{"id":871,"date":"2010-02-12T03:13:37","date_gmt":"2010-02-12T02:13:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/wordpress\/wordpress\/?p=871"},"modified":"2010-02-12T03:13:37","modified_gmt":"2010-02-12T02:13:37","slug":"%ce%be-kommt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/?p=871","title":{"rendered":"? kommt."},"content":{"rendered":"<p>Die meiste Zeit lerne ich f\u00fcr irgendwelche Pr\u00fcfungen, das ist so mein Lebensinhalt zur Zeit.<\/p>\n<p>Das ist nat\u00fcrlich eher eine bedauerliche Tatsache. Und wenn man so die Auswahl hat zwischen Schweigen (Gold! Gold!) und dem Argument der Blogfeindgemeinde, zu viele w\u00fcrden schreiben, obwohl sie nichts zu sagen haben, dann ist es dieses Mal im Finale das Schweigen geworden. Jammern ist schon im Halbfinale ausgeschieden.<br \/>\nIm Moment ist es gerade Analysis. Klausur am Dienstag. Analysis ist voll bl\u00f6d. Und erinnert mich an mein Mathegelerne vor dem Abi. Man hat die zwei LKs, da ist das Lernen gar nicht so die Pest, weil da dann wenigstens noch ein Funken Interesse mitspielt. Dann ist da das Colloquium, bei dem man viel mehr Lernstoff lernen muss als woanders. Und dann bleibt das Grundkursabi, in meinem Fall Mathe und man muss sich den z\u00e4hen Kram irgendwie ins Hirn pressen.<\/p>\n<p>Und dann kommt dazu, dass Uni-Mathe arrogant ist und das nervt. Das ist wie bei einer bekannten globalen Kette, die auf den Verkauf von Kaffeeprodukten spezialisiert ist und sich gelegentlich weigert &#8222;Cappuccino&#8220; oder &#8222;gro\u00df&#8220; zu verstehen, weil es bitte grande Hot-Fraccu-Creamo-Shaki-ccino-Lite-TM hei\u00dft. Und dann gibt es Sandwiches, die \u00f6fter nicht mit besonderem Genuss verbunden sind. (&#8222;Sandwich-Lemma&#8220;, f\u00fcr die Outsider) Und dann gibt es Zeug, dass ich biher nur aus Stochastik kannte und ich mochte Stochastik. Aber ich mag auch Erdbeeren und will trotzdem keinen Erdbeersirup in meinem Kaffee, danke. Nein, auch nicht obendrauf.<br \/>\nUnd dann gibt es das Summenzeichen, welches ich nicht mag.Es sieht gef\u00e4hrlich aus und macht mit seinem pl\u00f6tzlichen Auftauchen das elementare Verst\u00e4ndnis der &#8222;Summe&#8220; kaputt, also sozusagen den ersten Zugang, den man \u00fcberhaupt zur Mathematik hatte. Psychologisch gesehen ist das wahrscheinlich etwa gleichzusetzen mit der Schlachtung und anschlie\u00dfenden kunstvollen Zubereitung des ersten Haustieres oder so. Au\u00dferdem halte ich die \u00c4sthetik von Sigma f\u00fcr anfechtbar. Das ist ein h\u00e4ssliches Teil Zig-Zag mit anderen Dingen dr\u00fcber und drunter, was immer schlecht ist, denn bekanntlich ist das gemeine Karoraster eines Papierblattes nur bedingt mit solchen Ausbr\u00fcchen vereinbar.<\/p>\n<p>Die anderen griechischen Buchstaben sind ganz in Ordnung. Manchmal klingen sie wie Physik, und ich mochte Physik bekanntlich nicht. C-Mal-M-Mal-Delta-Theta! Keine Ahnung, wof\u00fcr das steht, wohl irgendetwas mit Energie und W\u00e4rme, aber so klingt Physik.<br \/>\nDoch dann kam Xi. Man spricht es wohl &#8222;Ksi&#8220;, aber bisher wurden wir \u00fcber &#8222;Schi&#8220; unterricht. Auch mit dramatischer Dehnung: &#8222;Schi-i&#8220;. (Hat aber nichts mit Schiiten zu tun.) Bei ? frage mich regelm\u00e4\u00dfig, was durch den Kopf des mathematischen Gro\u00dfmeisters ging, der sich das aus einer Auswahl griechischer Buchstaben aussuchen durfte. Ich halte dieses mit unbekannte Indiviuum bei allem Respekt f\u00fcr seine offensichtliche Leistung f\u00fcr einen bekloppten egoistischen Pseudoexzentriker. ? ist n\u00e4mlich nicht besonders kompatibel mit meiner Hand. Ich blicke bereits auf eine nicht unerhebliche Gallerie von verreckten Regenw\u00fcrmern und horizontalem Loopinggekritzel zur\u00fcck und ich bin der bescheidenen Meinung, dass der Meister des ? das Konzept &#8222;Form Follows Function&#8220; nicht verstanden hat. Beziehungsweise er hat sich absichtlich dagegen gestr\u00e4ubt. Er hat sich f\u00fcr das<em> enfant terrible<\/em> der Buchstabenauswahl gehalten. (In der kalten Mathematik ist ja sonst so wenig Paltz f\u00fcr<em> enfants terribles<\/em>) Und selbst trainiert von zahlreichen Schwung\u00fcbungen, zun\u00e4chst mit einer improvisierten ?-Schablone, konne der ?-Meister nat\u00fcrlich sein Produkt schon ganz annehmbar auf Papier bringen. Die Fr\u00fcchte seinen jahrelangen akribischen Vorbereitung mir der mathematischen Untersterblichkeit seines Buchstaben als Ziel.<br \/>\nUnd keiner kann Xi h\u00fcbsch hinmalen. Aber keiner gibt es zu: oben erw\u00e4hnte Eigenschaft mit &#8222;A&#8220;.<br \/>\nVermutlich gibt es gemeine \u00dcbungsb\u00fccher zum ?-Malen. So, wie man Kindern das Notenschl\u00fcsselzeichen beibringt. Mit dem Unterschied, dass Mathematiker in ihrer Kindheit vielleicht Notenschl\u00fcssel gelernt haben, aber kein ?. Ich wei\u00df noch nicht, ob ich eher glauben will, man erfahre die Kunst des Schi-i in verschwiegenen Abendseminaren w\u00e4hrend des Mathestudiums, oder ob es spezielle ?-Malb\u00fccher gibt, die v\u00f6llig anonym in falschen Schachteln \u00fcber das Internet zu bestellen sind.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die meiste Zeit lerne ich f\u00fcr irgendwelche Pr\u00fcfungen, das ist so mein Lebensinhalt zur Zeit. Das ist nat\u00fcrlich eher eine bedauerliche Tatsache. Und wenn man so die Auswahl hat zwischen Schweigen (Gold! 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