{"id":880,"date":"2010-06-18T17:37:38","date_gmt":"2010-06-18T16:37:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/wordpress\/wordpress\/?p=880"},"modified":"2010-06-18T17:37:38","modified_gmt":"2010-06-18T16:37:38","slug":"mir-ist-ja-die-wm-egal","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/?p=880","title":{"rendered":"Mir ist ja die WM egal."},"content":{"rendered":"<p>Fu\u00dfball ist mir einfach unsympathisch.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Ich wurden an einem Montagmittag geboren. Das war 1990. Der Tag davor  war ein, wie das f\u00fcr Montage so \u00fcblich ist, Sonntag. An diesem Sonntag  hat die deutsche Fu\u00dfballnationalmannschaft gegen die holl\u00e4ndische  gewonnen und Rudi V\u00f6ller war angespuckt worden. An dem Tag, als ich nun  geborgen wurde, war das das Thema auf dne Krankenhausg\u00e4ngen, hat man mir  erz\u00e4hlt. Ich finde diese Tatsache ganz in Ordnung, wenn sich mein  Zeitstrahl ein bisschen mit dem der restlichen Bewohner Deutschlands  \u00fcberschneidet. Es ist kein Mauerfall oder so, was da <em>Forrest Gump<\/em>ig  im Hintergrund abl\u00e4uft, aber immerhin eine V\u00f6llerbespuckung, die es  sicher hin und wieder in doofe &#8222;Fr\u00fcher Mal&#8220;-Fernsehshows schafft.<\/p>\n<p>Wir haben uns damals f\u00fcr friedliche Koexistenz entschieden, die WM  und ich. Ich hatte kein besonderes Interesse an ihr, und die WM verstand  das auch widerwillig, nachdem ich sie darauf hingewiesen hatte, dass  ihr Interesse an mir auch nicht besonders ausgepr\u00e4gt war. Das ging etwa  gut, bis zur letzten Fu\u00dfballweltmeisterschaft und der Premiere der  feierlichen Manifestation der Schlandmentalit\u00e4t.<\/p>\n<p>Heute ist ein Freitag, es ist Vorrunde und nein, ich habe nicht  Geburtstag, falls das jemand denken sollte, bei dem gro\u00dfartigen ersten  Satz dieses Schriftst\u00fcckes. Es ist Vorrunde. Und ich bin hier alleine in  meinem Protest. Er wird nicht so recht akzeptiert, der Protest. Ich  f\u00fchle mich wie ein Erdbeerallergiker auf einer Erdbeerparty. Wenn ich  sage: &#8222;Ne, ich darf keine Erdbeeren&#8220; gucken sie mich meitleidig an, weil  ich ja offenbar niemals die fantastischen Freuden des Erdbeeressens  erlebt habe und murmeln: &#8222;Willst du nicht vielleicht doch ein bisschen?&#8220;<br \/>\nDie Schlandbewegung der letzten Jahre sorge n\u00e4mlich still und heimlich  auch daf\u00fcr, dass man sich nicht einmal mehr in weibliche Klischees oder  Inkompetenzen fl\u00fcchten kann, denn schlanden kann jeder.<\/p>\n<p>Aber ich bleibe jetzt auch mal stur. Here is why:<\/p>\n<p>Ich sch\u00e4tze die potentielle v\u00f6lkerverbindene Komponente einer  Fu\u00dfballweltmeisterschaft. Wirklich. Als sie in Deutschland stattfand,  war ich zum Teil in Bangkok. Und ich fand es unglaublich gut, dass es  dort Gro\u00dfleinw\u00e4nde gab, f\u00fcr die, die sich trotz der Zeitverschiebung  mitten in der Nacht Fu\u00dfballspiele angucken wollten. Das ist gut. Das ist  wie Oscars gucken. Und das macht bekanntlich auch nicht jeder.<br \/>\nIch finde es auch gut, von Bangkok zur\u00fcck zu flieger, \u00fcber Dubai, mit  einem Flugzeug voller Fans der <em>Soccer(r?)oos<\/em>, die f\u00fcr ein, zwei  Spiele nach Deutschland fliegen, obwohl man so Australiern in dieser  Disziplin keine besonderen Chancen voraussagt. Das ist alles sch\u00f6n und  gut.<\/p>\n<p>Meanwhile in Schland.<br \/>\nEs gibt Menschen, die gucken gerne Fu\u00dfball. Die gucken auch gerne die  Fu\u00dfballweltmeisterschaft. Okay, das kann man nachvollziehen. Und dann  ist da der Rest, der alle vier, vielleicht auch zwei, Jahre vor  Patriotismus auf die Knie f\u00e4llt und sein Gef\u00e4hrt in schwarz-rot-goldene  Merchandising Produkte tunkt.<br \/>\nUnd wozu denn nochmal genau? Ach ja, elf so M\u00e4nner. Vielleicht habe ich  deshalb ein Problem mit den ganzen Dingen, die da so ablaufen, weil eine  Fu\u00dfballmannschaft und die Reaktion auf diese geradezu antogonistisch  gegen mein pers\u00f6nliches Gedankenzeug werfen, was ich inoffiziell als  &#8222;Prinzipien&#8220; bezeichnen w\u00fcrde, offiziell halte ich den Begriff aber f\u00fcr  zu posh.