{"id":835,"date":"2009-12-22T16:17:10","date_gmt":"2009-12-22T15:17:10","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/wordpress\/wordpress\/?p=835"},"modified":"2009-12-22T16:17:10","modified_gmt":"2009-12-22T15:17:10","slug":"dienstag-weihnachten-minus-zwei-tage","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/?p=835","title":{"rendered":"Dienstag, Weihnachten minus zwei Tage"},"content":{"rendered":"<p>Es ist Dienstag. Das ist der Tag, an dem ich vier Stunden zwischendrin frei habe. Die kann mehr oder weniger sinnvoll nutzen, aber irgendwann innerhalb dieser vier Stunden muss Kaffeeeinnahme stattfinden, was ich jetzt gerade hier tue. Ich bin allein, anders als die meisten anderen Dienstage, insofern muss ich mich diesen Dienstag darauf beschr\u00e4nken schriftlich zu erz\u00e4hlen und dabei sooft wie m\u00f6glich &#8222;Dienstag&#8220; zu schreiben, zumindest in den ersten S\u00e4tzen, wie man sieht.<\/p>\n<p>Dienstag beginnt viel zu fr\u00fch, etwa um sechs mit einer humanen Weckvorrichtung. Die maschienelle Weckvorrichtung ist n\u00e4mlich irgendwann in der Nacht ausgefallen. Und wie das so ist, meldet sie das nat\u00fcrlich auch nicht. Wecker sollten zumindest irgendwo ein gro\u00dfes &#8222;Error&#8220; stehen haben, bevor sie gedenken auszufallen. (Alleine des Wortes &#8222;Error&#8220; wegen)<\/p>\n<p>Dann geht Dienstag weiter mit der Reise, via Bus und S-Bahn. Letztere ist wie \u00f6fters am Dienstag versp\u00e4tet. Aber das war nicht so schlimm, es war ja nicht so kalt. Ich lief aus Langeweile ein &#8222;Guten Tag&#8220; in den Schnee. Gesehen hat es vermutlich keiner, wenn es jemand gesehen hat, dann hat er es sicher nicht erkannt. (Sch\u00f6n war es nicht) Das war ein Schachzug aus Prinzip, weil man eigentlich dem ganzen Bl\u00f6dsinn, den sie Menschheit in Schnees l\u00e4uft (oder uriniert) in Verkehrsmittel schmiert oder auf Toilettenw\u00e4nde malt entgegenwirken. Zumindest in angelaufene Scheiben lie\u00dfe sich auch mehr als &#8222;Fuck&#8220; schreiben &#8211; theoretisch.<\/p>\n<p>Erkenntnis auf der S-Bahnfahrt: Manchmal kann man Langeweile riechen. Der Geruch der Langeweile ist unbeschreiblich, aber wenn man ihm begegnet, dann merkt man das sofort. Dann laufen im Gehirn geheimnisvolle Prozesse ab an deren Ende ein gro\u00dfes &#8222;Achtung, langweilig&#8220;, projiziert auf die Gro\u00dfleinwand des innen Auges steht.<\/p>\n<p>Analysis, letzte Vorlesung im Jahr in der. Geringe Teilnahme. Die an weihnachten gro\u00dfz\u00fcgig verschenkte Ressource Zeit wurde hier voll ausgesch\u00f6pft. Das ist in Analysis immer so, da l\u00e4uft eine punktgenaue Zeitaufzeichnung mit, in Dozentenform. Vorlesungsminuten und freie Minuten werden ganz ganz genau aufgewogen. Ein Konzeptbruch zu Weihnachten w\u00e4re allerdings eine nette Idee gewesen. Aber man kann nicht alles haben.<\/p>\n<p>Freistunden, f\u00fcr Weihnachten eingekauft. Ereignislos. Bis auf die Massen von Schulklassen. Vermutlich Wandertage, jedenfalls verhielten sie sich so. Sie hatten McDonald&#8217;s T\u00fcten (&#8222;Megges&#8220;, bei uns war es damals noch &#8222;Meckes&#8220; bzw. &#8222;M\u00e4cces&#8220;), super gegelte Haare und exquisite Gespr\u00e4chsthemen. Die m\u00e4nlichen Sch\u00fcler schm\u00fcckten stolz das pr\u00e4gende, vermutlich durchwegs positive, Erlebnis aus, aus einem Erotikladen geworfen worden zu sein. Beziehungsweise der eine. Sein auf der Suche nach einer nie dagewesenen Gelrichtungsalternative kl\u00e4glich gescheiterer Freund sei &#8222;voll geil rausgerannt&#8220;. Weibliche Sch\u00fcler fischten darauf schwer beeindruckt weiter einzelte Pommes aus ihren braunen T\u00fctchen. (Das einzelne Fischen der Pommes aus gro\u00dfen braunen T\u00fcten mag ich pers\u00f6nlich nicht besonders gerne . Das liegt daran, dass man die genaue Aufbewarungmethodik der Pommes nicht sieht und dass man sich dann alles m\u00f6gliche vorstellen kann, vorin, voran und vorauf die einzelnen Pommes ihr Dasein bis zum Verzehr fristen. Und wo doch braune T\u00fcten sowieso normalerweise Dinge verpacken, die man <em>nicht <\/em>sehen soll. Kompost ist noch das geringste \u00dcbel.)<\/p>\n<p>Danach EiP. Da von mir hochgesch\u00e4tzte Auditorium war heute zum Gro\u00dfteil abwesend oder kam viel zu sp\u00e4t und sa\u00df dann woanders. Das war ein sehr, sehr trauriger Umstand. Ich musste mich deshalb mit Alternativbesch\u00e4ftigungen von meinem Leid ablenken. Wenigstens schenkte EiP f\u00fcnfzehn Minuten Weihnachtsfrei, was dann dazu f\u00fchre, dass ich von der MVV einen zwanzigmin\u00fctigen Aufenthalt auf einem All-Inklusive-Bahnsteig erm\u00f6glicht bekam. Das war toll.<\/p>\n<p>Jetzt sitze ich in der S-Bahn nach Hause, habe bereits Grundsch\u00fcler mit meinem Getippe schwer beeindruckt (&#8222;Hast das<em> alles<\/em> du geschrieben?&#8220; &#8211; Sie konnten etwa einen Absatz sehen.) Einen sch\u00f6nen Tag noch.<\/p>\n<p>\/\/Geschrieben ist das hier ausschlie\u00dflich im Caf\u00e9, am Bahnhof und der S-Bahn. Immer in F\u00fcnfzehn-Minuten-St\u00fcckchen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Es ist Dienstag. Das ist der Tag, an dem ich vier Stunden zwischendrin frei habe. Die kann mehr oder weniger sinnvoll nutzen, aber irgendwann innerhalb dieser vier Stunden muss Kaffeeeinnahme stattfinden, was ich jetzt gerade hier tue. Ich bin allein, anders als die meisten anderen Dienstage, insofern muss ich mich diesen Dienstag darauf beschr\u00e4nken schriftlich [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[1],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/835"}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=835"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/835\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=835"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=835"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=835"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}