{"id":1205,"date":"2012-01-24T03:54:11","date_gmt":"2012-01-24T01:54:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/?p=1205"},"modified":"2012-01-24T14:32:57","modified_gmt":"2012-01-24T12:32:57","slug":"bildungsfahrt","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/?p=1205","title":{"rendered":"Bildungsfahrt"},"content":{"rendered":"<p>Als ich Berlin das vorletzte und erste Mal sah, war ich f\u00fcnfzehn, trug ich eine Zahnspange, eine allgemein als schrecklich h\u00e4sslich angesehen Mantel, einen verschnittenen Pony und hellgr\u00fcne Turnschuhe. Es regnete, war unglaublich kalt und ich hatte eine Pentax Optio S4, die beim Ausl\u00f6sen miauen konnte. Au\u00dferdem gewann ich eine D\u00f6nerwette gegen eine Lehrerin. Politische Bildungsfahrt, 10. Klasse. Das macht man ja so. Hier ist ein Bild zur Veranschaulichung. (Das war vor dem Reichstag. Jetzt ist da alles abgesperrt und man kann da nicht mehr so rumsitzen.) Au\u00dferdem sind die restlichen Bilder in diesem Eintrag so, wie ich sie mit f\u00fcnfzehn bearbeitet h\u00e4tte, wenn ich dazu mal Lust gehabt h\u00e4tte. <\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rosa_04.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1225\" title=\"rosa_04\" src=\"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rosa_04.jpg\" alt=\"\" width=\"675\" height=\"537\" srcset=\"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rosa_04.jpg 675w, http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rosa_04-300x238.jpg 300w\" sizes=\"(max-width: 675px) 100vw, 675px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Letztens war ich wieder auf Klassenfahrt. Oder so etwas \u00c4hnlichem. Ich wurde zu Beginn des Semesters, beim Grillfest f\u00fcr Erstsemestermenschen, die ich davor als Tutor sicher ganz schrecklich verwirrt hatte, dreist \u00fcberredet. (Entscheidungen, die nicht mit der Existenz von Freibier korrelieren.) Von Menschen aus meinem Semester und von welchen aus meinem Semester plus zwei. Sie w\u00fcrden zum Google Developer Day nach Berlin fahren, und man k\u00f6nne sich anmelden und eigentlich w\u00fcrden sie jeden nehmen und dann f\u00e4hrt man Ende November nach Berlin. Supertoll. Wie Klassenfahrt!<\/p>\n<p>\u00dcbrigens nehmen sie gar nicht jeden. Leute, die wie ich die Anmeldung etwas aufschieben wegen der nicht ganz so schnell zu beantwortenden Anmeldebogenfragen (&#8222;Nennen Sie einen Magic Moment, den sie mit einem Google Produkt erlebt haben&#8220; und so), diese Leute nehmen sie nicht. Also, beziehungsweise waren bis dahin schon alle verf\u00fcgbaren Pl\u00e4tze belegt. Tja. Reisedinge schon gebucht gehabt. Aber das ist okay. Schlie\u00dflich war ich in hunderttausend St\u00e4dten schon \u00f6fter als in der eigenen Hauptstadt.<br \/>\nKlassenfahrtm\u00e4\u00dfig reiste ich zun\u00e4chst mit einem InterCityExpress der Deutschen Bahn. Das war interessant, da ich n\u00e4mlich seltener richtigen Zug fahre als indische Kinderarbeitslumkinder. Das liegt daran, dass ich meistens f\u00fcr den gleichen Preis den Zeitraum, den ich neben einem v\u00f6llig fremden Menschen sitzen muss, drastisch verk\u00fcrzen kann. Das ist meistens wichtig.<br \/>\nAber bei einer Klassenfahrt sind ja Leute dabei, die man kennt, dann kann man auch mal Zug fahren.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rosa_01.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rosa_01-1024x321.jpg\" alt=\"\" title=\"rosa_01\" width=\"1024\" height=\"321\" class=\"alignnone size-large wp-image-1226\" srcset=\"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rosa_01-1024x321.jpg 1024w, http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rosa_01-300x94.jpg 300w, http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rosa_01.jpg 1719w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n<p>An sich \u00fcberfordert mich Berlin ein bisschen. Ich f\u00fchle mich dort weitaus orientierungsloser und fremder als in London oder Manhattan. Vermutlich, weil ich au\u00dfer den Dingen, die alle wissen, eigentlich nichts \u00fcber Berlin wei\u00df. Das ist aber auch nicht uninteressant. Nur eben fremd. Vielleicht steigere ich da jetzt auch rein, weil von der Currywurst, die ich a\u00df, die So\u00dfe nur wie Ketchup schmeckte. Und weil uns ein Barmann um drei Uhr nachts in einen Schawarma-Laden schickte und die Schawarmas dort komplett doof und wohl falsch waren. Oder als uns Leute sagten, sie w\u00fcrden uns am H&#038;M in den Hackeschen H\u00f6fen treffen, wir ungef\u00e4hr zweiundneunzig Berliner fragten, wo der denn sei, und die vehement die Existenz eines H&#038;Ms abstritten. Schlie\u00dflich fanden wir ihn selbst. Recht auff\u00e4llig, wenn man wei\u00df, wo. Als ob die uns absichtlich verarscht h\u00e4tten, die Berliner. Vielleicht zeichnen sie deshalb auch ihren U-Bahn-S-Bahn-Plan haupts\u00e4chlich in der gleichen Farbe.