{"id":744,"date":"2009-06-23T23:35:07","date_gmt":"2009-06-23T21:35:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/wordpress\/wordpress\/?p=744"},"modified":"2009-06-23T23:35:07","modified_gmt":"2009-06-23T21:35:07","slug":"so-ein-abistreich","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/?p=744","title":{"rendered":"So ein Abistreich.."},"content":{"rendered":"<p>Im Normalfall, so ist das gem\u00e4\u00df der eigentlichen Definition eines Abistreiches, sieht ein Abistreich <a href=\"http:\/\/http:\/\/dreisekunden.blogspot.com\/2009\/06\/abi-gestrichen.html\" target=\"_blank\">so<\/a> aus. Oder auch <a href=\"http:\/\/www.hurra-blog.de\/2009\/05\/29\/ich-habe-meine-leidenschaft-fuer-architekturfotografie-entdeckt\/\" target=\"_blank\">so<\/a>.<\/p>\n<p>Bei uns ist das nicht so und nie so gewesen. Bei uns ist der Abisteich nach der allgemeinen Einstellung, die Tag an dem die Abiturienten ihre Dummeheit und Einf\u00e4ltigkeit zur Schau stellen, die Lehrer kollektiv einen Flunsch ziehen,\u00a0in der Ecke hocken und hoffen, dass die hundert nervendsten Sch\u00fcler \u00fcberhaupt bitte endlich f\u00fcr immer vom Schulgel\u00e4nde verschwinden.<br \/>\nWann es sich so entwickelt hat, ist eigentlich mehr oder weniger unklar. Fakt ist, dass man uns schon bei der begr\u00fcndeten Stellungnahme versuchte einzubl\u00e4uen, dass der Abistreich der Schandfleck in der Gymnasial&#8220;tradition&#8220; ist.\u00a0 Sp\u00e4testens in der neunten Klasse hat man intensiv damit begonnen zu versuchen, uns von dem besten Abistreich aller Zeiten zu \u00fcberzeugen: Dem nicht stattfindenden Abistreich.<\/p>\n<p>Mein Jahrgang hat dieses Jahr Abitur geschrieben, ich mit ihm. Ich war neun Jahre an meiner Schule. Ich liebe meine Schule, ich liebe meine Lehrer &#8211; ein paar werde ich f\u00fcr den Rest meines Lebens dankbar sein, dass sie mich hier und da so gepr\u00e4gt haben wie sie es getan haben. (Das ist jetzt nicht \u00fcbertriben. Manches ist schon <em>Jahre<\/em> her und ich mache Sternchen in meine Kalender. Mehr muss man nicht wissen.) So weit &#8211; ich bin traurig, dass ich gehen muss (oder darf),\u00a0dass man den Anschluss zu so vielen Menschen verliert und wei\u00df,, dass das, was jetzt neun Jahre lang Alltag war bis zum Rest des Lebens reduziert sein wird auf ein &#8222;Und? Was machst du eigentlich jetzt so?&#8220;, irgendwann auf einem Klassentrffen oder einem Sommerfest, dass man f\u00fcr eine halbe Stunde aus Langeweile besucht.<\/p>\n<p>Seit Wochen finde ich die Einstellung, die uns entgegengebracht wird furchtbar. Wir bekommen pro Tag unz\u00e4hlige <em>Haut doch endlich ab, verdammt<\/em>s in Blicken und in offener Kritik. Spa\u00df macht das, ehrlich gesagt, keinen. Manchmal frage ich mich, ob wir es \u00fcberhaupt h\u00e4tten richtig machen k\u00f6nnen. Am dem Tag, als wir die Abiturergebnisse bekommen hatten, mussten wir ab zehn unsere B\u00fccher abgeben, die Zeugniszeremonie begann um zwei. Ein Vorgang, auf den wir eigentlich auch irgendwie h\u00e4tten verzichten k\u00f6nnen. Unsere Abiturergebnisse stehen auf einem Ausdruck, der viel unspektakul\u00e4rer\u00a0aussieht als ein Zwischenzeugnis. Niemand von uns h\u00e4tte daraus eine mehrst\u00fcndige Zeremonie mit H\u00e4ndesch\u00fctteln und dergleichen gebastelt. Wenn es nach uns gegangen w\u00e4re, w\u00e4re daraus eine viertelst\u00fcndige Aktion geworden, wie bei jedem Zeugnis auch. Das Abitur<em>zeugnis<\/em> kommt ja erst noch. (Wieder: H\u00e4ndesch\u00fctteln. Aber es ist das Zeugnis, deswegen ist das schon in Ordnung.)