hamburg. Wo ich auch meistens nicht Tourist spiele und eigentlich selten daran denke, dass ich in ein Museum wollen könnte, wenn es nicht gerade jemand anspricht. Na gut, ich war vor ein paar Wochen alleine im Auswanderermuseum BallinStadt, was ich mir auch ganz alleine rausgesucht hatte, aber das war es dann auch schon. (Man konnte dort Knöpfe drücken.) Die Kunsthalle, in die immer alle kultivierten Hamburgbesucher gehen und begeistert sind, hatte mich bisher eher abgeschreckt, aus den ganz am Anfang genannten Gründen. Dann fand ich aber mittels sorgsamer Recherche heraus, die ich im Zuge meiner superguten Museumsvorsätze veranstaltete, dass es dort auch Kram gibt, der dem entspricht, was ich mir normalerweise gerne angucke. Besonders die Sonderausstellungen, die da zu der Zeit gerade waren. Außerdem wollte ich dann auch noch das Horizon Field in den Deichtorhallen sehen, wenn ich schon feierlich einen Museentag veranstalte. Insofern erfreuten Gizzy, Pablo, Rolf und ich zunächst eine spiegelnde Ebene mit Sockenfüßen, anschließend ließen wir Gizzy zurück, da sie ihrer Bildung nachgehen musste (kann ja nicht jeder Informatik studieren) und gingen dann zur Kunsthalle, was auch ziemlich toll war, und vor allem überraschend. Eigentlich hatte ich in der Sonderausstellung “Lost Places” hauptsächlich Fotografien erwartet, dann waren da aber dunkle Labyrinthe, seltsame Dinge mit Öl und gruslige Räume. Rumspieldinge. Klasse. Und irgendwer meiner furchtlosen Begleitmänner schubste mich bei Gruselkram immer vor, was mir bewusst machte, dass ich niemals besonders viel Screentime als Horrorfilmfigur zu erwarten hätte. (Oder ich bin furchtbar mutig und darf doch nach Gryffindor.) Außerdem durften wir Bonbons essen, die eigentlich Ausstellungsstücke waren und gewährten ihnen sogar eine Lutschtime von einer halben Minute, bevor wir sie im Verlauf einer lebensrettenden Maßnahme ausspuckten.

 

Ach ja. Zeugenaussagen und Beweismaterial, mit dem ich meinen versnobten Hamburgvergleich zu stützen versuche, können während der Öffnungszeiten in den Ateliers Boomgaarden und Heimplatz (Ausstellung noch im Aufbau) besichtigt werden.

 

Und weil das gut war, bis auf den Geschmack der Bonbons, mag ich jetzt Museen wieder. Demnächst werde ich einmal etwas Unmodernes in München besuchen. Mal gucken, wie mir das gefällt. Und ob ich es schaffe, die Aufgabenstellungen in meinem Kopf zu ignorieren. Zumindest weit genug, das es mir nicht den Spaß verdirbt. Oder ich geh mal wieder ins Deutsche Museum, Knöpfe drücken.

 

PS Liebe Kinder, geht doch mal ins Museum. Es ist meistens gut dort und vielleicht gibt es auch lecker Bonbons.

 

Viele Grüße, eure Nina

Dingstag

Dies ist eine Geschichte über die traurige Tatsache, dass mein Alltag derzeit von wenigen spannenden Ereignissen geprägt ist. Deswegen freue ich mich, ständig weg zu sein, weil hier nämlich nicht so viel passiert. Mein Semester ist derzeit eine Veranstaltung, eine Vorlesung, die nicht stattfindet, da man sich doch auch die Podcasts von 2010 anhören kann, und die dazugehörige Übung. Die findet Dienstags statt. Dienstags ist also mein Abenteuertag. Mit einem Termin die Woche lohnt sich nämlich keine Monatskarte, insofern kann ich nicht gratis für achtzig Euro wann immer ich will in acht Ringen herumziehen, sondern muss da komplizierte Rechnungen anstellen, die darauf hinauslaufen, dass ich alles Dienstags tue.

 

Und das ist immer wahnsinnig interessant. Aufgepasst.

 

Meistens nehme ich den späteren Bus der zwei möglichen Busse, weil ich den früheren meistens verpasse. Dann kaufe ich mir beim meistens mürrischen Busfahrer ein Single-Tagesticket München XXL, denn das ist der exakte Name, der dafür erfunden wurde, und ich mich schrecklich fürchte, dass ich mit Tagesticket irgendwas Dummes bekommen würde, dessen Gültigkeitsbereich sich auf Fürstenfeldbruck und seine Satellitenstädte beschränkt. Anschließend würde ich, beim Reklamationsversuch, denke ich vom mürrischen Busfahrer, der eben das Ticket gerade extra für mich maschinell anfertigen hat lassen, in einem cholerischen Anfall bezüglich meiner fehlenden Wertschätzung seiner Arbeit mit seiner Pausenwurstsemmel erschlagen werden. Das versuche ich zu vermeiden.