<br \/>\nZumindest haben sie sehr sch\u00f6ne Unterk\u00fcnfte. Aber ein bissen hatte ich &#8222;only partially the hippest place to be&#8220; aus <a href=\"http:\/\/www.tape.tv\/telly\/wir_sind_helden\/119761\">diesem (sonst deutschsprachigen) Lied \u00fcber Berlin<\/a> von dieser deutschen Band da, die eh alle vom Namen her kennen im Kopf.<\/p>\n<p>Nach zwei Tagen Unileuten um mich herum, kam Besuch aus Hamburg. Das war sehr gut. Wir wurden zum Beispiel von einem Thai-Singapur-Asiatenmann in eine Falle gelockt und mit so viel gutem zum Teil kostenlosen Essen vollgestopft, dass die Menschen an den umliegenden Tischen zu Weinen begannen und und beim Verlassen der Lokalit\u00e4t Morddrohungen zusteckten. Oder so \u00e4hnlich. Wir tranken Alkohol in seltsam aber gut eingerichteten Gastronomiebetrieben mit langen Namen (&#8222;An einem Sonntag im August&#8220;) und konnten dann zu Fu\u00df zur\u00fcck zum Hostel gehen. Mitten in der Nacht um sechs Uhr morgens reiste dann mit <a href=\"https:\/\/twitter.com\/#!\/nikirabam\">Miri<\/a> das letzte M\u00fcnchen (au\u00dfer mir (aber ich bin ja auch eher so F\u00fcrstenfeldbruck)) ab, um spa\u00dfige Pr\u00fcfungen gegen Berlins zu tauschen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rosa_02.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rosa_02-1024x715.jpg\" alt=\"\" title=\"rosa_02\" width=\"1024\" height=\"715\" class=\"alignnone size-large wp-image-1227\" srcset=\"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rosa_02-1024x715.jpg 1024w, http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rosa_02-300x209.jpg 300w, http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rosa_02.jpg 1713w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Montagmorgen bekamen wir dann <del datetime=\"2012-01-23T23:51:35+00:00\">\u00fcberraschend ein Telegramm und mussten so schnell wie m\u00f6glich einem Schmugglerring, der sich in einem verlassenen Fabrikgeb\u00e4ude versteckt hatte, auf die Spur kommen. <\/del> Lust, grundlos in verlassenen Fabrikgeb\u00e4uden rumzukriechen. Prim\u00e4r, um Fotos zu machen, sekund\u00e4r um uns den Arsch abzufriehren und terti\u00e4r, um von d\u00e4nischen Journalistensch\u00fclern abgefangen und zur Manifestitation einer hippen urbanen Trendbewegung made in Berlin gearbeitet zu werden. (Das sind Annahmen.)<br \/>\nDas kann man auch nochmal in h\u00fcbsch mit Bildern bei <a href=\"http:\/\/medialermurks.de\/blog\/2011\/12\/01\/kurztrip-berlin\/\">Pablo<\/a> oder auch bei <a href=\"http:\/\/www.rolfboom.de\/2011\/11\/kurztrip-berlin\/\">Rolf<\/a>, wo man auch sieht, dass ich gut darin bin, Menschen in ihre Fotos reinzurennen.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rosa_03.jpg\"><img loading=\"lazy\" src=\"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rosa_03-1024x695.jpg\" alt=\"\" title=\"rosa_03\" width=\"1024\" height=\"695\" class=\"alignnone size-large wp-image-1228\" srcset=\"http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rosa_03-1024x695.jpg 1024w, http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rosa_03-300x203.jpg 300w, http:\/\/www.nina-jaeger.de\/blog\/wp-content\/uploads\/2012\/01\/rosa_03.jpg 1728w\" sizes=\"(max-width: 1024px) 100vw, 1024px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Irgendwann danach gab es Gl\u00fchwein auf dem Weihnachtsmarkt am Alexanderplatz. Damals, als es diesen Gl\u00fchwein gab, war Weihnachtsmarkter\u00f6ffnung und Gl\u00fchwein war um einiges toller, als man ihn sich jetzt so vorstellt. Davon gibt es bestimmt auch wundersch\u00f6ne analoge Fotos, die darauf warten, dann ich ihren Film f\u00fclle und teuer weiterverarbeiten lasse. Urspr\u00fcnglich wollte ich mit dieser Sache hier warten, bis ich die habe. Dann ist aber wahrscheinlich schon Mitte Juni oder so.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck flog ich mit einem Flugzeug. Und ich wurde von Hamburgjungs zum Flughafen eskortiert, mit einem Auto. Vermutlich ist das der brutale Bruch mit dem gesamten Klassenfahrtskodex. Zumindest bestraften mich die Klassenfahrtsg\u00f6tter sofort mit der Tatsache, dass bei Air Berlin tats\u00e4chlich niemand den <a href=\"http:\/\/www.youtube.com\/watch?v=RbMZFeDbr_A\">Air Berlin Song<\/a> vorsingt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Als ich Berlin das vorletzte und erste Mal sah, war ich f\u00fcnfzehn, trug ich eine Zahnspange, eine allgemein als schrecklich h\u00e4sslich angesehen Mantel, einen verschnittenen Pony und hellgr\u00fcne Turnschuhe. Es regnete, war unglaublich kalt und ich hatte eine Pentax Optio S4, die beim Ausl\u00f6sen miauen konnte. Au\u00dferdem gewann ich eine D\u00f6nerwette gegen eine Lehrerin. 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