{"id":2154,"date":"2021-08-11T22:27:09","date_gmt":"2021-08-11T20:27:09","guid":{"rendered":"https:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/?p=2154"},"modified":"2021-08-11T22:27:11","modified_gmt":"2021-08-11T20:27:11","slug":"kurze-fussnote","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/?p=2154","title":{"rendered":"Kurze Fu\u00dfnote"},"content":{"rendered":"\n<p>Ich habe mir vielleicht den Zeh gebrochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Um das zu bewerkstelligen, wendete ich eine jahrtausend alte Methode an: Ich \u00fcbersah ein Stuhlbein und es gab keinen Grund, das zu tun. Ich trug zur Tatzeit ordnungsgem\u00e4\u00df eine Sehhilfe, stand nicht unter Substanzen, die meine Wahrnehmung h\u00e4tten beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnen, und im Wohnzimmer herrschte ausgezeichnete Sicht. Trotzdem prallte ich mit dem hinteren Zehenensemble frontal gegen unerbittlich harte Stuhlsubstanz. Der mittlere Zeh des verwickelten Zehenenseble, also der vierte (von links) lokalf\u00fc\u00dfig betrachtet, der neunte (von links) insgesamt (Ich denke, der allgemeine Zehenz\u00e4hlkonses z\u00e4hlt Zehen lokalf\u00fc\u00dfig von der gro\u00dfen Zehe aus betrachtet, dass in diesem Fall beides &#8222;von links&#8220; ist, ist also Zufall), den hat es am schlimmsten getroffen. Er ist <em>vielleicht <\/em>gebrochen.<\/p>\n\n\n\n<p>Dieser Vielleicht-Zehenbruch wirbelt nun mein Weltbild geh\u00f6rig durcheinander. Man muss sich das ein bisschen wie Schr\u00f6dingers Katze vorstellen, nur in sehr, sehr langweilig. Im Prinzip kann man bei einem Zehenbruch nichts tun: Ein bisschen an den Zeh nebenankleben kann man ihn. Also schickt man den Zeh auch nicht zum Arzt, und so kann er gebrochen und ungebrochen sein, eventuell auch beides gleichzeitig, aber es macht keinen Unterschied. Man hat also diese faszinierende Ambiguit\u00e4t am eigenen Haxen festgewachsen, aber es ist egal. Der Zeh definiert sich jetzt mit dieser Tatsache vollkommen neu, schmerzt manchmal (Bruch! Bruch!) oder absolut nicht (Hmpf), und beschr\u00e4nkt sein gelegentliches Farbenspiel auf dezentere Nuancen.<\/p>\n\n\n\n<p>Ich habe ausgiebig nachgedacht, ob sich aus der Frage &#8222;Zehenbruch Ja\/Nein&#8220; unterschiedliche lebensgeschichtliche Pfade ableiten k\u00f6nnten, kam jedoch zu keinem bahnbrechenden Ergebnis. Menschen mit ungebrochenen Zehen und Menschen mit tempor\u00e4r gebrochenen Zehnen leben friedlich untereinander und sind f\u00fcr den Laien quasi nicht zu unterscheiden. Ich hatte auch folgenden vielversprechenden Ansatz: Nachdem der Zehenbruch in den eigenen vier W\u00e4nden (mit eigenen vier Stuhlbeinen &#8211; oder weniger) auch f\u00fcr Unge\u00fcbte einfach zu realisieren ist, k\u00f6nnte sich da eine effektive Immunma\u00dfnahme gegen Bundesjungendspiele verstecken. Tats\u00e4chlich h\u00e4lt das sonst so verl\u00e4ssliche Internet Sport mit Zehenbruch eines Binnenzehs f\u00fcr m\u00f6glich und pr\u00e4sentierte nicht einmal ein halbes m\u00f6gliches Todesszenario f\u00fcr neunzehige Schulsportteilnahme. Eine Sackgasse.<\/p>\n\n\n\n<p>Im Zuge dieser Recherche ist mir au\u00dferdem dann nat\u00fcrlich nicht entgangen, wie still die Zehenbruch-Rekonvaleszenz-Lobby als Ganzes ist. M\u00f6glicherweise ist nur so leise, weil sich alle Leute, die pr\u00e4destiniert w\u00e4ren, ein Leben f\u00fcr den Zeh zu leben, lieber auf Telegram dem Wendler zuh\u00f6ren. Ich vermisse Leute, die mir ungefragt auf Frameset-Webseiten in Papyrus sagen:<\/p>\n\n\n\n<p style=\"font-family:'Papyrus'\">Zehen: menschliche Wurzeln, fragile Erdantennen, Spiegel unserer Stabilit\u00e4t <\/p>\n\n\n\n<p>Ohne solche klaren Indikatoren wird mir ja gar nicht bewusst, wann ich zu viel \u00fcber Zehen nachgedacht habe. Habe aber im Gef\u00fchl, dass der Zeitpunkt jetzt bekommen ist.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Ich habe mir vielleicht den Zeh gebrochen. Um das zu bewerkstelligen, wendete ich eine jahrtausend alte Methode an: Ich \u00fcbersah ein Stuhlbein und es gab keinen Grund, das zu tun. Ich trug zur Tatzeit ordnungsgem\u00e4\u00df eine Sehhilfe, stand nicht unter Substanzen, die meine Wahrnehmung h\u00e4tten beeintr\u00e4chtigen k\u00f6nnen, und im Wohnzimmer herrschte ausgezeichnete Sicht. 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