{"id":2275,"date":"2021-08-19T19:15:12","date_gmt":"2021-08-19T17:15:12","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/?p=2275"},"modified":"2021-08-19T19:15:16","modified_gmt":"2021-08-19T17:15:16","slug":"unkoordinierte-gedankenausschuettung-zum-weltgeschehen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/?p=2275","title":{"rendered":"(Unkoordinierte Gedankenaussch\u00fcttung zum Weltgeschehen)"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich dachte mir: &#8222;Wieder ein bisschen Schreiben w\u00e4re nicht schlecht&#8220; aus verschiedenen Gr\u00fcnden. Mit dabei war auch quasi Gedankenyoga. So \u00e4hnlich wie Tagebuch, aber Tagebuch kann ich nicht, weil ich mir immer einen Leser (oder H\u00f6rer oder Zuschauer) denken muss, sonst ist das im Kopf ja nicht wirklich losgeworden, sondern nur in die Schublade gestopft, in die man alles stopft, von dem man nicht richtig wei\u00df wohin. Deshalb mache ich das heute trotzdem, auch wenn ich nicht richtig wei\u00df, wo mir der Kopf steht, und ich auch keine autorisierte, wichtige Meinung habe. Ich kann nur unsortierte Gedanken liefern:<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Woche war Afghanistan und dann konnte ich am Ende des Tages nicht. Ich habe alle Abende dieser Woche vor der PlayStation verbracht. Vor einiger Zeit hatte ich mir &#8222;Shadow of the Tomb Raider&#8220; geholt und seit dem hat es in der Schublade auf seinen Auftritt gewartet.<br>Ich spiele gerne PlayStation, aber nicht wahnsinnig viel. Es ist mein vereinnahmendstes Medium und meistens m\u00f6chte ich genau das nicht. Spiele ich Sims am PC, kann ich nebenbei ein H\u00f6rbuch oder Podcast h\u00f6ren. Spiele ich auf der Switch, kann ich nebenbei eine Niedrigaufmerksamkeitsserie gucken.<\/p>\n\n\n\n<p>Und jetzt, jetzt habe ich genau das gebraucht: Augen und Ohren Besch\u00e4ftigt, H\u00e4nde besch\u00e4ftigt, Kopf mit irgendwelchen Spielzielen besch\u00e4ftigt, Sofa, zugedeckt, Tee und Snacks in Reichweite. N\u00e4her komme ich nicht ran an den Maintenance-Modus, den ich den Gedanken wenigstens f\u00fcr ein paar Stunden geben m\u00f6chte. (Manche Menschen schaffen das vermutlich auch beim Lesen, ich nicht, ich muss grundentspannt sein beim Lesen, sonst wirds nichts.) Habe mir extra ein Spiel mit recht geradliniger Handlung ausgesucht. Ich liebe Open World Spiele, aber gerade m\u00f6chte ich, dass mich jemand an der Hand nimmt und sagt, was als n\u00e4chstes zu tun ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Wir sind alle Krisen-Nachrichten gebeutelt. Was ich bei Afghanistan f\u00fchle, ist eine nochmal neue Nuance von Hilflosigkeit.<br>Es ist ein bisschen verwandt mit der Pandemie-Emotion, die ich 2020 kennen lernte. Die geht in etwa so: Ich dachte nicht, dass uns das passieren kann, wir sind doch eine hochgebildete Gesellschaft und Seuchen sind f\u00fcr Mittelalter, Sch\u00fctzengr\u00e4ben und Hungerwinter. Und warum verhalten sich so viele Menschen so dumm?<br>Daraus habe ich gelernt: Nein, wir sind leider nicht besonders unverletzlich schlauer-als-alles-andere.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich bin sehr pazifistisch. Milit\u00e4rische Dinge lehne ich mit einer an Naivit\u00e4t grenzenden Entschiedenheit ab, so weit, dass ich mich so gut wie gar nicht f\u00fcr Milit\u00e4rflugzeuge interessiere. (Naivit\u00e4t hier ist: Nat\u00fcrlich wei\u00df ich, dass viele technologische Themen aus milit\u00e4rischer Motivation vorangebracht werden, dass da viel Geld f\u00fcr Forschung liegt usw.)<\/p>\n\n\n\n<p>Mein Umfeld, gerade online, ist weitestgehend woke unterwegs. Ich habe gelernt, dass man langfristige Auslandseinmischungen generell skeptisch sehen sollte, weil sie (mit Ausnahme von NGOs etc) meistens nicht humanistisch motiviert sind, sondern es um so Dinge geht wie Erd\u00f6l. Und Macht. (H\u00e4ngt zusammen)<br>Ich habe in meinem Leben schon viele Texte gelesen in die Richtung: Wie Wei\u00dfe als Retter ankamen und das Land zerst\u00f6rt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>H\u00e4tte man mich gefragt, was ich denn pers\u00f6nlich von westlichen Soldaten in Afghanistan halte, h\u00e4tte ich gesagt: Och puh, ich wei\u00df da nichts N\u00e4heres, aber jetzt nach zwanzig Jahren k\u00f6nnen die vielleicht auch wieder aufh\u00f6ren, das Land zu besetzen. Ich glaube nicht daran, das Milit\u00e4r-Pr\u00e4senz das Mittel zum Frieden ist.<\/p>\n\n\n\n<p>Das h\u00e4tte ich gesagt, weil ich nicht informiert bin. Das liegt auch daran, dass mir &#8211; als jemand, der nicht explizit nach Berichten sucht &#8211; nie irgendwas unterkam, dass mir erkl\u00e4rte, wie fragil die Demokratie in Afghanistan tats\u00e4chlich ist. Das auch nach zwanzig Jahren die Regierung (und Armee) dieses Landes nicht f\u00e4hig ist, sich selbst zu sch\u00fctzen.<\/p>\n\n\n\n<p>Jetzt m\u00f6chte ich, dass die Bundeswehr Menschen rettet, mit ganz vielen von diesen A400M-Dingern, dass Frauen selbstbestimmt leben d\u00fcrfen (Was nat\u00fcrlich nicht per so durch den Islam beziehungsweise auch die Scharia widerlegt ist, es kommt auf die Interpretation an, das wissen wir hoffentlich alle.) und alles gut ist. Und \u00fcberhaupt: Dass westliche Truppen unterst\u00fctzt ist jetzt das Gute, dass sie abzogen das Schlechte.<\/p>\n\n\n\n<p>Und obwohl es nur um meine l\u00e4cherliche pers\u00f6nliche Meinung geht: Es ist ein sehr bet\u00e4ubendes Gef\u00fchl, wenn man merkt, man wei\u00df gar nichts, man sieht die Dinge vielleicht zu einfach und vor allem: Verdammt, die Welt ist ja noch grausamer, als gedacht.<\/p>\n\n\n\n<p>Uff.<\/p>\n\n\n\n<p>Wenigstens kann man gegen die Hilflosigkeit ein bisschen anspenden. (Bitte!)<\/p>\n\n\n\n<p>Und jetzt muss mein Kopf wieder darum k\u00fcmmern, eine reiche Engl\u00e4nderin in Cargohosen beim Klauen und Zerst\u00f6ren von Kultursch\u00e4tzen zu unterst\u00fctzen. (Eigentlich sind unsere Privilegien schon ziemlich ekelhaft.)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich dachte mir: &#8222;Wieder ein bisschen Schreiben w\u00e4re nicht schlecht&#8220; aus verschiedenen Gr\u00fcnden. Mit dabei war auch quasi Gedankenyoga. 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