 

Nachdem ich wegen dem langen Fahrkartennamen dann schon ziemlich lange mit dem Busfahrer gesprochen habe, verhalte ich mich den Rest der Reise unauffällig. In der S-Bahn sitze ich am liebsten am Fenster in Fahrtrichtung, Sonnenseite if available, und bin etwas beleidigt, wenn mir Leute Fensterplätze wegschnappen, die dann gar nicht aus dem Fenster gucken. Ich gucke schließlich immer aus dem Fenster und bin der festen Überzeugung, sollte sich jemand eines Tages eine Leiche mittelgut neben dem Gleis verstecken, ich würde sie am ehesten sehen. Der Leichengedanke ist aber insgesamt nur ein Versuch, sich in Waldjogger mit Hund hineinzuversetzen, die schließlich tagtäglich verscharrten Leichen begegnen, glaube ich.

 

 

Meistens hat dann irgendwann ein Fahrkartenkontrolleur einen Gastauftritt. Es ist ja ziemlich wichtig, dass die Exekutive das dreiste Passagierpack in die Schranken weist. Manchmal hat man aber Glück und die Instanzen der Exekutivgewalt sind ordentlich gekleidet, stinken nicht, und sind so kompetent, dass man ihnen nicht das Tarifsystem erklären muss, weil sie einen fälschlicherweise voreilig der versuchten Teilschwarzfahrerei bezichtigen.

 

Die Reise führt dann weiter, vorbei an mindestens drei kaputten Rolltreppen, denn wie sich herausgestellt hat, ist artgerechte Haltung von Rolltreppen im Münchner Klima äußerst schwierig, weswegen die Lebenserwartung von in Gefangenschaft lebenden Rolltreppen derzeit bei etwa alarmierenden 3,7 Tagen liegt. Etliche Münchner Rolltreppen befinden sich deshalb momentan in pathologischer Behandlung. Trotz ihrer einmaligen Change haben U-Bahn-Treppen übrigens noch nicht aufgehört, ziemlich gruselig dunkel und verwinkelt zu sein.

 

In der Uni angekommen, habe ich dann den Türcode vergessen, weil ich den Türcode nicht mehr kann, seit er vor einem halben Jahr geändert wurde. Natürlich habe ich ihn notiert, trotzdem mag ich nicht und er sicher so sinnfrei wie der alte, dessen ASCII-Werte ich mal vor und zurück mathematisch durchgematscht hatte, ohne Ergebnis. Erwarte bei dem neuen Code eine ähnliche Enttäuschung. Man muss sich dann eben, dass selbst eine Informatikinstitution nicht liebenswürdig genug ist, ihrem vierstelligen Türcode ein Geheimnis mitzugeben. Dabei gäbe es so viele Möglichkeiten.

 

Meine Univeranstaltung an sich dauert dann meistens so zehn Minuten oder findet nicht statt. Meistens haben es meine anderen Unimenschen auch vergessen, aufzutauchen, manchmal taucht einer auf, hat schlechtes Gewissen, dass er nie auftaucht und bringt mir Muffins mit. Letzteres ist besser.

 

Nach der Uni geh ich mir dann etwas zu Essen und Trinken kaufen. Meistens ist dabei irgendeine Flasche mit Kronkorken involviert und ich, die ich keinen Flaschenöffner besitze. Oder, wie heute, mir extra einen suche und dann vergesse, einzupacken. Es ist nämlich eine prinzipielle Sache, wie ich seit vorletztem Dienstag keine Getränke mehr beim Getränkemann kaufe, der mir meine Flasche stets öffnete, aber dann letztens eben mitteilte, er habe diesen Cider nicht, den ich hätte probieren wollen, für immer sei der weg und wird niemals mehr nachgeliefert. Und es steht immer noch die letzte Flasche neben der Flasche Astra im Schaufenster, was mich ziemlich traurig macht, denn ein richtig netter Getränkemann hätte mir die ohnehin irrelevante Schaufensterflasche ruhig geben können. Insofern werfe ich jetzt all mein Geld in Supermärkte. Da ist es ohnehin billiger. Was sich zugegebenermaßen etwas erübrigt, wenn man sich dann einen Flaschenöffner dazu kaufen muss, der das Doppelte des restlichen Einkaufs kostet.


 

 

Danach kam an diesem speziellen Dienstag zum Einsatz, was ich schon lange plante, nämlich wieder ein bisschen mehr in Museen herumzuhängen, und zwar in denen, in Städten, wo ich öfter bin, und nicht nur kurz auf Urlaub, denn da bin ich ohnehin schon öfter in Museen. Für diesen speziellen Dienstag war die Pinakothek der Moderne vorgesehen, weil mich eine Fotoausstellung interessierte, die dort gerade ist, und ich noch dazu mehrere Jahre dort nicht war. Dann war ich unglaublich enttäuscht, fuhr traurig nach Hause, verlor allen Glauben an deutsche Kunstmuseen und regenerierte ihn eine Woche später in Hamburg. Aber das ist eine andere ziemlich traurige Geschichte. (Zu der es wohl auch ziemlich beeindruckendes Bildmaterial gibt, welches sich derzeit nicht in meinen Händen befindet. Man wird abwarten müssen.)

Haben Sie Kleingeldo?