<br \/>\nEine Fu\u00dfballmannschaft setzt sich aus Menschen zusammen, die nicht ich  da hin getan habe. Eigentlich ist das sehr undemokratisch, aber im  Kontext interessiert das, vermutlich zu Recht, niemanden. Es geht ja um  die Beine und nicht ums Hirn, da kann man schon mal akzeptieren, dass man selbst mit den Leuten, die da &#8222;f\u00fcr uns&#8220; Fu\u00dfball spielen, \u00fcberhaupt nichts zu tun hat. Denn: Das  gemeine Volk hat so oder so keine Ahnung davon, was gut ist im Fu\u00dfball.  Und das trifft auch mich sogar zu, allerdings w\u00fcrde ich auch jene  Entscheidung nicht treffen wollen, ich wei\u00df ja, was ich nicht wei\u00df.<br \/>\nDamit kann noch gelebt werden. Zumindest ich kann das ja ganz gut. Aber  ich bilde mir auch nicht ein, M\u00e4nnern in kurzen Hosen zuzugr\u00f6len zu  m\u00fcssen, die h\u00e4tten gef\u00e4llst<em> f\u00fcr Deutschland zu k\u00e4mpfen<\/em>.<br \/>\nIch denke, Fu\u00dfballer sind ein bisschen doof. Oder, anders gesagt, sie  verf\u00fcgen nicht \u00fcber eine von mir pr\u00e4ferierte Form von nach au\u00dfen  gezeigter Intelligenz. Ich glaube n\u00e4mlich, Fu\u00dfballer, insbesondere  Nationalspieler, m\u00fcssen ein furchtbar interessantes Leben haben. Was die  rumkommen! Und wen die alles treffen! Die ist doch ziemlich toll.  Bestimmt. Aber dar\u00fcber sprechen die ja nicht. Man wei\u00df nicht warum,  schlie\u00dflich k\u00f6nnen sie nicht so eindimensional sein, denn in der Regel  umfassen die interessen au\u00dfer Sport auch andere Aspekte des ganz  normalen Alltags, wie beispielsweise sch\u00f6ne hirnunbetonte Blondinen und  coole Hi-Society-Events. Das k\u00f6nnte man fast als Ignoranz bezeichnen.  Nun ja. Wenigstens geht ein bisschen was in die Richtung Charity. Aber <em>Charity<\/em> ist nat\u00fcrlich auch vorallem hip.<br \/>\nSo. Eigentlich, so ganz ehrlich, finde ich Fu\u00dfball sehr unsympathisch.  Es ist gepr\u00e4gt von \u00fcberselbstsicherem Auftreten, milde ausgedr\u00fcckt. In  einer Person kann ich das nicht leiden. Nein, ich halte niemanden  unverdient f\u00fcr gro\u00dfartig. Ich finde niemanden aufgrund seiner  Nationalit\u00e4t super. Warum auch? Muss man einer Fu\u00dfballmannschaft anders  begegnen als Menschen?<br \/>\nUnd dazu kommt von au\u00dfen die gebr\u00fcllte Aufforderung an Perfektion. So.  Perfektion stinkt. Perfektion ist langweilig und unmenschlich. Die  Forderung an eine Menschengruppe, mit maschineller Fehlerlosigkeit zu  agieren und ihnen andersfalls mit Aggression zu begegnen, halte ich f\u00fcr  unfair.<br \/>\nUnd da ist Fu\u00dfball wohl extrem.\u00a0 Der Vorteil von Weltmeisterschaften ist wohl, dass man da seine Aggressionen b\u00fcndeln kann, und gemeinsam f\u00fcr Schland und gegen was-auch-immer sein kann. Andere Mannschaften, Schiedsrichter. Und am Ende ist es v\u00f6llig legitim, zu hohe Forderungen zu stellen, wochenlang im Fanrausch Autohupen zu missbrauchen und dann auch noch den schlechten Verlierer zu spielen. Gemeinschaftlich ist das okay, ist ja Schland und WM, das muss man akzeptieren.<\/p>\n<p>Auf Kommando und alle zwei Jahre, wenn die Schlandmaschine wieder anl\u00e4uft.<\/p>\n<p>Ich finde das nicht gut. Ich mag sympathische und unperfekte Menschen und Dinge.\u00a0 Und Menschen und Dinge mit Humor. Und Fu\u00dfball ist sowas von nicht <em>so<\/em>. Ich glaube auch nicht, dass ich aufgrund meiner (halben) Staatsangeh\u00f6rigkeit irgendwelche Dinge unterst\u00fctzen m\u00fcsste, die ich sonst nicht unterst\u00fctzen w\u00fcrde. (Weichklopfen kann man mich allenfalls mit dem angebot, einer interessanten Beobachtungsm\u00f6glichkeit des menschelichen Sozialverhaltens. Aber das ist auch mit Spielverderbertum verbunden, also relativiert sich der Nutzen f\u00fcr Schlandanh\u00e4nger auch hier. )<\/p>\n<p>Kurz: Fu\u00dfball ist mir einfach unsympathisch.<br \/>\nUnd wenn man sympathisch sein will, dann akzeptiert man diesen Umstand bitte auch. Danke.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Fu\u00dfball ist mir einfach unsympathisch.<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/880"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=880"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/880\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=880"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=880"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=880"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}