<\/p>\n<p>Jetzt hat sich also ergeben, dass wir f\u00fcr mehrere Stunden unfreiwillig in der Schule verweilen mussten, die wir f\u00fcr Organisatorisches nutzten. Dazu kam das Drehen\u00a0vom Finale des\u00a0Introfilms f\u00fcr die Abifeier, etwas, was ziemlich inakzeptabel organisiert war und schon alleine dshalb auf gro\u00dfen Widerspruch stie\u00df. Ist ja auch verst\u00e4ndlich. Am Ende der Wartezeit waren wir schon ganz gut drauf, was besonders auf die Zwangswartezeit und nat\u00fcrlich auf das Video zu schieben war. Im Drehbuch stand, wir sollten Angst haben. Wir hatten keine, nur Aufregung &#8211; und vermutlich waren wir da schon wieder unten durch. Wir, der Partyjahrgang. Wir waren der Partyjahrgang bei unserer Gala, die\u00a0unsere Lehrkr\u00e4fte gro\u00dffl\u00e4chig nicht besuchten &#8211; aus Prinzip. Derweil ist die Erfindung &#8222;AbiGala&#8220; nicht auf unserem Mist gewachsen, an anderen Schulen ist das ein fester Programmpunkt im Jahr. Unsere war sogar vereinfacht: Sch\u00fcler sollten zeigen, was sie ohnehin schon konnten.<\/p>\n<p>N\u00e4chstes Kapitel ist der Abistreich. Das ist sehr kompliziert. Zum einen d\u00fcrfen wir <em>gar nichts<\/em>. Die Polizei kam, als einmal ein Abiturjahrgang im Winter die Schuleing\u00e4nge mit Schnee zugeschaufelt hatte. Die Polizei w\u00fcrde bei jeder Verletzung oder Verunglimpfung von Neubauzubeh\u00f6r vor der T\u00fcr stehen. Den Aspekt der &#8222;Ausnahme&#8220; gibt es in dieser Form beim Abistreich schon lange nicht mehr. Wenn wir nach der, wie andere\u00a0Schulen, alles in der Nacht organisieren w\u00fcrden und am Morgen w\u00e4ren die Teppichb\u00f6den vollgestellt mit hunderten von vollen Wasserbechern&#8230; was w\u00fcrden sie mit uns machen? Oder eigentlich: Wie w\u00fcrden sie uns umbringen?<br \/>\nAbistreich hei\u00dft: Vom Lehrerzimmer Termin geben lassen, der vorzugsweise etwas wie &#8222;ab der 5. Stunde&#8220; beeinhaltet, und dann bittebitte ein familienfreundliches Programm.<br \/>\nDer Abistreich, nach der Definition unserer Schule, ist eh was f\u00fcr die Kleinen. \u00dcber die Jahre hat sich eingeb\u00fcrgert, dass alles ab der Achten die Flucht antritt. Verhindern kann man das nicht. Man wird dazu angehalten, einen Kindergeburtstag zu organisieren, damit Zehnj\u00e4hrige ihren Spa\u00df haben. Wir k\u00f6nnten kreativer und besser sein &#8211; aber f\u00fcr was. Die Lehrer, die nicht eh schon das Schulgel\u00e4nde vor Beginn der Aktion verlassen, aus reinem Desinteresse, bleiben nur, um sich zu \u00e4rgern. Und sich zu freuen, dass es vermutlich das letzte Mal ist, dass er\/sie den verdammten Abiturienten begegnet.<\/p>\n<p>Die Frage ist: Wie soll man jemals aus den Teufelskreisen heruaskommen? Die \u00e4lteren\u00a0Sch\u00fcler gehen, weil es sie nicht interessiert, dass\u00a0Programm wird auf die zugeschnitten, die\u00a0bleiben werden &#8211; es ist f\u00fcr die \u00e4lteren Sch\u00fcler uninteressant.\u00a0Lehrer finden den Abistreich bl\u00f6d und gehen \/ sind schlecht gelaunt &#8211; keiner will sich die M\u00fche f\u00fcr eine Armee von Grantlern machen &#8211; der Abistreich wird bl\u00f6d bleiben.<br \/>\nUnd was macht man aus dem Widerspruch, mit dem erw\u00e4hnten psychologischen Herausekeln aus der Schulzeit von Lehrerseite her und dem, dass man ihnen deshalb keinesfalls die Genugtuung geben m\u00f6chte keinen Abistreich zu machen. W\u00fcrden sie sich \u00fcberhaupt dran erinnern? Letztes Jahr gab es praktisch keinen, und da wurde im Lehrerzimmer auch nicht der Sekt ausgepackt. Da gab es noch schlechtere Laune.<\/p>\n<p>Whatever &#8211;\u00a0 Rausziehen kann uns da eh keiner, selbst die Lokalpresse kommt schon seit Jahren nicht mehr an unsere Schule (an die anderen im Landkreis schon). Uns bleiben im Prinzip nur zwei M\u00f6glichkeiten: Das tun, was sie einzigen interessierten und bleibenden\u00a0Zuschauer interessiert (-&gt; Kindergeburtstag) oder das tun, was die Lehrer wollen (-&gt; ein Abistreich).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Normalfall, so ist das gem\u00e4\u00df der eigentlichen Definition eines Abistreiches, sieht ein Abistreich so aus. Oder auch so. Bei uns ist das nicht so und nie so gewesen. 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