{"id":251,"date":"2008-03-12T00:00:47","date_gmt":"2008-03-11T22:00:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/wordpress\/wordpress\/?p=251"},"modified":"2008-03-12T00:00:47","modified_gmt":"2008-03-11T22:00:47","slug":"unterbewusst","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/?p=251","title":{"rendered":"unterbewusst"},"content":{"rendered":"<p>Wenn das Leben selbst leben w\u00fcrde, dann w\u00e4re es sicher sehr hinterh\u00e4ltig. Und schadenforh. Das, das ich kenne, zumindest.<\/p>\n<p>Sonntagabend sa\u00df ich da und ging meinen groben Montagsplan im Kopf durch. Erste: frei, okay, zweite Geschichte: nicht viel gemacht, nur Parteiprogramme, dritte Englisch, vierte Chemie, frei, Deutsch, frei. Und dann Kunst. Wie immer keine Abfrage, ein Referat von irgendjemandem. Wer war denn noch mal mit Refera&#8230; Verdammt,<em> ich<\/em>. Van Gogh. Ich wollte mir ja M\u00fche geben.<br \/>\nEin paar der Kunsteferate, die ich sehr gut fand, wurden nicht so benotet. Ein paar Referate die ich mittelm\u00e4\u00dfigfand, dagegen schon eher. Es lag nicht an den Anforderungen, sondern an imagin\u00e4ren Sonderbonbons, das hei\u00dft: Sch\u00fcler mir Powerpointpr\u00e4sentationen wurden besser benotet als die mit Folien, obwohl Powerpoint selbstverst\u00e4ndlich nicht als verpflichtend gilt. Ich mag Powerpointpr\u00e4sentationen nicht wirklich. Jedenfalls nicht so, wie sie verwendet werden. Wenn die Businessweld Statistiken an die Wand wirft, dann ist das was anderes,\u00a0als wenn Sch\u00fcler im Konstunterricht einen Lebenslauf eines K\u00fcnstlers\u00a0mit m\u00f6glichst bunten Hintergrund und Times New Roman \/ Arial (mehr kennt der Sch\u00fcler in der Regel nicht)\u00a0in einer m\u00f6glichst unpassenden anderen Farbe gehalten zeigen. Es endet ja doch meistens in Effekt- oder mindestens Farbvergewaltigung und ich mag es nicht, wenn das auch noch beeindruckt. Und wenn wir uns auf das Wesentliche beschr\u00e4nken w\u00fcrden &#8211; n\u00e4mlich das Zeigen der Zeichnungen oder Gem\u00e4lde und nicht dem detaillierten Lebenslauf, der genauso auf dem Arbeitsblatt steht &#8211; ist dann nicht wieder der organisatorische Aufwand f\u00fcr eine Powerpointpr\u00e4sentation mit drei Bildern zu viel? Trtzdem entschloss ich mich, die erste Powerpointpr\u00e4sentation meinstes Lebens anzufertigen. (Das &#8222;erste&#8220; war kein Problem, technisch ist das ja sehr einfach, ich mag sie einfach nur nicht.)<\/p>\n<p>Van Gogh ist ja ein sehr gro\u00dfes Thema, \u00fcber das man viel sagen kann. Und sehr interessant noch dazu. Es kam also dazu, dass ich sehr lange an dem Referat sa\u00df. Sehr, sehr lange. Ich merke meine M\u00fcdigkeit kaum, wenn ich, nennen wir es einmal, <em>arbeite<\/em> und als ich mich um drei Uhr morgens f\u00fcr offiziell fertig erkl\u00e4rte, hatte ich eine Pr\u00e4sentation mit 25 Seitenund ein doppelseitiges Arbeitsblatt mit farbigen Bildern. Das Einzige was ich nicht hatte, war der Titel des Buches aus der Schulbibliothek, von dem meine gesamten Notizen abstammten. (Die Notizen hatte ich schon eine halbe Woche herumgetragen) Ich hielt mein Referat f\u00fcr sehr intelligent. Die Tatsache, dass es nur Kunst war und nicht etwa etwas Wichtiges wurde von meinem eigenen Ehrgeiz \u00fcberschattet, der nun einmal von mir verlangte, zu zeigen, dass detaillierte Lebensl\u00e4ufe sowieso bl\u00f6d sind. Und das ich mich durchaus mit Powerpoint abfinden kann, wenn es denn sein muss, und zwar ohne Arial in grasgr\u00fcn.<\/p>\n<p>Und dann , als ich am Montag in der Aula stand und noch einmal \u00fcberpr\u00fcfte, ob sich der USB-Stick auch wirklich in meiner Hosentasche befand, sprachen mich die schicksalshaften Worte aus dem mund eines Mitsch\u00fclers an: &#8222;Du, Kunst f\u00e4llt \u00fcbrigens aus.&#8220;<br \/>\n(Vernachl\u00e4ssigbare Tatsache: N\u00e4chster Termin ist nach den Osterferien.)<\/p>\n<p>Ich brauche drei\u00dfig Minuten zum Abregen. Irgendwo verst\u00e4ndlich. Schlie\u00dflich l\u00e4sst das schadenfrohe Leben die anderen menschen auch in Ruhe. Die anderen Menschen h\u00e4tten kein Problem gehabt, falls ihnen das Referat um neun Uhr am Sonntagabend eingefallen w\u00e4re. Sie w\u00e4ren zuhause geblieben, oder h\u00e4tten es am Vormittag gemacht und w\u00e4ren erst zu Kunst in die Schule gegangen oder sie h\u00e4tten sich keine M\u00fche gegeben. Dass ich eine derma\u00dfen arrogante Person bin, die es f\u00fcr ein Einstellungs- und nicht f\u00fcr ein Arbeitsproblem h\u00e4lt, wenn jemand nicht in die Schule gehen kann, weil er am Vortag bis zw\u00f6lf an einem Referat gearbeitet hat, dass ich es f\u00fcr Bl\u00f6dsinn halten shcule mit Schule zu entschulidigen, dass ich denke, dass man mit den Anforderungen schon zurechtkommen kann, wenn man es sich passend einrichtet (Wenn ich wei\u00df, dass ich nicht in die Schule kommen k\u00f6nnte, wenn ich bis zw\u00f6lf an einem Referat sitze, dann muss ich eben daf\u00fcr sorgen, dass es nicht zw\u00f6lf wird. Jedem das Seine.), das habe ich mir ja nicht aus freien St\u00fccken ausgedacht. Das ist vollkommen unterbewusst. Da muss es auch bleiben, sonst bin ich gleich wieder der Depp. Letztens war ich angeblich Schuld, dass mein Biogrundkurs einen Arbeitsauftragsfilm anschauen musste, obwohl das eindeutig von anderen ausging. Ich sagte lediglich, dass man es uns wohl nicht abnehmen w\u00fcrde, wenn wir behaupteten, es w\u00e4re Stromausfall gewesen.<br \/>\nAber gut, ich war dann der Depp. (Sogar auch ein sehr unsozialer Depp, weil ich dem Film, den ich ja unbedingt wollte, nicht einmal aufmerksam folgte.)<br \/>\n\u00a0<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn das Leben selbst leben w\u00fcrde, dann w\u00e4re es sicher sehr hinterh\u00e4ltig. Und schadenforh. Das, das ich kenne, zumindest. Sonntagabend sa\u00df ich da und ging meinen groben Montagsplan im Kopf durch. Erste: frei, okay, zweite Geschichte: nicht viel gemacht, nur Parteiprogramme, dritte Englisch, vierte Chemie, frei, Deutsch, frei. Und dann Kunst. 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