Dieses Wochenende gab es wichtige Botentouren in das Salzburger Umland zu tätigen. Im Zuge dieser Veranstaltung nahmen die meisten Beteiligten an einer optionalen Exkursion nach Italien teil. Weil das mehr nur eine Stunde von der Grenze weg ist und die Grenze nur eine Stunde von der Botentourenverwandtschaft. Grado ist wohl traditionelles Ziel für Österreicher, und dementsprechend gut Besucht von Familien mit Kindern, die ständig ludln müssen und ihre Mitmenschen darüber informieren. Die Stadt ist durchaus hübsch, es gibt eine Altstadt mit engen Gassen, was ich sehr mag, es gibt ein Meer und Boote, was ich auch sehr mag. Leider ist es eben ziemlich touristisch, man spricht Deutsch mit italienischem Akzent, man versteht alle Menschen drum herum, was ich im Ausland nicht leiden kann.

Nun gut. Da ich Wasser und Meere und Boote mag, wollte ich alle Menschen daran Teil haben lassen. Außerdem fand ich das Licht am Abend sehr schön. Kurz darauf begann es zu regnen und hörte niemals wieder auf. Zumindest hatte es das nicht, als ich das letzt Mal nachguckte.

 

 

 

 

 

Dead Plane’s Chest

 

Morgen fliege ich zurück nach Hause. In einem Flugzeug. Wahrscheinlich wird es ein schönes glänzendes Flugzeug sein, das von seiner Airline täglich gestreichelt wird, super Kerosin bekommt und ein hübsches Leben führt. Nach Flugzeugmaßstäben. Dann gibt es aber Flugzeuge, die niemand lieb hat. Oder so. Typischerweise alte Flugzeuge, oder zwischenzeitlich überflüssige Flugzeuge. Und leider sind Flugzeuge nunmal ziemlich groß und man kann sie schlecht in Privatwohnzimmern zwischenlagern. Also muss man sie irgendwo hinstellen, wo es billig ist und eventuell so ein abgestelltes Flugzeug nicht gleich verrottet. Gut, dass es amerikanische Wüsten gibt.

 

Vor ein paar Tagen war stand ich an Stacheldrahtzäunen von zwei Airplane boneyards in der Mojave, in Victorville und Mojave, beides in Kalifornien. Obwohl das Betreten von einem solchen Gelände ziemlich cool wäre und überhaupt halbkaputte Flugzeuge in Wüsten etwas wäre, was ich besser finde als Nashornjagden, darf man bestenfalls näher an die ganze Sache ran, wenn man sich ein Hollywoodkamerateam ausleiht. Alternativ vielleicht eine prestigeträchtige Gruppierung von Editorialfotografmenschen mit großen prestigeträchtigen Objektiven von prestigeträchtigen Magazinen, die prestigeträchtige Dollarscheine mitbringen. (Edit: Im Fernsehen läuft gerade eine Mythbusters-Episode, die auf einem solchen Pltz gedreht wurde. Sie simulieren Tornado-Auto-Holzstück-Unfälle.)

 

Praktischerweise gibt es neben den Außenseiten der Stacheldrahtzäune von diesen Abstellplätzen auch die Außenseiten der Stacheldrahtzäune von richtigen kleinen Abwrackwerkstätten. Mit Schrottplatzhunden.

 

 

In Victorville also fotografierte ich ein bisschen an einem Zaun herum, der Schrottplatzarbeitermann (Oben in Blau markiert) wurde aufmerksam, freute sich, weil er zufällig einen immens einflussreichen Freund in Deutschland hat. Genauer gesagt: Im Landkreis Fürstenfeldbruck. (Ernsthaft.) Dann öffnete er das weitläufige Schrottteileimperium und bat den Hund sachlich, niemandem ein Bein abzufressen. Leider bat niemand den herumfliegenden Sand sachlich, nicht meine Kamera anzufressen, aber darüber kann man ein bisschen hinwegsehen.

 

 

Auf dem Schrottplatz passieren ziemlich tolle Dinge, wenn man dem Schrottplatzmann glauben darf. Im Prinzip nehmen sie dort Flugzeuge auseinander und basteln aus den Teile andere Dinge, die Menschen mit Geld haben möchten. Bartheken aus Flügeln, Sushirestaurants für Südkorea. Oder, angeblich ziemlich populär in Kalifornien, Atomschutzbunker aus den Rümpfen von alten Jumbo-Jets. Oder Filmkram. Schrottplatzmann lieferte bereits Teile für Batman und Transformers und für irgendwas Neues it’s coming out soon, I forgot the name, it’s some sequel. (Wir glauben an dieser Stelle bitte, dass es sich um The Dark Knight Rises handelt, okay?) Ziemlich guter Schrottplatzbesuch. Außerdem fühlt sich Carbon seltsam an und Flugzeugflügel sehen von innen aus wie Bienenwaben. Überhaupt sind Flugzeuginnereien recht spannend. Sollte man sich eigentlich insgesamt mal genauer angucken. Und vielleicht möchte ich jetzt auch eine Flugzeugflügelbartheke haben. Sobald ich eine Bar habe.